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Der Israelit · 1869-02-24 · Heft 8 (24.2.1869) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 8 (24.2.1869)
Date
1869-02-24
Page
– (sequence 18)
Language
German
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146 dann drittens noch der seit einiger Zeit wieder sich aufblahende Reformschwindel, lauter Thatsachen, die einen aufrichtigen Juden wahrlich in eine Gemüthsstimmung versetzen können, in der man sich durchaus nicht geneigt fühlt, vor's Publikum hinzutreten mit seinen ewigen Klagen und Wünschen! — Und nun gar erst hier in Breslau, dem Zion unserer Reform! Soll ich Ihnen etwa erzählen, daß vr. Joel wieder eine Broschüre über die Cultuöfrage geschrieben hat und allen orthodoxen Juden recht warm und eindringlich ans Herz legt, sich doch ja nur bald wenigstens eine kleine Drehorgel anzuschaffen! Nun dafür hat schon der Herr Redacteur ihm die wohlverdiente Züchtigung angedeihen lassen! Soll ich Ihnen von der neuen Grätz'schen Monatschrift erzählen? Auch darin ist mir der Herr Redacteur zuvorkommen. Einzig und allein zwei Bemerkungen kann ich Ihnen hinsichtlich der Cultusfrage und der Monatschrift mittheilen. Erstens, daß die Brochüre unseres ehemaligen, vielgeehrten und heißgeliebten Seelenhirten (oder auch nicht) Or. Geiger „Unser Gottesdienst" bis jetzt, wie ich aus authentischer Quelle weiß, in — 15, sage fünfzehn Exemplaren über unsere Stadt und weit hinaus über die deutschen Gauen" (wie etwa Philipson sagen würde) Verbreitung gefunden hat. und dann, daß der treffliche Artikel „Resormschwindel," den Sie neulich aus der Grätzffchen Monatschrift brachten, von Herrn Rabbiner vr. Güdemann in Wien verfaßt ist. Also nil admirari! Dafür haben wir aber einen Gast seit einigen Wochen in unserer Mitte, ein „literarisches Mammuthsthier," den berühmten Affenapostel und Geschäftsreisenden des Hauses Simia et Co., Herrn Carl Vogt, der sämmtliche Kreise unserer Stadt inBewegung und Aufregung versetzt. Einer Aufforderung zu einer Disputation von einem hiesigen kath. Cannonicus, dem bekannten Professor Dr. Baltzer ist die „Affenvogtei" glücklich entronnen! Sie wäre auch dabei übel weggekommen, was ihr ohnedies einmal früher oder später bevorfteht. Daß ich dabei die ausgezeichneten im „Israelit" veröffentlichten Aufsätze: „Geist und Stoff," mit vielem Vergnügen wiedergelesen habe, brauche ich wohl nicht erst zu erwähnen. Jemehr sich so Materialismus und Atheismus breit machen, und die ganze moderne Gesellschaft mit ihrem Gifte inficirten, destomehr müssen die gesetzestreuen und glaubenseifrigen Juden in solchen Zeiten zusammenhalten, und desto mehr muß jede Lücke in diesen Kreisen mit Schmerz und Bedauern wahrgenommen werden. Einen so bedauerlichen Verlust hat kürzlich die nahe Gemeinde zu Borek in Posen durch den Tod eines ihrer hervorragendsten Mitglieder, des Rabbi Joel Sachs, V"ar, der lange Zeit hindurch das Rabbinat dieser Gemeinde unentgeltlich verwaltete, erlitten. Die 3 Rabbinen von Borek, Jaraczewo und Gosteje sprachen an der Bahre des in die Synagoge gebrachten Verewigten. Ein Schüler des großen R. Akiba Eger b"Li und seines nicht minder bedeutenden Sohnes R. Salomon Eger d"rrr war der Verstorbene eine Capacität auf talmudiscbem Gebiete, und verwaltete die r»nin Zeitlebens in dieser Gemeinde n"3Wn. Gustav Karpeles. Frankfurt a. M,, 16. Febr. Dem „Franks. Journal" wird von hier geschrieben: Der Vorstand der hiesigen isr. Religionsgesellschaft hat sich mit einer Eingabe an die Stadtverordneten gewandt, worin er deren Beschluß in Betreff der Reorganisation der Frankfurter Schulverhältnisse zum Gegenstände seiner Erörterungen macht und seine Ansicht dahin ausspricht, daß er es vorziehe, unter der Regierung anstatt unter der hiesigen Schuldeputation zu stehen. Das ganze Schriftstück erregt nach Form und Inhalt in den Kreisen der Stadtverordneten die größte Sensation. Die isr. Religionö-Gesellschaft, welche (mit Recht) gerne jede Gelegenheit ergreift, um ihr seitheriges Verhältniß zur israelitischen Gemeinde zu lösen, hält sich durch den Beschluß der Stadtverordneten unterdrückt und in ihren Rechten bedroht, die zugemuthete Unterordnung unter und Vertretungdurch die in Aussicht genommene Schuldeputation wird als ein juridisches Unrecht bezeichnet, als eine moralische Unmöglichkeit, die im schreiendsten Widerspruch zu dem ganzen Gerste der recht scheinenden Billigkeit, der freien Vereinbarung stünde, welche alle andere städtische Anstalten genossen und denen gegenüber die Schöpfung einer neuen Organisation angestrebt werde. Das Actenstück wendet sich namentlich gegen die hiesige israelitische Gemeinde und deren Vorstand, welchem der Vorwurf der Verfolgung, Unterdrückung und Verlästerung gemacht wird. Die Stadtverordneten jedoch werden daran erinnert, daß die Geschichte des jüdischen Märtyrerthums nicht zu den rühmlichsten Blättern der vaterstädtischen Vergangenheit gehöre." Lichtenan, Reg.-Bezirk Minden, 8 Februar. Heute feierten die Eheleute Isaak Hecht und Rette Hecht, geb. Marcus, das seltene Fest der Diamant-Hochzeit im Kreise der Kinder, Enkel und Verwandten. Am Vorabend wurde den Jubilaren, welche sich noch des besten Wohlseins erfreuen, vom Gesangvereine eine Serenade gebracht. Am Festage selbst empfing dasselbe Gratulationen von Amtmann, Bürgermeister und Stadtverordneten. Oesterreichrscher Kaiserstaat. Wien. Die in öffentlichen Journalen gemachten Bemerkungen bezüglich der Wahl des Baugrundes für ein neues Spital der israelitischen Cultusgerneinde haben gute Wirkung gehabt. Die Vertreter der Cul-

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