Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1869)
- Date
- 1869-02-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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79 Paris. Wir lesen im „ GauloiS Man versichert uns, daß der Kaiser die Absicht habe, den Präsidenten des protestantischen Conststoriums und den Oberrabbinen von Frankreich zu Senatoren zu ernennen. Paris. Das Consistorium von Paris beabsichtigt, einen dritten Rabbinatsasseffor an die Stelle des Herrn Zadoc Kahn zu ernennen. (Univ Jsr.) Aviqnorr. Herr Am. ValavrLgue, Präsident des Wohlthätigkeitscomitäs, wurde mit Einstimmigkeit zum Richter am Handelsgerichte dahier ernannt. (Univ. Isr.) Amerika. Lima. Neueren Nachrichten zufolge ist der junge Johnson wieder in das Haus seiner Mutter zurückgekehrt und scheint er somit von dem Gedanken, sich taufen zu lassen, zurückgekommen zu sein. J t u i I I e t p n. Unmöglich Sechstes Capitel. Erziehung. Jahre waren vergangen; das Verhalten der beiden Ehegatten zu einander war nicht besser geworden; selbst die Geburt eines wunderschönen Knaben, den sie Alfred uannten, hatte die tiefe Kluft zwischen Eduard und Louise nicht auszufüllen vermocht; im Gegenthekl, die Geburt des Kindes hatte die durch Kummer und Verdruß schon angegriffene Gesundheit Louisens arg mitgenommen; sie hatte in Folge dessen einen großen Theil ihrer Schönheit eingebüßt, und Eduard fühlte sich durch kein religiöses Gebot gebunden. — er suchte Freude und Lust außer dem Hause. Es war im Jahre 1856; der orientalische Krieg ging seinem Ende entgegen; der Malakow-Thurm, das Hauptwerk der Festung Sebastopol, war mit Sturm genommen, der Marschall Pellissier hatte sich mit Ruhm bedeckt; Kaiser Nicolaus war gestorben, ohne seine hochfliegenden Pläne erfüllt zu sehen; der hochherzige Alexander II. hatte ganz andere Pläne als durch Eroberungen sein Reich zu vergrößern; die Freilassung der leibeigenen Bauern, das war sein Herzenswunsch und dazu brauchte er den Frieden. In Paris waren die Vertreter der Großmächte zusammengetreten , und man sah mit Spannung dem Ausgange der Verhandlungen entgegen. Eduard, dessen Vater sich fast ganz vom Geschäfte zurückgezogen hatte, unterhielt gute Verbindungen mit Paris. Da bekam er eines Tages von I einem wohlinstruirten Geschäftsfreunde ein Telegramm, welches ihm meldete, Monsieur Scholem würde bald eintreffen. Scholem, richtig ScholauM, ist ein bei Juden sehr gebräuchlicher Name; aber das Wort Scholaum ist ein hebräisches und heißt zu deutsch: der Friede. Eduard benutzte den Wink und kaufte eine große Menge Staatspapiere und Actien. Nach wenigen Tagen kam die officielle Nachricht, daß der Friede abgeschloffen sei; die Papiere gingen ganz ungemein in die Höhe, und Ednard hatte ein glänzende» Geschäft gemacht. Nach Abschluß des Pariser Friedens zog ein eigenthümlicher Luftzug durch Europa; ein Gefühl der Sicherheit und des Behagens durchströmte Alles. Der Friede war mit großer Feierlichkeit geschloffen, daS Friedensinstrument mit einer Adlerfeder unterzeichnet worden. Allgemein hieß es nun, das sei der letzte Krieg gewesen; nur der nordische Koloß, nur Rußland und an seiner Spitze der verstorbene Kaiser Nicolaus habe durch Eroberungsgelüste den Frieden Europas bedroht; nun aber da Nicvlaus todt und Rußland gedemüthigt sei, jetzt sei der Weltfriede für alle Zeiten gesichert. So that sich denn ein Unternehmungsgeist hervor, der lange geschlummert hatte. Seit 1848 war die Welt nicht ruhig, war das Vertrauen gewichen gewesen; die großen Capitalien hatten sich nicht hervorgewagt. Jetzt aber fühlte sich Alles sicher. Handel und Industrie nahmen einen glänzenden Aufschwungs Associationen bildeten sich, Actienunternehmungen und große Creditinstitute schossen wie Pilze aus der Erde; alle Welt war begierig, sich in kurzer Zeit zu bereichern, die Staatspapiere und Actien stiegen bis zu einer schwindelhaften Höhe, und die ersten Unternehmer verdienten enormes Geld. Auch Eduard hatte sich bei einem solchen Institute betheiligt und großen Gewinn erzielt. Wie es zu gehen pflegt hat so leichter und großer Gewinn keinen versittlichenden Einfluß; nur zu leicht wird der Mensch übermäthig und schreibt den großen Erwerb seinem Verstände, seiner Klugheit, seiner Geschicklichkeit zu. Auch Eduard wurde im höchsten Grade hochmüthig; er hielt sich für einen großen Mann, da es ihm gelungen war, so namhafte Summen zu erschwingen. Je mehr sein Selbstgefühl wuchs, desto übermüthiger benahm er sich gegen sein armes Weib. Eines Tages, es war an einem Sabbat, kam er von der Börse nach Hause; er hatte eben ein glänzendes Geschäft gemacht und schritt mit triumphirender Miene über die weichen Teppiche seiner Prachtsalons dem Speisezimmer zu, in welchem Weib und Kind seiner harrten. Als er drinnen laut reden hörte, blieb er an der Thüre stehen. Der kleine Alfred hatte dgs> Feuer im Kamin —. es war, wiewohl Frühling, noch ziemlich kalt — schüren wollen. „Laß das Alfred," hatte Louise gesagt, „es ist Sabbat heute."