Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1869)
- Date
- 1869-03-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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I tiefe, MMestM^le llMnner gegenübetstellen. Lassekdie A Wotto <$t bläh Len P es iss a nicht spurlos ver- Z hallt sein! Äie Zeit zum erfolgreichen Handeln ist 1 baJ! — , —k. I 25. Febr. DaS Herrenhaus verhan- A deM heute über, den von dem Abgeordnetenhause bet schlyssenen Gesetzentwurf wegen der Eid e d er Iud en. 1 Der Referent, Graf Rittberg, befürwortet, unter; I Hinweis auf die verschiedenen Stadien, welche die An-! I gelegenheit bereits durchlaufen, die unveränderte Anj § nähme der Vorlage. Herr v. S e n f f t - P i l s a ch ist i ß entschieden gegen die Vorlage, welche die Juden zu! | einem verstümmelten Christeneid zwingen wolle. Die | Vorlage verletze den ernsten Juden nicht minder, als f die gcsammte christliche Welt. Der Präsident: ß Ich setze voraus, daß der Redner dies nicht in einem jj Gegensätze zu leichtsinnigen Juden gesagt haben will, jf welchen Gegensatz ich in dieser Sache nicht würde dul- $ den können. Uebrigens wird der stenographische Be- I richt das Nähere ja ergeben, v. Beruth: Lasten ß wir doch die alten, verrotteten Vorurtheile schwinden E und machen wir der Sachlage, wie sie jetzt leider noch | immer ist, endlich ein Ende; thun wir das im Zntes resse der Toleranz, der Gerechtigkeit, der ganzen menschlichen Gesellschaft. Der Regierungscommissär \y weist hin auf die von fast allen Synagogengemeinden | des Staats eingelaufenen Petitionen um Abschaffung Z des IudeneideS; in jüdisch-theologischer Beziehung stehe f dem auch nichts entgegen, und die Behauptungen des l Herrn v. Senfft seien in jeder Beziehung unbegründet. | Uebrigens komme beim Verfastungseid, beim Geschwor- / neneid rc. der Iudeneid auch gar nicht mehr in Betracht. Alle größeren Culturstaaten seien uns in der Abschaffung des Zudeneides vorangegangen, und mit Rücksicht auf alle diese Verhältniste bitte er dringend, dem Gesetzentwurf zuzustimmen. Der Präsident ertheilt Herrn v. Senfft - Pilsach abermals das Wort. - v. Senfft-Pilsach (nach einer Pause): Nein, ich 1 werde lieber noch etwas warten bis zum §. 1; ich habe einige thätsächliche Berichtigungen zu machen. Der Iustizminister empsiehlt die Vorlage ebenfalls zur Annahme. Damit ist die Generaldiscussion ge- \ ' schlossen. Zum §. 1 bemerkt Herr v. Senfft-Pil- - fach: Man hat mich nicht widerlegt. Die Herren haben sich woyl weniger mit jüdischen Sachen beschäfs tigt. (Heiterkeit.) In Berlin sieht man es häufig sgenug, daß man am Schabbes nicht reitet, auch am x Schabbes nicht auf die Börse geht. Und nun will j man jetzt die armen Juden zwingen, einen nichtjüdischen - . Eid zu schwören. Den jüdischen Frauen und Iung- \ frauen will man auch einen andern Eid aufzwingen — daS ist nicht chevaleresque. Wenn wir Christen schwören, so erheben wir die drei Schwurfinger als ein Zeichen unseres Glaubens an die Trinität, die den Jüdin bekanntlich sehr zuwider ist; verwischen wir dieses VerhÄtniß nicht. Der I u st i z mi niste r: Davon, daß dir Jude, die Schwurfinger erheben solle, steht nichts in der Vorlage: er solle nur die rechte Hand erheben, v. Senfft-Pilsach: Die jüdischen Frauen und Jungfrauen dürfen zu gewissen Zeiterst nach'der religiösen Satzung, überhaupt nicht schwören — das will man nun auch abschaffen, v. ThaddeU: Ich kann aus einer langen Praxis bezeugen, daß die Aufhebung des Iudeneides keine Besorgnisse erwecken" darf. Die Formel: „Ich schwöre bei Gott dem Allmächtigen" verleitet keinen Juden zum Meineide, v. Bernuth: Herr v. Senfft hat sich gar zu meinem Advocaten aufwerfen wollen; ich muß indessen bemerken, daß ich diese Advocatur nicht acceptiren kann. (Heiterkeit.) Der Iustizminister: Ich wollte nur bemerken, daß, wenn ich dem Herrn v. Senst nichts weiter erwidere, daraus nicht gefolgert werden darf, als ob ich demselben nichts zu erwidern hatte. — CS erfolgt hiernach die Annahme des Gesetzes mit großer Majorität. Nur etwa 15 bis 20 Herren blieben bei der Abstimmung sitzen. Cre-feld. Aus den 42 Bewerbern um die hie- ■ sige vacante Ober-Rabbiner-Stelle ist jetzt, Dank der unermüdlichen Sorgfalt des leitenden Wahl-Vorstan-7. des, eine engere Wahlliste von dreien — sämmtlich,- , wie wir dieses gleich Anfangs mittheilten, der streng religiösen Richtung angehörend — entworfen worden, die zu Probe-Predigten dahier eingeladen werden sollen. Als Erster derselben wird uns ein, im Bereiche der Orthodoxie vom besten Klange, bewährter Manch . Schüler der sel. Bodenheimer und Nomann, und von Beiden mit Ordination versehen, genannt, der aber aus Rücksicht auf seine jetzige Stellung, sowie seiner anerkannten Leistungen als Kanzelredner auf die Abhaltung einer Probe-Predigt nicht eingehen zu dürfen glaubte. Oesterreichischer Kaiserstaat. Dem hier erscheinenden „Osten" kommt folgende Mitteilung aus Brody unterm 29. v. M. zu: „Ein Enkel des Feldmarschalls Radetzky,, der auch dessen Name führt, kam jüngst nach Brody, um den jüdischen Glauben anzunehmen. Radetzky hat sich wirklich als Enkel des seligen Feldmarschalls legitimirt, und hat den 28. Januar, nach stattgehabten Ceremonien in der Synagoge, die jüdische Tracht, welche nur noch in Galizien von den Orthodoxen getragen wird, angelegt. Radetzky ist ein Mensch von gediegener Bildung und spricht und schreibt deutsch, polnisch, französisch, englisch und italienisch." Wien. Capellmeister Julius Sulzer in Bukarest (Sohn des Cantors Sulzer in Wien) hat vom König von Sachsen einen Orden erhalten; ebenso der