Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1869)
- Date
- 1869-02-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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111 ein Religion slehrer für Israeliten anzustellen beschlossen. Die Kgl. Regierung hat hierfür einen jährlichen Gehalt von fl. 60 festgesetzt. Diese Stelle wurde dem Hilfslehrer am hiesigen Erziehungs- und Unterrichts - Institute, Herrn Er. Braunschweiger, auf sein Ansuchen verliehen. e. Aus Bayern, Anfangs Februar. Gestalten Sie, geehrter Herr Redacteur, einem schlichten Landmanne, auch ein Wort über die „Reformbestrebungen innerhalb des Iudenthums zu sprechen, und dieß um so eher, da doch unsere Reformhelden ihr „großes Werk" unter Mitwirkung von Laien zu Tage fördern wollen. Außerdem besitze ich in meiner hohen Eigenschaft als Cultus Vorstand einer Wobllöbl. Gemeinde bereits die Einladungskarte zu der im Laufe des Sommers 1869 zu veranstaltenden Synodal-Versammlung, welche mich jedenfalls darüber zu sprechen berechtigt. Gewiß haben auch Sie, geehrter Herr Redacteur, schon eine solche Einladungskarte gesehen. Höchst salbungsvoll stehts auf derselben verzeichnet, wie unerläßlich die 24er Versammlung zu Cassel für das Fortbestehen unserer hl. Religion war, und wie die Synodal-Versammlung sich würdig daran anschlier en wird! Dann folgt die Einladung zu letzterer mit den schönsten und süßesten Worten, und unter der Versicherung, — das soll am meisten locken — „daß die Gemeinden durch die Beschickung dieser ersten Synodal-Versammlung durchaus noch keine unmittelbare Verpflichtung für die Beschlüsse und Ergebnisse derselben übernehmen". Die Herren fühlen sich doch wenigstens! — Wenn i ch nun gleichwohl über die „spätestens binnen 4 Wochen" zu erledigende Frage, ob die Synode zu besuchen, ev. zu beschicken, einfach den 1. Psalm zur Antwort gebe, so wollte ich dennoch, um einerseits ein gewissenhafter Vorstand zu sein, und andererseits die Stimmung meiner Gemeinde — welche, nebenbei gesagt, mehr reformatorischc Elemente in sich birgt, als mir lieb ist - in dieser Beziehung zu erfahren, die Sache der versammelten Gemeinde zur Beschlußfassung mittheilen, und hätte ich wahrlich das reformatorische Kleeblatt Adler- Philippson-Aub in das Nebenzimmer unserer Gemeindestube gewünscht, damit dieselben die dabei zu Tage geförderten Debatt n, und namentlich die Ablehnung der Beschickung von Seiten der sog. Reformer und die Motive hierzu hätten mitanhören können: „Wozu bedürfen wir der Synode, wer kann uns mehr erlauben als wir uns selbst?" rc., „Zwingen lassen wir uns nicht zum Synagogenbesuche" rc. — Der Beschluß, die Synodal-Versammlung nicht zu beschicken, ward daher einstimmig gefaßt, wie dieß ohne Zweifel an den meisten Orten der Fall sein wird. — Mögen übrigens noch so viele Reform-Rabbiner und Reform- Gemeinden sich der Synode anschließen, das orthodoxe Iudenthum kann und darf ruhig mitzusehen, unsere hl. Religion hat schon gar vielen Feinden gegenüber gesiegt, und wird es auck dnßmal wieder, \vp NDEnp,; die Wahrheit besteht, muß bestehen. — Die Frage aber, geeilter Herr Redacteur, mögen Sie mir noch ji erlauben, wann wird der „Verein der Gesetzestreuen j. Israeliten" (rnn ein Verein, dem allseitig ein fo gutes Prognostiken gestellt wird, in's Leben treten? Ceiitralstation wirkt auck, und ganz vorzüglich im Guten. und deßhalb möge rasch Hand an's Werk gelegt werden. Sie, geehrter Herr Redacteur, haben der Orthedope mit göttlicher Hilfe ein so herrliches Preßorgan gesckaffen, greifen Sic auch hierin ernsthaft ein durch Berufung einiger Vertrauensmänner, um unter deren Mithilfe ein kleines Statut zu entwerfen, und zum Beitritt aufzusordern. Die Mitglieder werden nack Tausenden beitreten. Vielleicht gelingt es, dm so selten wiederkehrcnden Act des nenn iv'-p (am 26. Nißan d. I) durch die Gründung dieses Vereins zu verherrlichen, daß an diesem Tage der hellleuchtenden Sonne unscrs wahren unverfälschten Glaubens ein Dienst erw'esen werde. Zahlt in einem solchen Vereine jedes Mitglied alljährlich nur Einen Gulden, so erwachsen schon bedeutende Summen zur Förderung der Vereinszwecke. Wenn dann einmal die treue Zionsstimme eine Versammlung beruft zur Förderung und Kräftigung des wahrhaft religiösen Lebens, dann wird es auch an materiellen Mitteln nicht fehlen, und im Gegensätze zum jnt orfr jn o*j;imb dijd wird es dann heißen 3:di cr6 aiö L'pnL- Die. E. □ Württemberg (Statistisches.) Nach der jüngsten Volkszählung vom 3. December 1867 beträgt die Einwohnerzahl Württembergs 1,778,396 Seelen in 382,577 Familien. (Gegen 1864 also eine Zu, nähme von 30,068.) Davon sind 1,220,124 Katholiken, 543,593 Protestanten und ll,662Israeliten. Berlin, 4. Februar. Jn der jüngsten Sitzung des Herrenhauses sprach Graf Brühl gegen die Bildung von Iagdvorständen, „da dieselben auf dem Lande meist aus Krämern, Juden und Postschreibern und dergleichen unangenehmer Gesellschaft beständen, mit der ein anständiger Mann nicht gern etwas zu thun hat". Der Minister von Selchow erwiderte darauf, daß der Regierung bei der Ausarbeitung des Gesetzes nicht ein so trauriges Bild von der Zusammensetzung des Iagdvorftandes vorgeschwebt habe. — Charakteristische Aeußerungen! — Berlin 6. Februar. Im Hause der Abgeordneten erfolgt der Bericht der Commission für daS Iustizwesen über den Antrag des Abg. vr. Kosch, die Eide der Juden betreffend. Den von der Commission ausgearbeiteten Gesetzentwurf haben wir bereits mitgetheilt. Der Referent, Abg. Thilo, empfiehlt die Annahme des Gesetzes dringend. Die Abg. Er. Ebner, Kugel und Braun (Wiesbaden) stellen den Antrag, daß die Worte des §. 1 des Gesetzentwurfs: „D«e Eide der Juden werden" gestrichen werden und an de-