Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1869)
- Date
- 1869-03-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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155 Synagoge jenem neologen Prediger des neuen Tempels eltt^ogen und für die couservativen Gemeindemitglieder ein gesetzestreuer Rabbiner reserv.irt bleibe, zu dessen Ressort dann ausschließlich auch alle rabbinischen Functionen gehören müßten und dann, falls diese nicht genügend berücksichtigt würde, zur — Trennung zu schreiten. und CorrespoM denzen. Deutschland. Mainz, am Purimfeste. Wir haben heute wiederum 500 Thlr., und zwar 250 Thlr. an das Counts in Tilsit und 250 Thlr. an das Comitö in Gumbinnen zur Unterstützung der nothleidenden Israeliten in Westrußland abgeschictt. Die Summe der von uns zu dem genannten Zwecke in diesem Jahre übermittelten Gelder beträgt nunmehr 2000 Thaler. Die entsetzliche Roth ist den neuesten Berichte« zufolge noch stets im Steigen begriffen; der Hungertyphus wüthet und viele Menschen sterben im buchstäblichen Sinne des Wortes — Hunger! Zu unserm Bedauern müssen wir bemerken, daß, während der Mittelstand und selbst Arme reichlich beisteuern, unsere reichen Glaubensgenossen sehr wenig zur Abwendung dieser Calamität beitragen. Möge Gott die Herzen derselben rühren, damit jenem furchtbarm Elend gesteuert werden könne. Stuttgart, 22. Febr. Im CultuSministerium wird gegenwärtig eine Aenderunng des israelitischen Kirchenwesens vorbereitet. Wie man hört, ist der israelitische KirchenrathSassessor Dr. Jordan mit Ausarbeitung des betreffendm Entwurfs beauftragt worden. Eine solche Aenderung ist dringend notbwendig und wird schon lange von den gläubigen Israeliten angestrebt, um die Orthodoxie von den Fesseln zu befreien, in welchen sie bisher schmachtete. Aus Württsmbsrg. Die jeden Monat in der E. Greiner'schen k. Hofbuchdruckerei in Stuttgart erscheinenden „Mi t t Heilungen d e s W ü r ttembergischen Thierschutzvereins" vom Nov. 1868 (Nr. 11) bringen in Angelegenheiten des Vereins di« Nachricht, daß der nächste internationale Congxeß der Thierschutzvereine am 31. Juli, 1. und 2. August 1860 in Zü ri ch zusammentreten werde. Der Züricher Verein zum Schulder Thiere habe dießfastS' eine Einladung und ein Programm ausgesmdet, worin er unter. Anderem von dm Vereinen Vorschläge von Thematen wünsche, die. bei dem Congreß zur Verhandlung kdmmen könnten. Der Württembergs s che Thierschutzpereiv hat. von dem Standpunkte seiner bisherigen Erfahrungen ausgehend, mehrere Punkte der Besprechung und Berathung für Wertherachtet und glaubte es für zweckdienlich zu halten, durch ihre Veröffentlichung in seinem Monatsblatt dieselben auch seinem inländischen thierschutzfreundlichen Publikum zur Kenntniß zu bringen und durch ein« Anzahl Exemplare den Mitgliedern des CongrefseS, sowie den Schwestervereinen naher vor Augen legen zu dürfen. Unter Ziffer 2) c. steht folgende Stelle: „Bezüglich der Schlachtmethoden herrschen noch klägliche Vorurtheile. Die erleuchtet« Kantonsregierung von St. Gallen ist namentlich dem, keineswegs im mosaischen Gesetz begründeten Vorurtheil des so zweckwidrigen Sch achten s rn anerkennenswerther Weise entgegengetreten. In dem Schlachthaus in Stuttgart ist es den Bemühungen des städtischen Thierarztes, Herrn Saur, gelungen, wenigstens gleichzeitig mit dem HalSschnitt bei dem Schächten, sowie bei dem Schlachten des der Betäubung durch den Scklag auf den Kopf nicht unterworfenen Kleinviehes, Kälber, Schafe, Ziegen, den G erlittst ich in der Art durchzusetzen, daß die Medulla von der Innenseite des Halses her durchstochen werden muß." Es ist nun höchst nothwendig, daß die jüdische Presse diesen Gegenstand in die Hand nimmt umfo* mehr-, als das Thema auf dem internationalen Congreß zu Zürich besprochen werden soll, der Ende IM und Anfangs August d. I. schon sich versammeln wird. DieRabbinen in der Schweiz, die DD. Kayserling und Engelbert, haben über diese Frage 1867 etliche Schriftchen veröffentlicht, worin die Beschuldigung, daß Schächten Tierquälerei sei, gründlich und energisch zurückgewieseu ist. De« Erstereu Sammlung vieler eingeholter Gutachten von Koryphäen in der Veterinärkunde verdient alle Aufmerksamkeit und verscheucht jedes Vorurtheil und Letzterer hat seine energische Protestation auch als Artikel im Tageblatt der Stadt St. Gallen erscheinen lassen.*) Jener oben, erwähnte, mit dem Schächten gleichzeitige Genickstich, der in Stuttgart angeblich angewendet »erbe, würde das Thier zu.“Da: machen. Sehr interessant, aber ist es, daß die ganze Nachricht, wie sie die „Mittheilungen des Thierschutzvereins" bringen, durchaus unrichtig ist. Sobald nämlich Herr Kirchenrath v. Maier, Be» zirksrabbmer in Stuttgart, vou dem Inhalt des fraglichen Novemberheftes Kenutniß erhalten hatte, ließ, er den Gemeindeschächter sowie die drei jüdischeuMetzger daselbst vorrufen und fragte sie, oh dieses Ver» *) D»o rituale Gchlachtstag«' rc» vonDr. KKysetliNy. H: 9k €r6ttevfäMMt, 1867. Ist das- Schlachten der ’XJtjont rc. von. Dx. Engelbert. St. Gallen, ZolliLofer, 1867.