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Der Israelit · 1869-02-24 · Heft 8 (24.2.1869) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 8 (24.2.1869)
Date
1869-02-24
Page
– (sequence 13)
Language
German
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141 Berlin, 5. Februar. Die neu gewählten Repräsentanten sind bereits eingeführt. Sie sind nur mit einer geringen Majorität aus der Wahlurne hervorgegangen. Man hört deßhalb vielfach von den Männern der Vertretung rühmen, daß sie, die in politischer Beziehung die Fahne der Gewissensfreiheit so hock heben, auch in religiöser Beziehung einen Gewissenszwang durch die Berufung noch eines zweiten Reformpredigers nicht werden ausüben wollen. Für Geiger ist keine Aussicht auch bei den neuen Repräsentanten, da sich eine 2/3-Majorität nicht Herstellen lassen wird. Uebrigens hat die Broschüre eines gewissen Heppncr, eines Anhängers Geigers, die noch am Tage vor der Wahl von den Liberalen aufgekauft und vernichtet wurde, Vielen die Augen geöffnet, wohin Geiger's Iudenthum führt. Die Broschüre ist nachher in einem zweiten Abdrucke erschienen; es wäre der Mühe werth, Einzelnes daraus weiter zn veröffentlichen. Sie fragen, was geschieht jetzt, nach dem Tode Rosensteins? Einstweilen sehr wenig, überall kein lebendiges Aufraffen, kein Ein- und Auftreten c»Dt? ob6, das den Sieg in sich birgt. Wir sind jetzt ohne ruoin byi, ohne Beaufsichtigung aller rel. Instituten! Es werden gegenwärtig im Saale der Gesellschaft der Freunde an jedem Dienstag Vorlesungen zum Besten der Gründung einer jüdischen Gemeinde - Bibliothek gehalten. Aber hier gilt der Satz: „Der Zweck heiligt die Mittel!" Denn solche unjüdische Vorträge mögen noch nie zu einem jüdischen Zwecke gehalten worden sein. U. A. hat Dr. Cohen, ein von Frankel abgefallener, zu Steinthal übergegangener junger Mann, seinen Lehrer und Meister nunmehr noch übertreffend, über die culturhistorische Bedeutung des Sabbat gesprochen, worin so viel myan und Heidnisches, daß selbst in den excentrischsten Kreisen dieser Vortrag Entrüstung hervorgerufen hat. In Geiger's Zeitschrift hat man die schriftliche Controverse zwischen Aub und Rosenstein y'y"T wegen dereiner Proselytin veröffentlicht. Wenn Ersterer auf den ninjn -pm oder Anstand so viel pocht und Rücksicht nehmen will, so legt ein College von ihm Zeugniß genug hiefür ab. So oft nämlich Aub Veranlassung hatte, ein -i"n für gewisse Ritualfälle zu bilden, hatte er einen gewissen Dr. Kr. mit in's Collegium berufen. Dasselbe war auch im verfl.offenen Sommer der Fall, wo es sich um die Aufnahme einer Proselytin handelte, die den vorbereitenden Unterricht bei jenem Dr. Kr. genossen. Nach dem vom ->"2 Aub's beliebtem, vom Vorstande der Gemeinde für giltig erkannten Modus wurde die Dame in's Iudenthum ausgenommen. Die Bekanntschaft mit der Dame, welche jener Lehrer und Nabbinats-Assessor gemacht, bat aber mit einem Male besondere Früchte getragen. — Dr. Kr. hat nämlich im December v. I. die Proselytin vermittelst Civil-Trauung als Gattin heimgeführt, ohne von seiner ersten Gattin, von der er seit Jahren getrennt lebt, nach jüdischem Religionsgesetze geschieden zu sein! Hinterher soll Dr. Kr., da er keinen Rabbiner für die jüdische Trauung erhalten konnte, sich selbst in Gegenwart von zwei Zeugen getraut haben. Dieses Factum, in allen Theilen wahr, und bedarf keines weiteren Commentars; es bildet ein Stadtgespräch! Wie wirb sich der neue Ehe-Gesetzentwurf, den Geiger, Aub und Friedmann der Synode vorzulegen haben, über einen solchen Fall aussprechen? England. London. Die englische Regierung hat, wie mit Bestimmtheit versichert wird, beschlossen, die im vorigen Jahre von Sir John Coleridge eingebrachte Bill, behufs Abschaffung derjenigen Eidesformeln, welche beschränkend gegen Alle wirken, die nicht der Hochkirche angehören (Ilniveroities lest Abolition. Bill) in ihr Programm aufzunehmen und mit ihrem ganzen Einfluß zu vertreten. Spanien. Madrid, 25. Jan. Dem „Franks. Iourn." wird von hier geschrieben: „Wie bereits bekannt, hat am gestrigen Tage der erste öffentliche Gottesdienst in der neu eröffneten evangelischen Capelle dahier, unter Anwesenheit eines zahlreichen Publikums, stattgefunden. Alles ging in der größten Ordnung vor sich. In Sevilla, Malaga und Granada bestehen übrigens bereits seit einiger Zeit anglikanische Capellen, in welchen regelmäßig öffentlicher Gottesdienst gefeiert wird. Zu verwundern ist dagegen, daß die Israeliten nach Aufhebung des im 15. Jahrhundert gegen sie erlassenen Verbannungsdecrets und obwohl ihrer viele schon seit einigen Jahrzehnten in verschiedenen Städten Spaniens, namentlich in Madrid, Barcelona, Gerona, Malaga, Sevilla und Cadiz völlig ungehindert Handelsgeschäfte betreiben, nicht zahlreicher einwandern. Besonders nimmt dies Wunder von den zahlreichen in England, Südfrankreich, Holland, Italien und der Türkei wohnenden s. g. „spanischen und portugiesischen Juden," umsomehr als in den genannten Städten sich dem Unternehmungs - und Handelsgeiste der Israeliten ein ausgedehntes Feld der ergibigsten Thätigkeit dauernd eröffnen dürfte. Der Errichtung von Synagogen würde mit der größten Bereitwilligkeit entgegengekommen und alle mögliche Förderung gewährt werden." Amerika. Eleveland. Für das vor drei Monaten eröffnete Waisenhaus gingen in dieser kurzen Zeit 11,216 Dollar (28040 fl.) ein; in demselben sind 81 Waisen, 46 Knaben und 35 Mädchen. (Iew. Mess.)

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