Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1869)
- Date
- 1869-03-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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einst, nicht wie jetzt, wo nur ein kleiner Theil Israels der Lehre des Herrn untreu geworden, während noch Millionen auf dem ganzen Erdenrunde ihr getreulich anhängen, baß einst vielmehr, zur Zeit des ersten Tempels, fast das gesammte Israel dem Götzendienste und allen damit verbundenen Lastern verfallen war. Und schon zur Makkabäer-Zrit wieder sehen wir das ganze Volk vom Glauben erglühet, und mit seinem Theuersteu, mit seinem Leben, ihn vertheidigen, gegen heidnische Tyrannen - Macht, die ihn unterdrücken will. Die Gegner des mündlichen Gesetzes und seiner Lehrer, die Secten der Sadducäer und Karaiten, waren mächtig nnd zahlreich in der Blühtezeit des zweiten Tempels, und zählten Könige und hohe Priester in ihrer Mitte; aber der Herr stützte das falsche nicht, und sie gingen unter im Verlaufe der Geschichte, so daß jetzt nur wenige Tausende Karaiten in versteckten Winkeln der Erde sich noch stnden; indeß die Millionen Jsraelten alle, in ihrer Zerstreuung auf der ganzen Erde, zum talmudischen Judenthume sich bekennen. Und was Jahrtausende lang der Geist des Herrn und frommer Väter Glaube im rohen Heidenthume und im finstern Mittelalter beschützt und erhalten, wahrlich, es wird nicht untergehen in einer Zeit, wo unter den Seeptern humaner, erleuchteter Fürsten, Israel freier athmet und feine Ueberzeugung äußern darf. Und wenn die Glauhensverflachung damals nicht siegte, wo sie von äußerer Herrschaft uyterstützt worden, so wird ihr dies um so weniger gelingen können, in einer Zeit, wo der Staat, in der Glaubcnstreue aller seiner Angehörigen, seine Stütze, mit Recht erkennt. Darum, Gläubige in Israel! lasset Euch von den vorgehaltenen Schreckbildern des Glaubensversalls nicht zu Reformen und Neuerungen verleiten, die nur dahin abzielen, diesen Verfall zu vermehren. Hoffet mit uns vielmehr zu Dem, der das Heil aller Seiner Erdenkinder will, daß Er bald die Krankheit der Jetztzeit, die an materiellen Bestrebungen siecht, heilen, und somit auch die Verirrten in Israel zur Glaubenstreue zurückführen wird. Bis dahin aber lasset unö, neben gewissenhafter Erfüllung unserer Pflichten gegen Fürst und Vaterland, getreulich unsere uralte Glaubensburg beschützen, und besonders auch gegen die vertheidigen, die in Freundes-Gestalt sich ihr nahen, um desto ungestörter ihre Grundmauern zu untergraben. Reuigen aber seien versöhnend unsere Reihen geöffnet; ihnen reichen wir die Hand zum Brudergruße dar. Der Eintracht erhält unter Seinen Himmels-Chören, möge es Ihm gefallen, Friede und Segen auch uns zu schenken, und dem gesammten Menschengeschlechte. Im Jahre der Welt 5605. 3eitungsnachri«hten und Correspondeuzen. Deutschland. Aus Württemberg. Das Iudenthum hat noch immer seine wahren Bekenner, seine treuen Verehrer, mögen ihm auch Gefahren von der Außenseite drohen, möge es auch noch so sehr bedrängt werden, noch so sehr der Reform sich zuneigen. Als Beweis möge Folgendes dienen: Aus dem Lande, in dessen Residenzstadt man einst von der Kanzel herab vernahm: „Stuttgart unser Jerusalem," stammt, wie auch leicht verständlich, die Confirmation. Sämmtliche israelitische Familienväter schickten auch ihre Kinder an dem betreffenden Tage in die Synagoge, dem hl. Acte beizuwohnen. Nur die Familienhäupter, die eö nicht mit ihrem Gewissen vereinen konnten, schickten ihre Kinder in dem betreffenden Jahre hinaus in die Fremde; was jedoch im Inlands war, mußte sich auf Befehl der k. israel. Oberkirchenbehörde zur Confirmation stellen. Dies geschah nun auch, bis sich vor drei Jahren ein Mann an die Spitze stellte, ein Mann, erfüllt von Gottverträuen, Gottesfurcht und wahrhafter Frömmigkeit, ein Mann, der weder Zeit, noch Mühe, noch Arbeit scheute, wenn es galt, eine Sache zu Gunsten der Religion auSzuführen. Herr Abraham Selz aus Niederstetten, dieser gottessürchtige und fromme Mann, der schon früher einen Streit mit der k.. isr. Oberkirchenbehörde wegen des Mezizzanehmens zu führen hatte, und ihn .->"2 glücklich überwand, scheute auch hier alle Anstrengung nicht, als die Zeit herannahte, daß eines seiner Kinder confirmirt werden sollte. Schon viel früher faßte Herr Selz den festen Entschluß, Niemand von seinen Angehörigen zur Confirmation zu führen, sondern sie lieber in eine religiöse Pension zu geben; doch wollte der Gottesfürchtige erst das Mittel probiren, ob man eine Person zwingen könnte, einen solchen für wahrhafte Juden als-irreligiös geltenden Act anözuführen, da doch die Gewissensfreiheit schon lange in Württemberg proclamirt ist; und was der Fromme beschließt, dazu gesellt Gott auch Seinen Segen. Herr Selz that seine Kinder in keine Pension, ließ sie vielmehr zu Hause, ohne sie für die Confirmation vorzubereiten. Dagegen protestirte das Kirchenvorsteheramt von N. und strafte Herrn Selz mit einem Thaler und berichtete über diesen Vorfall an die k. isr. Oberkirchenbehörde; darauf erschien der bereits in der vorletzten Nummer mitgetheilte Erlaß. Herr Selz ließ es aber dabei nicht beruhen. Während die Gemeinde N. die Geldstrafe jedes Jahr in ihrem Strafbuche fortführte, nach Verfügung der k. israel. Oberkirchenbehörde, wandte sich Herr S. trotz der Antwort der Oberkirchenbehörde an das k.