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Der Israelit · 1869-02-10 · Heft 6 (10.2.1869) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 6 (10.2.1869)
Date
1869-02-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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102 Rabbiner Zipser meiner Meinung nach den geehrten Herren Präsidenten mit dieser Captatio benevolentiae einen schlechten Dienst erwiesen. Wohl sind heute Abend schon gewisse Anklänge an eine Jnfallibilität unseres geehrten Herrn Präsidenten gehört worden, man braucht hierüber nicht ernstlich zu sprechen, sonst möchte die Conferenz etwa zur Ertheilung eines apostolischen Segens führen. — Herr Hochmuth nun ist ganz erstaunt, wie man so etwas, wodurch nicht Erlaubtes verboten oder Verbotenes erlaubt werden soll, wo auch c":i?c. gelehrt werden soll, was ferner schon im Einzelnen geschehen, wodurch endlich keine Pression geübt werden soll, wie man so etwas für Competenzüberschreitung halten könne, eine Verwunderung, die im Grunde auch den einzigen Grundton in den Argumenten aller übrigen Redner, die für ein Rabbinerseminar plaidirten, bildete. Doch „was der Verstand der Verständigen nicht sieht, sieht oft in Einfalt das kindlich Gemüth". Ich interpellire die HH. Vr. Kohn, Hochmuth und Deutsch, ob nicht die in Aussicht stehende Kreirung eines Geiger'schen Seminars in Berlin, ob die nicht ein Ruin der ganzen jüdischen Zukunft in Preußen sein werde, ob nicht Verhältnisse, wie in der Feitlifchen Stiftung in Berlin, auf die zurückzukommen ich mir nächstens die Ehre geben werde, eine Quelle des Verderbens für jüdische Theologen ist; und frage deßhalb, ob die absolute Votirung eines Seminars, deren Modalitäten erst hinterher von den zum Entwürfe eines Lehrplanes berufenen Experten abhänge, die vielleicht nicht wie Rabbiner Hochmuth d"», Q"a,. oder wie vr. Kohn den Boden des rabbinischen Judenthums auf ihre Fahne schreiben werden, ob nicht solch ein Seminar nicht nur eine religiöse Frage, sondern eine Generalantwort auf alle religiöse Fragen, die von demselben mit einem dicken Striche durchstrichen werden, ist? Man hat schon von den früheren Teminarien gesprochen und zwingt mich dadurch, einen traurigen Rundgang bei denselben vorzunehmen. Was hat das Seminar zu Padua erzielt? Nun man sehe sich Italien an, wo, beglaubigten Nachrichten zufolge, manche sog. Rabbinen keine Tuns an der Thüre haben. Nun ich will von den hervorragendem Jüngern der Anstalt sprechen. Ich hatte vor einigen Jahren die Gelegenheit, die Bekanntschaft eines solchen zu machen, der sowohl durch den practischen Boden seines jüdischen Lebens, wie auch durch seine principiellen religiösen Anschauungen meine ganzen Sympathieen erwarb, derselbe sprach mit mir zufällig über eine durch seine Initiative und unter seiner Leitung in seiner Gemeinde eben im Baue begriffene mpc; ich sagte ihm sofort, was er nach meiner Auseinandersetzung und Vorzeigung der betreffenden Stelle im y“r auä) zugab, daß diese ntnDS mpo 'nmioa, ist und das Benutzen derselben somit gar keine rituellen Folgen nach sich zieht. Vom Pariser Seminar (von dem ich ununtersucht lassen will, ob die Candidaten daselbst sich schon durch eine Romanschriftstellerei ein Renomv verschafft oder nicht, worüber hier diskutirt wurde), diesem Seminar, das nicht etwa zu einer Zeit gegründet wurde, in welcher die jüdische Wissenschaft oder auch nur das jüdische Leben in den letzten Zügen lag, sondern in welcher die hochberühmten Consistorialrabbinen, die unter den min hdi^ vom besten Klange sind, noch viele ebenbürtige Collegen in Frankreich hatten, und in welchem echtes practischjüdisches Leben in Frankreich pulstrte, von diesem Seminare ist keine einzige talmudische Capacität hervorgegangen. Einer der hervorragendsten Jünger, einen granä rabbin dessen sich diese Schule besonders zu rühmen pflegt, habe ich Gelegenheit gehabt, kennen zu lernen und constatire, daß derselbe pb’sn trägt, die mit unbewaffnetem Auge nicht zu sehen wären, wenn sie nicht durch Weißheit glänzten. Breslau betreffend mache ich von dem vom Herrn Vr. Cohn geäußerten Wunsche gerne Gebrauch, ganz «ans gene zu sprechen, deute nur jene Lehrkraft an, welche unter Anderem in einem neulich erschienenen Buche über die Nazarener gelindestens gesagt, einen — sehr freien Standpunkt einnimmt, und die es besonders verschuldet, daß man jeden Schüler der Anstalt, bei dem man auf einen wohlthuenden echt religiösen Standpunkt stößt, sich wie über eine .-i-r'LO, die njnn hdvd kommt, freut. Ja endlich auf dem Amsterdamer Seminar, von dem hier noch gar keine Rede war, werden wohl religiöse, aber eigentlich talmudisch tüchtige Schüler nicht erzogen. Da also alle bisherigen Versuche einen unglücklichen Ausgang nahmen, also alle Erfahrungen gegen das Experiment sprechen; da sollte keine religiöse Gefahr für die Zukunft darin liegen, wenn diese Frage absolut bejaht wird, davon werden mich noch sowohl gestellte Worte nicht überzeugen, und es war wahrlich keine „Verdächtigung," die der Herr Fischmann aussprach, sondern eine wohlbegründete Besorgniß. Ich komme zur zweiten, der Nützlichkeit und Nothwendigkeit des Seminars. Meine Herren! Wäre ich nicht von vorneherein von der Loyalität und Aufrichtigkeit der geehrten Herren Collegen überzeugt, und wäre ich nicht in den letzten Wochen des Beisammenseins mit diesen von mir hochgeehrten Herren noch mehr davon überzeugt, daß wir es mit Ehrenmännern im wahren Sinne des Wortes zu thun haben; ich könnte wirklich ganz irre daran werden. Ich hörte und staunte, daß die geehrten Herren Redner die Frage total verschoben haben, dieselbe lautet: Ist ein Seminar nothwendig? Wohl ist im Anträge auch von der Nützlichkeit die Rede, der Herr Antragsteller hat aber im richtigen Takte, daß diese allein die Kreirung einer so ungeheuereen Anstalt nicht begründe, die Nothwendigkeit mit in dieselbe Frage vereinigt; die Antworten aber lauteten alle, die wissenschaftliche Bildung der

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