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Der Israelit · 1869-02-10 · Heft 6 (10.2.1869) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 6 (10.2.1869)
Date
1869-02-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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X Jahrgang. Beilage z« Nr. K des Israelit. Leitender Artikel. Drr israrl. Congrrß }n Prsth. (Fortsetzung.) Den Schwerpunkt des Interesses beim Congresse bildete die Discussion über die Seminarfrage in der Schulcommission, welche, wie ich schon am Ende meines vorigen Berichtes mittheilte, schon vor Abgang des letzter» auf die Tagesordnung gesetzt war und noch jetzt nach bereits vorausgegangenen fünf Sitzungen, darunter theilweise von mehr als fünf Stunden, noch nicht zum Abschlüsse gelangte. Die Discussion war höchst drastisch und zog eine große Zuhörerzahl der Deputirten, wie noch keine Commissionssitzung, heran. Ich glaube am besten dadurch ein anschauliches Bild für das geehrte Lesepublikum zu bieten, wenn ich die zwei Vorträge des Herrn vr. Hildesheimer hier mittheile. Erste Rede des Herrn Rabb. Dr. Hildesheimer. Bevor ich, geehrte Commission, in das Meritorische der Sache eingehe, gestatten Sie mir eine kleine historisch archeologische Studie. Herr R. Hochmuth begann mit dem Zurufe: „Hannibal ante portas“; nun kennt aber die Geschichte zwei Hannibale, den Karthaginiensischen und den Dr. Hannibal Fischer, der mit der traurigen Mission betraut war, die deutsche Flotte zu verkaufen. Welcher von beiden mag wohl gemeint sein? Gegen Ersteres spricht das ante portas, da er ja schon tief hier im Saale drin steckt, worauf man allerdings erwidern könnte, daß wir in der That noch ante portas, im Vorzimmer des eigentlichen Arkanum, des erst entscheidenden Congreßsaales sind.*) An Letzteres aber wird man unwillkürlich erinnert, wenn Diejenigen Recht haben sollten, welche besorgt den Kopf srbütteln, daß es sich hier nur um einen großen Ausverkauf handele, daß wir nicht nur die Schisse hinter uns verbrennen, oder ein Geschäft damit machen, sondern noch Hunderttausende in's Meer nachwerfen. Indeß hat Redner wahrscheinlich den alten Hannibal gemeint, bei dessen Ankunft man allerdings mit dem erwähnten Rufe Kinder erschreckte und einschläserte; da ich mich aber rühme, die Kinderschuhe schon ausgezogen zu haben, so sehe ich der Situation trotzdem und alledem getrost in's Antlitz. *) Die Schulcommisfion hält nämlich im Vorsaale des Congreßfaales ihre Sitzungen. Geehrte Commission! Für die Sphäre der-Idee der heutigen Tagesordnung habe ich wie vielleicht Keiner in Ungarn gekämpft und gelitten, worüber ich viele Bücher schreiben könnte, wenn mir nicht dieser Kampf selbst Zeit und Muße dazu raubte, habe Gut und Blut, habe den größten Theil des Tages an die Mitverwiklichung der großen Devise, ay min ns» pK *p-i, gesetzt. Ich darf daher wohl hoffen, daß, wenn ich auch Niemanden meiner Gegner überzeugen kann, wenn es nämlich wahr sein sollte, daß jeder hierin mit einem unwandelbaren Dorurtheile hierhergekommen, ich doch wenigstens auf Anerkennung der Ehrlichkeit und Loyalität rechnen kann. Herr Rabb. Fischmann hat seinen schönen Worten seine Befangenheit vorausgeschickt; ich bin nicht besangen, habe lange genug gekämpft, um mit Muth für neue Kämpfe erfüllt zu werden, und das 'drp 'Bttnp des Herrn Deutsch ist auch Wahlspruch meines Lebens, der mich auch dann nicht verläßt, wenn ich als Steuermann stromaufwärts und nicht gerade mit dem Strome, was allerdings leichter ist, das Schiff zu leiten habe. Als solcher wende ich mich zuerst an die Competenzftage und antworte entschieden mit „nein", wie ich dies bei der Abstimmung am vorvorigen Freitage rücksichtlich dieser absoluten Fragestellung gethan habe, ja ich stehe nicht an, hier offen zu erklären, daß ich an heutiger Discussion gar nicht mit verhandeln würde, wenn nicht jenes protocollarisch verzeichnete Votum vorausgegangen wäre. Gehen wir jetzt zu der von den HH. Hochmuth, Dr. Zipfer, Dr. Kohn und Director Deutsch versuchten Begründung der Competenz. Machen wir zuerst das Lakonische des Dr. Zipser ab, daß ja unser Präses, resp. sogar der Congreßpräses, die Competenz schon ausgesprochen habe. Nun, meine Herren, auf diesem patriarchalischen Standpunkte hätte es des so schwerfälligen und nicht ganz billigen Congresses nicht bedurft; wir hätten in Schulangelegenheiten nur bei Herrn Höllischer und überhaupt bei allen wichtiger» und unwichttgern bei Herrn Dr. Hirschler per fünf Kreuzer Porto ergebenst Instructionen einzuholen gebraucht, eines Congresses bedarf es hierzu gar nicht; den freien Bürgern mit beschränktem Unterthanenverstandesthut's das quos ego vollständig. Ich aber sage Ihnen, nicht nur nicht ein Commisstonspräses, ein Congreßpräses und ein Minister Eötsvös, sondern Tausende derselben zusammen werden mir mein gutes Recht und mein gutes oder schlechtes Urtheil nicht nehmen können. Von diesem im Jahre 1869 längst überwundenen Standpunkte auch nur ein Wort mehr zu verlieren, wäre Zeitverschwendung; und hat Herr

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