Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1869)
- Date
- 1869-02-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447395-2447404--06928-2462508- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
181 an die Reihe der Versorgung. „Das Jahrbuch für die GHchichte der Juden" enthält drei historische Skizzen, von denen eine von Eidam Eohn und eine andere von Eidam Kaiserling ist. Herr vr. Tobias Cohn, Rabbiner zu Potsdam, hat die Lebensgeschichte des Abgeordneten LaSker geschrieben. So dankenswerth eine solche Biographie, wenn richtig aufgefaßt und entsprechend dargestellt auch sein würde, so ist doch diese vollkommen verfehlt. Einige dürftige Daten in Bezug auf L.'s Jugend und dann die Reproduktion sämmtlicher Kammerverhandlungen, bei denen L. mitgewirkt hat. Wer für derlei Dinge Interesse hat, der hat sie erst unlängst in den Zeitungen gelesen, wer nicht, der wird sie auch hier nicht lesen. Wahrhaft komisch ist die hier ausgesprochene Vermuthung, daß die Nabbinerversammlung zu Breslau Laster dazu« angeregt habe, ein Parlamentsredner zu werden!! Wie lächerlich! Von einigem Interesse sind die kleinen Skizzen von Wolf und Kaiserling, sowie die vier letzten Abschnitte der Geschichte des Karäerthums von Fürst in Leipzig. Dagegen sind die „Geschichten" von Eduard Kulke unter aller Kritik. Es sind das Ghetto-Geschichten in Kompert'scher Manier; aber nur „wie er sich räuspert und wie er spuckt" hat Herr Kulke seinem Meister abgesehen; von KompertS Ingenium, von seinem tief in die Herzen dringenden dichterischen Blicke, von seiner wundervollen, lebendigen Gestaltung ist in diesen „Geschichten" nicht die geringste Spur; sie sind im höchsten Grade langweilig, und wer sie gelesen hat, spürt so etwas wie Katzenjammer. Wir können demnach das Urtheil über die diesjährigen Schriften dieses sogenannten Instituts zur Förderung der iörael. Literatur in ein einziges Wort zusammenfassen, und das lautet: Maculatur. Anderthalb Pfund Maculatur - Papier für zwei Thaler — das ist doch zu theuer. Die jüdische Che nach biblischen und talmudischen Grundsätzen. Von Dr. Aron Hirschfeld. (Fortsetzung.) Was unfern Stammvater Jacob betrifft, so hat auch er, wenn auch wider seinen Willen in der Polygamie lebend, sich des schönsten Ehestandes zu erfreuen gehabt. Denn seine beiden Frauen haben in der Liebe zu ihm einen edlen Wettstreit, ohne jedoch Zank und Zwietracht zu stiften, gehabt, den ihr für Recht und Gerechtigkeit tief erglühter Ehegemahl auf gleiche Weise zu erwidern sich beflissen hatte. Obwohl er die Leah Anfangs nicht leiden mochte, so mußte doch mit der Länge der Zeit seine Neigung zu ihr immer mehr zunehmen, je mehr Söhne sie ihm geboren hatte. Beide hielt und schützte er als die theuersten Schätze und bediente sich ihrer in den wichtigsten und entscheidendsten Lebensmomenten als seine treuesten Rathgeber, die selbst gegen ihren eigenen Vater auftraten und sich unter dem Schutze ihres gemeinsamen Gatten, bei dem sie Vorgaben, ein glücklicheres Leben als bei ihrem ränkevollen Vater zu genießen, aus ihrer Heimath für immer flüchteten. Trotzdem Jacob sie durch vierzehnjährige schwere Dienstzeit erkauft hatte, so behandelte er sie doch nicht als Sclavinnen, sondern als freie, edelgeborne Frauen und wollte sogar ohne deren Einwilligung und freiwilligen Entschluß das ihm verhaßte und drückende Haus seines Schwiegervaters nicht verlassen. — Demnach haben also die Stammvater, die Repräsentanten und Urtypen des jüdischen Volkes, ihren Frauen eine solche Behandlung zu Theil werden lassen, daß sie vor den erleuchtetsten und freiesten Zeiten unserer Generation sich nicht zu schämen brauchen. Aber dieselbe Verehrung und dieselbe Liebe, die sie im Leben ihren Gattinnen zu Theil werden ließen, ganz dieselbe sollten sie auch im Tode genießen. Waren sie im Leben stets unzertrennlich, auf gleichem Fuße stehend, zusammen, so wollten sie auch im Tode nebeneinander ruhen. Darum kaufte Abraham nach dem Ableben der Sarah einen Erbbegräbnißplatz, auf welchem die Erzväter mit ihren Gattinnen nebeneinander im Grabe schlummern konnten.: Von solchem Streben waren also diese in Betreff ihrer Frauen beseelt. Und ist es etwa seitdem in Israel anders geworden? Heißt es doch narr wyo D’331? ]D’D „Alles was unsere Stammväter im Großen und Ganzen betraf, sollte nur ein Vorspiel zu dem sein, was in Israel bis in die späteste Zukunft sich gestalten wird und ihre Thaten sollten der Spiegel ihrer spätesten Nachkommen sein!" — Da wir jedoch im Pentateuch kein einziges Beispiel mehr von einem jüdischen Eheleben vorfinden: so wollen wir unter den, dem israel. Volke daselbst von Gott geoffenbarten Religionsgeboten uns umschauen, ob wir nicht darin auch solche in Rücksicht des Eheverhältnisses erblicken. Aber nein, solche Gebote waren nicht nöthig, noch besonders gelehrt zu werden. Denn diese schwebten jeder Familie aus dem Leben der Stammväter vor Augen, und jeder konnte sie aus dem Sprachgebrauchs der Schöpfungsgeschichte, des ersten Menschenpaares und aus der ganzen Handlungsweise schöpfen, wie dieses zusammengebracht wurde. Jndeß fehlt es auch in der Gesetzsammlung Moses Nicht an klaren, unzweideutigen Winken, daß Mann und Frau in Israel als vollkommen gkeichberschtigligt erscheinen müssen. Um von den so vielen nur eins anzuführen, erwähnen wir die mannigfachen Gebote behufs der Elternverehrung und Elternverletzung. Immer finden wir bei diesen