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Der Israelit · 1869-02-10 · Heft 6 (10.2.1869) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 6 (10.2.1869)
Date
1869-02-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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104 Die zwei seit meinem letzten Berichte abgehattenen Congreßsitzungen sind von relativ sehr untergeordneter Bedeutung. Donnerstag wurden die beiden Elaborate sür Gemeindeorganisation, ein Majoritäts- und Minoritätsvotum eingebracht, ersteres Donnerstag, durch den Berichterstatter Dr. Popper, letzteres Montag durch Herrn Sig. Kraus als Berichterstatter motivrrt; letzteres ist als wahre- Kunstwerk von der Linken mit der größten Begeisterung begrüßt worden, verfehlte aber auch nicht bei der Rechten einen überwältigenden Eindruck zu machen. Der mir zugemessene enge Raum verbietet mir, ihn irr extenso hier wiederzugeben. Uebrigens entspann sich Donnerstag eine ziemlich gereizte Debatte bis die Linke es durchsetzte, dem Wortlaute der Geschäftsordnung gemäß, diese so complicirten Elaborate erst drei Tage, nachdem dieselben gedruckt in Händen, der Deputirten sind, aus die Tagesordnung zu setzen. In der Montagsttzung waren nur noch zwei die Glaubensgenossen in Siebenbürgen betreffende Anträge von einigermaßen hervorragender Natur; sonst wurden diese Sitzungen mit sogenannten Lückenbüßern ausgefüllt. Alles fühlte, daß diese Sitzungen gegen die Situation überhaupt sehr untergeordneter Bedeutung waren. Diese ist nun allerdings sehr ernst, wenngleich die Gerüchte, welche im In- und Auslande über die Sprengung des CongresseS cursiren, nicht wahr sind; daß aber die Athmosphäre unsäglich schwül ist, verhehlt sich keiner. Die Tage der Rüstung sind vorüber, die Stunde der heißesten Wahlschlacht rückt heran, u. z. morgen, welcher Tag ein sehr segensreicher, aber aber auch ein sehr unglückseliger für Ungarn werden kann. Schulchan aruch ist das erste Losungswort und steht in erster Linie. Mögen die Fortschrittsmänner so liberal sein, Gewissensfreiheit zu geben! Run die Hoffnung verläßt uns nicht. ub'i Ov' *0 run d«->rv' idup. — Nachschrift. Soeben höre ich, daß nach einer sechs Sitzungen ausfüllenden Discussion über die Seminarfrage folgendes, wenigstens relativ nicht ungünstige Resultat erzielt. Die Frage wurde absichtlich, um sie nicht so strikt zu stellen, nicht auf das Seminar, sondern auf die Nützlichkeit und Nothwendigkeit von „Anstalten" für RabbinatScandidaten gestellt. Hierauf stimmten dreizehn mit „Ja," sieben für absolute Votirung mit „Nein" wegen Incompetenz, welchem Votum sich nachträglich drei abwesende Mitglieder schriftlich anschlossen, zwei lenthielten sich der Abstimmung. geitrmgSuachrichte« ttttfe Correfpouderrzerr. Österreichischer Kaiserstaat. Aus Tab. (Ungarn) wird dem „Hamagid" gemeldet, daß ein Christ und seine Frau zum dortigen Rabbinen gekommen sind und Hm ein jüdisches Knäblein gebracht haben, indem sie erzählten, daß dessen Eltern, die mit ihnen in einem und demselben Orte gewohnt, nachdem sie ihr Kind beschneiden haben lassen, den Ort verlassen und bis jetzt spurlos verschwunden sind: Sie (die Christen) hätten sich des verlassenen Kindes angenommen und es bis heute erzogen und nun wollten sie es dem Rabbiner übergeben, daß er es in seiner Religion erziehe. Der Rabbiner dankte den braven Leuten und ersetzte ihnen die Auslagen für das Kind. Das Kind wird auf Kosten der Gemeinde erzogen. Frankreich. Paris. Der Arzt Spitzer hat in seinem Testamente 100,000 Fr. seines Vermögens zur Erziehung dreier Waisen, eines Katholiken, eines Protestanten und eines Israeliten bestimmt. Spanien. ZNadrid. Den 1. Februar hat Herr Guedalla aus London ein mm ->sv für die dahier zu erbauende Synagoge geschickt. Dieselbe ist sehr schön und ungefähr 250 Jahre alt; die Griffe sind von Silber. Seit der Verbannung der Juden aus Spanien im Jahre 1492 ist dahier keine mm ->sv gesehen worden. Rußland. Petersburg. Unser Glaubensgenosse, Herr Paliakow hat den Armen in der Provinz Charkow, woselbst er eine Eisenbahn baut, 300,000 Rubel geschenkt. (Hamagid.) Petersburg. Achtzehn Kaufleute ersten Ranges in Petersburg haben bei den Ministern des Innern und der Justiz eine Petition eingereicht, daß die strengen Gesetze gegen die Niederlassung von Juden in der Hauptstadt aufgehoben oder wenigstens gemildert werden mögen. Ferner petitionirten dieselben darum, daß den Juden das Innere Rußland erschloffen und den jüd. Repräsentanten jüdischer Geschäftshäuser dieselben Rechte wie den christlichen eingeräumt werden sollen. Palästina. Jerusalem, im Jan. In Nr. 51 dieser geschätzten, auch hier vielgelesenen Zeitschrift wurde berichtet, daß die Fürstin Latour d’Auvergne den Oelberg käuflich an sich gebracht habe. Diese Nachricht

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