Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1869)
- Date
- 1869-02-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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118 Um Ihnen das Wesentliche der Generaldebatte über die Gemeindecommisstons-Elaborate mitzutheilen, lasse ich hier die schon oben erwähnte Rede des Hrn. Dr. Hildesheimer folgen, die dazu geeignet ist, den Gesammtinhalt der Generaldebatte darzustellen. Rede des Herrn Dr. Hildesheimer, gehalten in der Congreßsitzung am 4. Febr. in der Generaldebatte über die beiden Elaborate der Gemeindecommisston : Geehrter Congreß! Es ist vom sehr geehrten Hrn. Präsidenten die Aufforderung gestellt worden, immer mit einem ant-ant anzufangen, mit einem aut majonun oder aut minoram. Es setzt mich dies in eine kleine Verlegenheit. Man erzählt aus dem Leben Voltaires, daß ihm ein junger Schriftsteller ein sehr voluminöses neues Buch übersandte und ihn um eine Rezension desselben bat. Voltaire schickte ihm das Buch nach einigen Tagen zurück. Der Schriftsteller blätterte es durch und fand nicht eine einzige Randglosse darin. Er wunderte sich höchlich, daß sein Werk so gut sei, daß selbst Voltair nichts daran zu finden wisse und schrieb ihm zurück, daß er sehr gerne sein Urtheil hören wollte. Voltair antwortete: qui cherche trouvera. Er suchte und suchte, fand aber nichts, so daß diese Antwort noch einmal wiederholt werden mußte. Endlich findet er am Ende des Werkes, wo das französische Wort „fin“ stand, das „n“ angestrichen. Das war die ganze Recension. Nun, geehrter Congreß! Ich muß sagen, daß das meine Recension über das Majoritätselaborat nicht ist, sondern daß ich in demselben außerordentlich viel Schönes, auch für mich sehr Belehrendes gefunden habe. Wenn ich trotzdem für jetzt auch nur im Allgemeinen für das Minoritätselaborat einstehe, wobei ich gleich sagen will, daß ich meinem eigenen Urtheil in der Specialdebatte durchaus nicht präjudieiren will; so geschieht dies nich mit dem aut-aut, sondern mit einem vel-vel, viele von Ihnen werden den Unterschied zwischen beiden kennen und deute nur das velib an, das nach Einigen bei jedem von Ihnen schon feststeht. Ich will aber meine Pflicht thun und klar und offen meine Meinung über die Grundbestimmungen der Elaborate aussprechen. Geehrter Congreß! Die erhebendste Stelle in der sehr erhabenen Berichterstattung des Herrn Dr. Joseph Popper ist für mich der Passus, wo davon die Rede ist, daß wir alle von einer unverbrüchlichen Treue gegen den Glauben unserer Väter erfüllt seien. Das sind wirklich große, schwerwiegende Worte. Es war noch um so erhebender, als von demselben geehrten Herrn Berichterstatter gleichzeitig gesagt wurde, daß er constatiren müsse, es sei von beiden Seiten der Commission hierin das aufrichtigste Bestreben der Versöhnung zur Geltung gekommen. Ich sehe also, daß man auch den Bestrebungen unserer Vertreter im Congresse gerecht worden ist, wie ich auch dies nicht anders erwartet habe, und daher wird man wohl auch uns, die mehr oder weniger auch in Beziehung stehen zu denen, deren Sache wir vertreten, gerecht werden. Ich werde überhaupt dem Faden der Berichterstattung des Herrn Dr. Popper folgen. So wie die Treue, Anhänglichkeit an dem Glauben unser Väter in diesem Berichte obenan gestanden hat, so steht er, wie Sie wohl glauben werden, auch bei mir obenan, und ich gestehe, daß diese meine Beurtheilung der beiden Elaborate sich vorzugsweise um diesen Punkt drehen wird, denn für andere, so zu sagen mehr weltliche Punkte, gibt es gewiß Vertreter, die die Sache weit besser und weit gediegener beurtheilen können. Nun allerdings, meine Herren, soll das Wort den Meister loben, so muß bekanntlich der Segen von Oben kommen. Dieser Segen von Oben, der auch in der Berichterstattung an erster Stelle steht, der ist auch für mich das Erhebendste, Wünscheswertheste, Ersehnteste. Ich muß gestehen, meine Herren, ich spreche hier nicht als Rabbiner, als welcher ich mich überhaupt sehr ungern, sehr selten, meines Wissens gar nicht gerire, spreche auch nicht als Deputirter, denn ich habe mir von meinen Wählern obarte blanche geben lassen und geradezu, in einer allerdings zufälligen Ansprache gesagt, das und das sind die Grundsätze , wie viel und wie wenig ich davon im Interesse des Friedens aufgeben werde und anfgeben werde müssen ja dies weiß ich heute noch nicht! Ich habe daher ganz freies Gewissen, spreche daher auch nicht als Deputirter, sondern ich spreche, wie man wohl auch voraussetzen kann, als Iehudi zu Iehudim. Ich muß aber von einem Punkte ganz besonders sprechen, von einem für mich entscheidenden Punkt«, der überhaupt der Schwerpunkt meiner Betheiligung am Congresse ist, der Punkt über die Ausnahme oder Richtaufnahme einer für uns brennenden, ja der brennendsten Stelle. Meine Herren! Daß im Lande eine Partei existirt, oder wenn sie auch noch nicht existirt, die Möglichkeit gegeben ist , daß sie in Bälde existiren könnte, die der geehrte Herr Rabbiner Steinhardt gestern — wohl historisch richtig — schon auf zwanzig Jahre zurückgedrängt hat, daß eine solche Partei existiren könne, werden Sie mir zugeben, daß diese Partei dem Glauben, der treuen Anhänglichkeit an den Glauben u ferer Väter nicht so ganz ihre Zustimmung gibt, brauchen Sie mir nicht zu glauben, Sie werden es wissen. Denn eine Anschauung, die die ganze Vergangenheit, selbst das älteste Institut, das Bundeszeichen, abrogirt, die ferner dadurch, daß sie das, was wir unserZukunftsideal, ja uns ereZukunft nennen, ve rleugnet, die dadurch mit unserer Zukunft gebrochen hat, eine solche Anschauung, die die Vergangenheit sowohl wie die Zukunft