Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1869)
- Date
- 1869-02-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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X. Jahrgang. Beilage z« Nr. 5 des Israelit. Leitender Artikel. Mer israet. Csngrrß ju Pesth. VII. Pesth, am 24. Januar. Da diese Woche nur eine Plenarsitzung des CongrefseS stattfand, die übrigens, wie weiter unten referirt wird, wenig Interesse bot, so absorbiren die CommissionSsitzungen noch immer das ausschließliche Interesse, die es aber auch bei wichtigeren Plenarsitzungen deS Congresies bei so intensivem Inhalte in hohem Grade beanspruchen würden. Ich fahre daher mit dem Referate über dieselben in gewohnter Ordnung fort. Zn der Schulcommission wurden die allgemeinen Principienfragen über die Mittelschulen und Ertheilung des Religionsunterrichtes an Gymnasiasten und Realschülern in melreren Sitzungen ventilirt; zugleich auch ein von Direktor Deutsch vorgelegter Entwurf über Talmud - Thora - Schulen von demselben verlesen. Es bildeten ganz besonders die allgemeinen Principienfragen über den Lehrstoff und die Lehrer an diesen höheren Anstalten im Allgemeinen (denn alle Details wurden dem auch hierzu zu ernennenden Subcomitö reservirt) den Gegenstand einer sehr lebhaften Discussion. Rabbiner Hochmuth hatte nach ersterer Richtung für Untergymnasien chrestvmatische Behandlung der Bibel in der Ursprache oder Schulsprache, jüdische Geschichte von der Zerstörung des zweiten Tempels bis auf unsere Zeit und Glaubens- und Pflichtenlehre, sowie Uebersetzung der Gebetstücke; für Obergymnasien und Präparanden Ergänzung des Bibelunterrichtes in der Schulsprache, jüdische Geschichte, Religionsgeschichte mit Ethik und Dogmatik proponirt. Dem gegenüber brachte vr. Kohn einen Antrag ein,- der für Untergymnasien statt der Glaubens- und Pflichtenlehre ruuv ann mit traditionsgetreuer Erklärung, das Pensum der jüdischen Geschichte von den Richtern bis auf Mendelssohn, statt der Uebersetzung der Gebete Partien aus der Bibel und im Obcrgymnasium statt Ethik und Dogmatik Vorträge aus Chotot Halbaboth rc. setzen wollte. Der erstere Antragsteller begründete die angesetzten Disciplinen damit, daß man bei den Schülern der Mittelschule, die ja nach dem Gesetze schon aus Schülern von elf bis zwölf Jahren beständen, im Hebräischen kein weiteres Wissen vorauSfetzen dürfe, als für chrestvmatische Auswahl, ja, daß vielleicht Schüler der Simultanschule mit darunter seien, bei den man nicht einmal der Geläufigkeit in der Ursprache sicher sei, weßhalb bei dem Bibeltext in der Schulsprache ein größeres Pensum zu erreichen sei; Gebetübersetzen sei für die Liturgie nothwendig, der Ausgangspunkt der biblischen Geschichte lehne sich an den Entwurf für Vvlköschulunterricht an, in welchem das Pensum der jüdischen Geschichte bis zur Zerstörung des zweiten Tempels angesetzt. Im Obergymnasium seien die Schüler schon in die rationelle Geschichte, wie Religionsgeschichte einzuführen und dieser geschichtliche Geist in den Vordergrund zu stellen. Der zweite Antragsteller motivirte seine Abweichung besonders damit, daß der eigentliche hebräische Unterricht viel intensiver genommen werden müßte, daß ferner zwar das Pensum des biblischen Unterrichtes in der Volksschule allerdings wie vom Vorredner festgesetzt, aber man in Rechnung bringen müßte, daß dieß nur für sechs Jahrgänge geschehe, die in Rede stehenden Schüler aber meist schon nach dem vierten austreten; daß die Geschichte nach Mendelssohn bis auf unsere Zeit zu einem Tummelplätze von Reformbestrebungen und Anpreisungen werden könnte, die den elf- bis zwölsährigen Schülern sehr oft gefährlich werden; daß ferner die abstrakten mehr oder weniger mechanischen, ja sehr oft ertödtenden Katechismen die Schüler über das Wichtigste und Nothwendigste, die Kenntniß der rosa ann nach den recipirten Auslegungen unserer Weisen gar oft ganz in Unkenntniß ließen. Daß er ferner Dogmatik und Ethik, wofür, wenn diese Wissenschaften überhaupt im Judenthume existirten, jedenfalls noch kein passende^ Schulbuch geschrieben, für sehr wenig nützlich und viel zu sehr von der individuellen Darstellung des Vortragenden abhängig finde. Es entspann sich hierüber eine sehr lebhafte Debatte, woraus ich nur Folgendes hrrvorhebe: Rabbiner Weiße richtet sich unter lebhafter Zustimmung gegen die Zurücksetzung, welche das eigentliche Hebräische in dem Anträge Hochmuths erleidet. Direktor Deutsch findet das Gebetübersetzen für eine Beeinträchtigung des eigentlich biblischen Stoffes; man müßte die Schüler durch hebräische Grammatik und Bibelunterricht so weit bringen, daß sie die Gebete selbst übersetzen können. Dr. Zipser spricht auch mit Entschiedenheit für die Förderung des Hebräischen im Urtexte. Rabbi Landsberger meint, daß man hauptsächlich aus die Religiösität der Religionslehrer sehen müßte, welche dann schon von selbst einen reicheren hebräischen Schatz erarbeiten, aber, was mit die Hauptsache ist, auch religiösen Sinn in den Schülern wecken würden, vr. Hildesheimer findet einerseits das Ausmaß im Hebräi-