Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1869)
- Date
- 1869-02-17
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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X. Jahrgang. MstcnschaMche Sciiagr Mtlr. 7 drs Israelit. Samuel und Ägag. Vor einigen Monaten hat der Ausschuß des deutschen Protestantenvereins eine Ansprache an die deutschen Protestanten erlassen, als Erwiderung auf eine Erklärung von mehreren Berliner Pastoren, welche die Mitglieder des deutschen Protestantentages beschuldigte, mit der evangelischen Kirche thatsächlich gebrochen und den Glauben verlassen zu haben, aus den sie getauft seien. Wenn auch der Jude all' diesen Kämpfen und Streitigkeiten fern steht, so verfolgt er doch diese wte jede geistige Regung mit lebhaftem Interesse und überblickt von seinenjüdischen Standpunkt aus das Schlachtfeld der Meinungsfreiheit in der fremden Confession, und wir können hinzufügen, er kann von diesem Kampfplätze aus einen recht befriedigten Blick in die Zelte Jakobs zurückwerfen. Ein solcher Streit, wie ihn der Berliner Pastor Knak mit seiner sonderlichen Erklärung angeregt hat, ist im Judenthum nicht möglich, großentheils auch deswegen, weil der Jude seine Bibel kennt, was, wir dürfen es dreist behaupten, vom Christen sich durchaus nicht sagen laßt. Man wundre sich über diesen kühnen Ausspruch nicht. Cs ist notorisch, daß die größten Gelehrten, Philologen und Theologen, ja selbst ein Schleiermacher nur eine sehr beschränkte Kenntniß von der Bibel gehabt, und nur das sog. neue Testament ihrem eifrigen Studium unterworfen haben. Daß z. B. die Stelle im B. Josua, auf die sich der erwähnte Pastor mit feinen Anschauungen über den Lauf der Gestirne beruft, gar nichts für seine Meinung beweist, weiß jeder der die betreffende Stelle nur genau ansiebt, oder der einen unsrer älteren Commentare*) zur Stelle kennt. Einen frappanten Beleg zu unsrer Behauptung von der mangelhaften Kenntniß der Bibel bei christlichen Gelehrten dürfte aber die Ansprache des Protestantenvereins liefern, die folgenden Satz enthält: „Wir haben es ja wiederum in diesen Tagen erlebt, „daß nicht blos der Pabst die moerne Verfassung „und die Gesetze in Oesterreich aus diesem Grunde „(Berufung auf die biblische Theokratie) für nichtig „erklärt hat, sondern auch wieder lutherische Pastoren „in Sachsen die Drehung des H-riefterS Samuel, „welcher den König Saul zwang, einen , Kriegsgefangenen König grausam hinzu „schlachtenals ein passendes Vorbild für unser „heutiges, gottlob menschlicher gewordenes Völker- und Staatsrecht erklärt haben." *) Z. B. Levi b. Gerson. Wahrlich! Wenn nicht so viele unbegreifliche Dinge unter der Sonne geschähen, so dürste man seinen Augen nickt glauben, die einen solchen Satz i lesen. der von 5 Professoren und vielen hohen Geistj lichen unterschrieben ist. Wer sollte glauben, daß j all diese gelehrten Herrn von einem „Priester Samuel" sprechen, wer sollte glauben, daß alle diese Herren eine so allbekannte Bibelstelle citireit und sie so schlecht kennen, daß sie nicht einmal wissen, daß Samuel nicht dem Saul brstehlt, den gefangenen König zu tobten, sondern daß Samuel selbst den König der- Ämalekiten niederhaut. Dock wir wollen hier nicht diese furchtbare Ignoranz geißeln, sondern einmal näher eingehen auf die Anschauung, die der Ausschuß des Protestantenvereines von jenem Factum in der Bibel hat. Gottlob die Zeiten sind vorüber, in der oberflächliche Betrachter der Bibel über einen der größten Männer -beß isr. Volkes, über Samuel, so thörichte und falscke Urtheile fällten, daß man sogar sich nicht scheute, die Phrase auszusprechen: Samuel habe den Päbsten Gregor "VH. und Jnnocenz III. das Beispiel gegeben. Es ist großentheils Ewalds Verdienst, diese Thorheilen hoffentlich auf Nimmerwiederkehr widerlegt zu haben. Man wird heutzutage nicht mehr, wie Ewald sich ausdrückt, „den bebren Schatten eines Sau ue! verunglimpfen, indem man ihm Namen von so tramiger Erinnerung nahe bringt." Die Verfasser der besagten Ansprache haben aber ein einzelnes Moment aus dem Leben Samuels herausgerissen, um das Andenken des großen Propheten zu verunglimpfen. Sie halten die Hinrichtung des Agag, König von Amalek, für eine grausame That einer grausamen Zeit, die heutzutage gottlob geschwunden sei. Sonderbarer Weise haben aber die Verfasser der Ansprache auch hier Beweise von außerordentlicher Vergeßlichkeit gegeben. Das Lob, das sie unseren „gottlob menschlicheren Zeiten" spenden, ist eben so unverdient wie der Tadel, den sie auf Samuel häufen. Wie? In unsren Zeiten wäre solch' ein Act der Strafe an einem gefangenen König nicht mehr möglich? Jedermann erinnert sich noch aus dem vorigen Jahre, daß in unsrer menschlicheren Zeit sogar kriegsgefangene Kaiser hingerichtet werden, und in der gebildeten Welt waren die Meinungen über jenen Act, der jenseits des Oceans in Scene gesetzt wurde, sehr gelheilt, und daß vom moralischen Gesichtspunkte aus die Hinrichtung des Kaisers von Mexico und der des Königs von Amalek kein sehr großer ist, ja! daß eine genaue Vergleichung beider Facta noch sehr viel zu Gunsten jener grausamen alten Zeit ergibt, das soll hier in kurzen Worten gezeigt werden. * Samuel sprach zu Saul „Mich hat Gott geschickt, Dich zum König zu falben und nun höre aus '