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Der Israelit · 1869-02-24 · Heft 8 (24.2.1869) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 8 (24.2.1869)
Date
1869-02-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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X. Jahrgang. Erste Beilage zu Nr. 8 des Israelit. Leitender Artikel. Der isrart. Congreß?u PejIH. x. Nach der Rede des Herrn Vr. Hildesheimer, deren Anfang wir in voriger Nummer gegeben, und die ausführlich mitzutheilen wir aus Mangel an Raum uns zu unserem Bedauern versagen müssen, wurde die Angelegenheit noch zwei Tage diSkutirt, ohne daß wesentlich neue Momente vorgebracht wurden; es wurde endlich mit 53 gegen 52 Stimmen, während gegen 100 sich absentirt hatten, also nur mit einer Stimme Majorität das Majoritätöelaborat als Basis der Verhandlung genommen. Zur Darstellung der Situation und zur Aufklärung über das merkwürdige Ereigniß, daß bei dieser so wichtigen Abstimmung hundert, fast alle der orthodoxen Partei angehörig, sowie zur Illustration des höchst trauri g'e n Umstandes, daß noch bis heute 60—70 dieser Partei Angehörige hartnäckig das Erscheinen im Eongresse perhorresciren, muß ich noch zwei Momente aus diesen Tagen hinzufügen. Herr Rabb. Steinhart hat bei seiner eifrigen Empfehlung des Majoritätselaborats sehr invektiv gegen die linke Seite des Hauses gesprochen, und sie so dargestellt, daß sie wie Jene seien, die, wenn sie ein Kind, das ertrinkt, sehen, sagen, sie könnten nicht retten, weil sie — legen müßten. Dies erregte einen unsäglichen Sturm, es entfernten sich gegen 50, entrüstet, ob solcher Beleidigung und versagten die Rückkehr, wenn diese Schmähung nicht zurückgenommen werde, was aber nicht geschehen ist. Tags darauf sprach Leo Holländer und wagte es zu sagen, daß er sich die Taktik unsererseits nicht anders als aus einem politischen Grunde erklären könne, sprach dann von Bismarck's Emissären, von den Donaufürstenthümern her, und gab seiner Rede solche schnöde Wendung, daß man uns der Verbindung mit staatsfeindlichen Emissären zeihen mußte, sprach dann von der „Arroganz" unsrerseits, uns allein für die Wächter und Erhalter der Religion zu halten. Da war das Maaß des Erträglichen auch für die gemäßigte Partei: Fischmann, Hildesheimer und Eonsorten gekommen, und auch diese (etwa 30), die obgegenannten Invectiven gegenüber noch immer stoische Ruhe bewahrt hatten, verließen den Saal nnd richteten Anfangs der nächsten Sitzung eine Schrift an den Eongreß, daß sie nach den ehrenrührigen Vorgängen des letzten Tages nicht eher wieder erscheinen könnten, als wenn diese Blasphemien zurückgenommen! und sie Seitens des Präsidiums gegen ähnliche gej schützt werden. Nachdem ersteres geschehen und Letztern! Versicherung ertheilt, kehrten letztere, nicht aber ersterezurück und nahmen ihre Plätze wieder ein. Ich fahre nun historisch bei den Ereignissen fort. Durch eine sehr relative Majorität bei gegen 100 Abwesenden ward also, es war Freitag am 4. d. M., über die für unsere Partei so hochwichtige Frage, ob sich das „Elaborat" positiv auf den Boden des y“m (oder mosaisch rabbinischen Judenthums) stellen wolle, um sich dadurch abzugrenzen, oder ob ein vollständiges Nivellirungselaborat angenommen werden solle, für letzteres entschieden. Es war in einer so hochwichtigen Gewissenssache 600,000 Seelen von einer Stimme die Gewissensruhe gestört, es handelte sich darum, ob man auf so nivellirender Basis weiter mit einander verhandeln, ob man sich weiter solcher Vergewaltigung fügen könne. Die conservative Partei, bereit alle Mittel aufzubieten, um doch die Wahrung der religiösen Garantieen allen diesen Vergewaltigungen gegenüber zu ermöglichen, machte von dem ihr schon bei Anfang des Congresses vom Cultusminister angebotenen Mittel durch Deputationen mit ihm in Verbindung zu treten, und dessen irgend mögliche Vermittelung anzurufen, Gebrauch und entsendete am darauf folgenden Sonntag eine Deputation an den Minister, die aus 10 Personen bestand und deren Sprecher Or. Hildesheimer war, welcher an denselben folgende Ansprache hielt: „Die huldvolle Zusicherung Ew. Excellenz, uns behufs Anhörung unsere Wünsche empfangen zu wollen, erscheint uns wie ein Rettungsanker in großer Noth und sind wir Ew. Exc dafür zu großem Danke verpflichtet. Gestatten Ew. Exc., daß wir jene, wie es freier Männer würdig ist, durch männliche Offenheit entgelten. Ew. Exc.! Schon seit 28 Jahren sieht ganz Europa auf Ew. Exc. eminente Gelehrsamkeit und hervorragenden Liberalismus, wir Israeliten aber sind stolz darauf, daß der Kampf für unsere Menschenrechte und Menschenwürde die schönsten Blätter in dem ewig grünenden Lorbeerkranze sind, den die Geschichte um das Haupt Ew. Exc. geflochten. Ihren nach mehr als einem Viertel Jahrhundert zählenden EmanzipatioSbestrebungen durch die Gelegenheit unsere confessionellen Angelegenheiten autonom zu verwalten, die Krone auszusetzen, haben Ew. Exc. den Eongreß berufen, der aber statt eine Krone edelsten Metalles eine Dornenkrone für uns zu werden droht. Wohl haben gleich beim ersten Schritte zum Congresse 120 Gemeinden, die später zu 150 sich vermehrten, warnend ihre Stimme er-

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