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Der Israelit · 1869-02-03 · Heft 5 (3.2.1869) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 5 (3.2.1869)
Date
1869-02-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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82 scheu zu eng, andererseits die Form der Disciplinen zu verschoben. Wenn man einerseits an eine möglicher Weise sehr beschränkte Dorkenntuiß im Hebräischen denken müsse, so scheine man andererseits ganz zu vergessen, daß ein sehr großes Contingent dieser Gymnasiasten die künftigen Nabbinatscandidaten seien, die ein viel reicheres hebräisches Wissen mitbringen; er fragt, was diese mit solchen Lapalien sollten, und ob es denn gar nicht der Mühe werth sei, aus ein Mittel zu denken, auch diesen Gymnasiasten zu genügen. Die verschobene Form betreffend, wirst er im Einklänge mit dem vr. Kohn, dessen Antrag er im Plus des Hebräischen zustimmt, dem Hochmuth'schen Lehrstoff für Obergymnasien vor, daß er den Schwerpunkt in die historische Behandlung legt, die dadurch zu einer sehr subjectiven und tendenziösen werden könnte, während die Hauptsache die Realien selbst sein müßten, die höchstens objectiv historisch behandelt werden sollten. Es kam nun nicht eigentlich zur Abstimmung über die Spezialien, was auck, wie schon oben ewähnt, nicht Absicht der Discussion war, sondern wurde dem Subcomite zur weitern Beschlußfassung übergeben. In der folgenden Sitzung kam die Befähigung des Lehrers zur Discussion, und knüpfte sich diese an eine Proposition Hochmuths, dahingehend, daß wer matnrirt habe oder sckon schriftstellerisch thätig war, diese Befähigung haben solle, und der so befähigte Rabbiner 60 ipso hierzu zu designiren sei. Die erste Annahme wurde allseitig dadurch bekämpft, daß die Matura durchaus keinen Schluß auf Befähigung für Religionsunterricht in sich schließe, schriftstellerische Thätigkeit aber ein viel zu vager Begriff sei. Von Dr. Kohn und einigen Andern wurde auch der dritte Punkt damit bekämpft, daß der Rabbiner oft bei bestem Willen und vollkommenster Befähigung durch Hindernisse seines vielseitigen Berussamteö außer Stand sein könnte, diesem wöchentlich mindestens achtstündigen Unterricht abzuwarten. Nachdem Antragsteller und Andere wieder die Vorlage vertheidigt hatten, hielt man den Zweck dieser Generaldiscuffionen, welche nur dem Subcomitö die verschiedenen principiellen Standpunkte vorausschicken sollten, für erreicht und schloß dieselbe wieder ohne eigentlichen Abschluß, die Austragung dieser verschiedenen Ansichten dem Subcomuö überlassend, das seine erste Aufgabe, Entwurf für Volksschulen, schon beendet hat und durch Or. Kohn und Rabbiner Reich zur Ausarbeitung des Entwurfes für Mittelschulen verstärkt wurde. In der Commission für Gemeindeorganisation wickelten sich Ereignisse von der allergrößten Bedeutung und Trcgwe-te ab, welche ganz dazu angethan sind, das Minimum von Hoffnung, das man im Ju- und Auslände hegt, noch um ein Bedeutendes herabzudrücken. Zum Verständnisse des schnöden Versteckenspieles, welches hier mit dem Theuersten und Heiligsten, mit der Gewissensruhe vielem Hunderttausende getrieben wird, zum Verständnisse dessen gehört die Kenntnißnahme eines bereits zum offenen Geheimnisse gewordenen Coulissenspieles, dessen Held-der ominöseste Name in Ungarn ist, nämlich kein anderer als Leopold Löw in Szegedin. Derselbe hat, wie alle Welt weiß, vor circa einem halben Jahre unter dem Pseudonym „Leon de Modena Redivivus“ eine Broschüre: Die jüdischen Wirren in Ungarn, von Stapel gelassen, die an „Frei'innigkeit" die Kasseler fünfundzwanzig, ja auch Einhorn und Holdheim, und an Pietät gegen d"t und yV Eisenmenger, Wagenseil, Schudt und Consortm als pure Stümper meilenweit hinter sich zurückließ. Des Pudels Kern ist Trennung, um Terrain für dieses „Iudenthum (?) der Zukunft" zu gewinnen. Gleiche Tendenzen verfolgt der liebenswürdige Simon Szantö in Wien. Mit Beiden hat sich der früher mit ihnen befreundete Präses des Congresses vr. Hirschler, wie er sich sehr oft in vertraulichen Zirkeln geäußert haben soll, um dieses exclusiven Standpunktes willen, der in Ungarn nur in einer sehr kleinen Fraction vertreten sei, wie aber Einige interpretiren wollen, der bei dem ans dem Boden einer positiven Religion stehenden und auch bei andern Confessioneu Gleiches verlangenden Minister EötvöS nicht durchzubringen sei, verfeindet, macht wohl der Congreß fast allen Deputirten schwere, schwere Sorgen, den Orthodoxen um der heiligen Güter willen, die auf dem Spiele stehen und die leider von der gegnerischen Seite nicht mit der Gerechtigkeit gewahrt zu werden den Anschein haben, wie die unantastbare Gewissensfreiheit verlangt; den FortschritttSmännern, weil ihnen die Orthodoxen ein Bischen zu viel selbstbewußt auftrcten; dem Cultusminister und seinem Organe, vr. Hirschler, weil das grausige Gespenst einer Sackgasse immer weniger und weniger verscheucht werden kann, weil das Land schon anfängt, über mehr als fünfzigtausend bereits verausgabte Gulden sie zu Rechenschaft zu ziehen, deren Subvention zu Volksschulen schon Hunderte hätte glücklich machen können. In der That herrscht trotz grimmiger Ianuarkälte eine sehr schwüle Atmosphäre hier, man rüstet sich zum Verzweiflungskampfe, der in einigen Tagen ausbrechen muß. Man weiß es ja, daß vor dem Ausbruche des Sturmes auf dem Meere, die Seemöven herberflattern; auch die israelitisch-ungarische Seemöve, die die Situation wohl sehr gut kennt, eilte herbei, um die Beute des Congresses sich nicht entgehen zu lassen. Sie brachte einige Tage hier mit verschiedenen Conspirationen zu; was der specielle Inhalt derselben war, wissen natürlich nur die Eingeweihten, zu denen nicht zu gehören, Schreiber dieser Zeilen zu seinem Bedauern bekennt. In die Oessenllichkeit drang, daß der Cultusminister mit ihm conver-

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