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Der Israelit · 1869-02-10 · Heft 6 (10.2.1869) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 6 (10.2.1869)
Date
1869-02-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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der Schulbeamten hinsichtlich der Religionsfreiheit proponirt. Bedauernswerther Weise stellt eS sich heute heraus, daß die Zahl der Freunde der Religionsfreiheit für Beamte heute unbedeutender oder kleiner war als bei früheren bezüglichen Abstimmungen im Storthing. (D. A. Z.) Afrika. Algier. Auf Vorschlag des Rectors der Academie zu Algier, hat der Unterrichtsminister dem Director der hiesigen Talmud-Thoraschule, Herrn Ulmo, eine silberne Medaille verliehen. (Univ. Jsr.) Feuilleton. Unmöglich. Siebentes Capitel. Aie KaudeksLrife. Der plötzliche Aufschwung der Geschäfte nach dem Pariser Frieden hatte eine solche Höhe erreicht, daß nothwendig ein Rückschlag erfolgen mußte. Wie es in der Natur der Sache liegt, war das in so ausgedehntem Maaße zurückgekehrte Vertrauen zu mancherlei schwindelhaften Unternehmungen ausgebeutet worden: die großen Geldinstitute druckten Kassenscheine in ungeheurer Menge, mehr als das Dreifache der ihnen zu Gebote stehenden Kapitalien, überschwemmten damit den Markt und beförderten allerlei Unternehmungen, selbst wenn sie auf noch so ^unsicherer Grundlage beruhten, vorausgesetzt daß die Unternehmer sie als rentabel darzustellen wußten. Hüttenwerke, Kohlenwerke, Eisengießereien, Zuckersiedereien, Maschinenfabriken wurden in großartigstem Maaße angelegt, oft in Gegenden, wo alle Bedingungen zum vortheilhaften Betriebe fehlten. Nachdem der erste Rausch vorüber war, wurde dann all das Mangelhafte erkannt, die Actien fielen immer mehr, die betheiligten Banken geriethen in Verlust, was denn auf deren Actien einen Rückschlag übte; noch wurden dieselben durch die Hauptunternehmer künstlich emporgeh alten, als mit furchtbarer Macht eine Handelskrise ansbrach, welche Alles tief erschütterte. In America nämlich hatte ein alle Schranken übersteigender Unternehmungsgeist zur Folge gehabt, daß das leichtfertig gewährte Vertrauen auf die fürchterlichste Weise getäuscht wurde. Man hatte sich auf der andern Hemisphäre seit Dielen Jahren daran gewöhnt, imaginäre Werthe für reelle anzusehen. Aber der Krug geht solang?, zu Wasser bis er bricht; der Sturz mehrerer, auf unreeller Grundlage begründeter Gesellschaften, zog einige Banken mit sich fort; dies übte seinen Rückschlag auf eine Menge Häuser, denen die gefallenen Banken theils schuldeten, theils Credit gewährt hatten; eine Firma nach der andern stellte ihre Zahlungen ein, und große europäische Häuser, namentlich waren es die Exporteure an den Seeplätzen, konnten in Folge dessen ihren Verpflichtungen nicht mehr Nachkommen. Da ergriff ein Panique die Handelswelt. Was konnte noch für feststehend gelten, wenn alte, seit Jahrhunderten blühende Häuser, in den Staub sanken! Das Capital, in kritischen Tagen bekanntlich ganz ungemein ängstlich, zog sich schleunigst zurück; der Disconto wurde Schlag auf Schlag auf 0, 8, 10 und endlich gar auf 12 Procent erhöht; Geld war gar nicht mehr aufzutreiben; wer dessen bedurfte, mußte Actien und Staatspapiere um jeden Preis losschlagen; da fiel Alles bis aufs Aeußerste; namentlich die Actien der neubegründeten Banken, deren hoher Cours ohnehin ein künstlich gesteigerter war; und in rascher Wechselwirkung rissen denn auch diese Ereignisse bisher glänzende Firmen um; mit jeder Stunde brachte der Telegraph HiobSpoften über Hiobsposten; namentlich waren Berlin und Hamburg arg mitgenommen; am letzteren Platz allein hatten 80, darunter einzelne sehr große Firmen ihre Insolvenz angemeldet. Schon wurden auch andere Plätze in Mitleidenschaft gezogen, allüberall war da- Vertrauen gänzlich gewichen und es schien fast nichts mehr noch Werth zu haben als baares Geld oder Wechsel auf Rothschild. An der Börse zu N. war eine vollständige Entmuthigung eingetreten; daS Souper zu 10 FriedrichSd'or pro Couvert war sofort abbestellt worden. Da gingen sie umher, die bisherigen Börsenkönige, mit langen Gesichtern und gesenkten Häuptern. Wo war ihr Stolz, ihr Uebermuth geblieben? Am Härtesten war Eudard Lindenstein getroffen. Er war stark mit Hamburg liirt, und außer den großen Verlusten an seinen Bankaktien, hatte er bedeutende Posten an Hamburger Häusern verloren, die zahlungsunfähig geworden; noch einige solcher Zahlungseinstellungen, und er selbst konnte seinen Verbindlichkeiten nicht mehr Nachkommen. Er schlich traurig und ganz niedergedrückt im Hause umher; am Meisten fürchtete er sich vor seiner Frau, die er in seinem Uebermuthe so oft gekränkt und verletzt hatte; er wich ihr sorgfältig aus. Als Louise ihren Mann so tief bekümmert sah, da hatte ihr gutes Herz ihm sofort alle geschehene Unbill vergeben; sie suchte ihn auf und sprach zu ihm: „Du bist bekümmert, Eduard? Laß doch alle unsere Zwistigkeiten jetzt vergessen sein und laß mich Deinen Kummer mit Dir tragen!" Als Eduard sie so reden hörte, ttateN ihm die Thränen in die Augen.

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