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Der Israelit · 1869-02-17 · Heft 7 (17.2.1869) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 7 (17.2.1869)
Date
1869-02-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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115 Schutz für ihre Untergebenen israelitischer Religion zu appelliren, richten sie außerdem in einem Geiste der Humanität ihre Aufmerksamkeit auf die israelitischen Unterthanen Ew. Hoheit; sie können die Gesinnungen der Humanität nicht in Vergessenheit kommen lassen, ohne sich selbst bei den civilisirten Nationen, die in diesem Lande zu repräsentiren sn die Ehre haben, des strengsten Tadels auszusetzen. Die Unterzeichneten haben jedoch alles Vertrauen, daß Ew. Hoheit die Motive, welche sie veranlassen, sich in dieser peinlichen Frage an Sie zu wenden, zu würdigen wissen, und wie sie das aufrichtigste Interesse an dem Gedeihen der tunesischen Regierung haben, wünschen sie, daß sie im Stande sein werden, so gut wie sie diese so bedauernswerthen Thatsachen ihren hohen Regierungen mitzutheilen haben, ihnen zu gleicher Zeit die von Ew. Hoheit zu erwartende Zusicherung auch wissen lassen können, daß energische Maßregeln ergriffen werden, um diese Verbrechen zu strafen und in Zukunft alle Schritte der Gewalt zu unterdrücken, welche gegen die ergebenste und harmloseste Ctasse der Unterthanen Ew. Hoheit begangen werden können. Wir ergreifen die Gelegenheit u. s. w. Unterzeichnet: Graf v. Botmelian, General- Consul von Frankreich. Riollarä vv ood, C. B. General-Consul von England. 9?u1iu de la Tunisie, General - Consul von Schweden und Norwegen und Geschäftsführer des Consulats von Preußen und des Norddeutschen Bundes. Oarlos v. Rameau, General-Consul von Spanien und von Oesterreich. Wir hoffen sicher, daß dieser Brief vom Bey von Tunis günstig ausgenommen werden wird, und daß in Betreff der Lage der Israeliten in der Regentschaft die Gerechtigkeit und Humanität Satissaction für die Vergangenheit erhalten und von hinreichenden Garantien für die Zukunft umgeben sein werden. Feuilleton. Unmöglich. Achtes Capitel. Aer italienische Krieg. Die überstandene Handelskrise wurde von allen Denen bald vergessen, welche gar nicht oder doch nur unmerklich dabei verloren halten; nicht so von Eduard Lindenstein, der den Verlust seiner großen Reichthümer nicht verschmerzen konnte. An dem alten soliden Geschäft hatte er fast den Geschmack verloren; er wartete mit Sehnsucht der Zeit, die ihm Gelegenheit zu bedeutenden Speculationen geben möchte. Nur zu bald sollte der erhoffte Zeitpunkt eintreten. Der Neujahrstag des Jahres 1859 hatte Europin nicht geringe Unruhe versetzt. Wie gewöhnlich hatte sich das diplomatische CorpS zu Paris bei Napoleon ekngefunden, um dem Kaiser die Glückwünsche der Monarchen darzubringen. Da hatte Napoleon zu dem österreichischen Gesandten die denkwürdigen Worte gesprochen: „Ich bedaure, daß meine Beziehungen zu Ihrem Souverän nicht mehr die freundschaftlichen sind wie bisher!" Es war „die italienische Frage," welche seit lange ventilirt, nunmehr eine bedrohliche Gestalt annahm. Italien war geknechtet: die trostlosesten Zustände herrschten in Neapel, in Mittelitalien, in der Lombardei und in Venetien. Das Königreich Sardinien hatte sich zum Hort der liberalen Bestrebungen gemacht, Oesterreich schützte den Absolutismus. Die Freiheit und Einheit Italiens war seit Jahrhunderten ein utopischer Traum. Im Jahre 1830 hatten die Carbonari dafür mit den Waffen gekämpft, und einer dieser Kämpfer war Louis Napolean Boneparte, der gegenwärtige Kaiser der Franzosen. Auf dem Gipfel der Macht schien er die Freiheit und Einheit Italiens, für die er als Jüngling die Waffen erhoben, vergessen zu haben; vergebens bemühte sich der große sardinische Staatsmann Cavour, Europa für die italienische Frage zu interessiren; da flogen die Bomben Orsini's in die Lust, denen Napoleon nur wie durch ein Wunder entging. Die italienischen Verschwörer hatten den Kaiser der Franzosen ermorden wollen, der nicht allein jener, Iugendkämpse vergessen zu haben schien, sondern der ihnen auch als der Hort der europäischen Reaction, als der Wiederhersteller und Besu-ützer „der Ordnung", das größte Hinderniß war. Orsini und seine Genossen büßten ihr frevelhaftes Beginnen mit dem Tode, aber ihr tollkühnes Unternehmen war nicht fruchtlos geblieben. Die erwähnten Worte Napoleon's am Neujahrstage 59 documentirten, daß Napoleon das Uebergewicht Oestereichs in Italien fürder nicht dulden wolle. Ein in Aussicht stehender Krieg beunruhigt die ganze Welt; aber die Börsen der großen Handelsstädte versetzt er in einen wahrhaft fieberischen Zustand. Da bilden sich zwei große Parteien: die Haussiers und die Baissiers. Die Erster en glauben an eine friedliche Lösung der bestehenden Conflicte - dann werden die Papiere ihren Werth behalten, oder gar noch neigen; die Letzteren erwarten den AuSbruch des Krieges, und was werde:: dann die Schuldverschreibungen r'.'.ev Gläubigers werth sein, der seinem Ruine entgegengehl?

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