Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1869)
- Date
- 1869-02-17
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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126 die Worte des Ewigen. So spricht der Ewige, ich bedenke, was Amalek Israel gethan hat auf dem Wege, da es aus Aegypten zog. Nun gehe und schlage Amalek u. s. w." Wenn Samuel hier im Namen Gottes die Vernichtung Amaleks befiehlt, weil dies Volk zuerst von Allen es gewagt, das Gottesvolk auf seinem Wege zum Sinai anzugreifen, so zeigt sich auch hier die außerordentliche Kürze und Praciston der biblischen Darstellung. Denn es ist auch hier derselbe scheinbare Widerspruch auszugleichen, der schon im Pentateuch stch findet zwischen dem Satze: „Es sollen nicht Väter sterben für ihre Kinder und nicht Kinder für ihre Väter," und dem andern Satze, „daß Gott die Sünder der Väter ahndet an Kindern und Enketnund unsre Stelle im Samuel beweist zum Theil die Richtigkeit der Erklärung unsren Weisen, daß nämlich die Missethaten der Väter an Kindern milbeftrafl werden, wenn diese in den Sünden der Väter verharren (’k/j/d omnn«<). Wie aber der Befehl, die Amalekiten auszurotten, aufzufassen sei, zeigt die Betrachtung der politischen Situtation damaliger Zeit. Daö Land, das die Amalekiten bewohnten, ist der westliche anö Mittelmeer stoßende Theil der arabischen Wüste, durch den die zwei directen Straßen von Aegypten nach Palästina gehen. Es ist daö Land, das noch heute von jenen räuberischen, aller Civilisation trotzenden Beduinen durchstreift wird.*) Daß jene Amalekiten aber nichts anderes sind als Beduinen, zeigt jede Stelle der Bibel, in der ste austreten. Nur hat man sie sich um vieles zahlreicher und mächtiger als die heutigen Beduinenstämme jener Gegenden zu denken, wie denn überhaupt feststeht, daß die ganze peträifche Halbinsel in alter Zeit weit mehr Bewohner tragen konnte, als heute. Der Natur nach sind aber alle Wüstenvölker durch alle Jahrtausende sich in einer Weise gleich geblieben, welche das gerechte Staunen aller Gelehrten erregt hat. Saul hatte foeben die stärksten Feinde auf allen Seiten gedemülhigt. Israel athmete nach Jahrhunderte langem Leiden auf. Nun tritt Samuel vor Saul hm mit dem Befehle Gottes, den Vernichtungskrieg gegen Amalek zu beginnen. Es ist außer Zweifel, daß dies Volk eine noch viel schlimmere Plage für Palästina war, als heutzutage die Beduinen. Auf ihren flüchtigen Rossen eilten sie herbei , plünderten Städte und Dörfer und. verbreiteten Angst und Schrecken. Es gibt überhaupt , wie dies noch im Anfang der 50er Jahre ein französischer Militär in einem eingehenden Berichte bemerkt hat, nur 2 Mittel um jenes alte Leidem Palästinas, nämlich die Ueberfälle der Ve- *) Schon durch diese Betrachtung wäre die Ansicht mehrerer christkicher Exegeten, daß Samuel 15, 9. statt o>wiu» ovcn?) Nachdem LXX, o>r)w Lu» owcnn zu lesen sei, widerlegt.. Zn der Wüste gibt es keinen fetten Ackerboden und keine Weiirberge. duinen radical zu curirsn, entweder jene Völker mit Gewalt zum Ackerbau anzuhalten, ödet sie auszurotten. Das erste Mittel dürfte bei der'Natur dieser Völker kaum Erfolg haben. Saul sollte auf göttlichen Befehl das zweite Mittel zur Anwendung bringen. Es sollte ein Volk bis zur Vernichtung bekämpfen, das von frühester Zeit an gegen Israel feindlich, besonders in den letzten Jahrhunderten mit furchtbarer Grausamkeit das südliche Palästina heimgesncht hatte. Nicht nur vor dem Auftreten Gideons war Midjan und Amalek (Richter 6, 3) stets, wenn Israel gesäet hatte, heraufgezogen und hatte die Saaten vernichtet, und die Bewohner getödtet, so daß Alles sich vor ihnen flüchtete und kn Höhlen und Bergschluchten verbarg, sondern gerade in den WirrLn der letzten Kriege Israels gegen die Philister und andere Völker muß jenes wilde Wüstenvolk mit besonderer Grausamkeit gegen das benachbarte Israel verfahren sein. Daraufhin deutet der Ausruf Samuels, während er den Agag! tödtet: „Wie dein Schwert die Weiber verwaist hat, so soll von den Weibern deine Mutter verwaist werden." In diesem einen Worte liegt die ganze Geschichte des Volkes Amalek in den letzten Zeiten. Dieser eine >L>atz sagt uns, daß der Vernichtungskrieg gegen Amalek ein nothwendiger war, daß die Langmuth des Ewigen nun nicht mehr der Feinde seines Volkes schonen wollte, daß man lange genug gesäumt hatte, jenes Volk, das vom Auszüge aus Aegypten an ein grausamer Feind Israels gewesen, jetzt endlich für neue und alte Sünden gründlich zur Rechenschaft zu ziehen. Nur dies und nichts weiter will der Vers besagen, daß Gott bedenke, waS Amalek Israel gethan als es aus Aegypten herauszog. Der alte, unverbesserliche Feind sollte endlich für immer unschädlich gemacht werden. Nun war der Krieg begonnen und mit vollkommenem Erfolge durchgeführt. Wir wollen hier den großen Fehler Sauls gegen das göttliche Gebot als solches unerörtcrt lassen, da diese Betrachtung des israMtischen Kriegsrechtes vom göttlichen Standpunkte aus zu weit führen würde. Aber die politische Seite des: Fehlers, den Saul durch die Verschonung des Amalekiterkönigs begangen, muß jedenfalls gewürdigt werden und das Verständniß dieser dürfte den Propheten Samuel vor den Augen derer, die ihn von ihrem hohen Standtpunkte neuerer Humanität und mit ihrem kleinen menschlichen Maßstabe messen, völlig reinigen. Auch hier mag es. gerathen erscheinen, andere Beispiele aus der Geschichte herbeizuziehen.. Hu den lehrreichsten Partieen der römischen Geschickte gehörte der Krieg gegen den numidischen König Jugurtha, und gerade dieser bietet sehr güngstige Momente der Vergleichung mit dem hier besprochenen Kriege gegen Amalek. Das Reich des Jugurtha hat viele Aehnlichkeit mit dem von Amalek, dessen Stärke eben die Wüste ausmacht. Auch dort trotzt der König lange