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Der Israelit · 1869-02-03 · Heft 5 (3.2.1869) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 5 (3.2.1869)
Date
1869-02-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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78 „In der Lage jener Besitzer de facto — schreibt die „Wiener Abendpost" — welche unter einem fremden Namen Grundeigenthümer sind, wird zunächst nichts geändert. Diejenigen, welche künftig Grundbesitz in der Türkei kaufen, haben ein Recht erworben, das sie früher nie besessen, und kennm die Bedingungen, unter denen sie besitzen können; diese Bedingungen sind keine ausnahmsweisen, sondern die allgemein giltigen; es kann von einer Verletzung bestehender oder künftiger Rechte die Rede nicht sein. Der Grundbesitz der Fremden gewinnt aber Rechtssicherheit und Stätigkeit und es entfällt die Notwendigkeit jener Scheinkäuse und Verkäufe, welche nur zu oft den ehrlichen Mann dem unehrlichen gegenüber zu Schaden brachten." „Ave bestehenden Vorrechte der Fremden erhalten durch das Protokoll eine neue Garantie; eine Neuerung ist nur in Bezug ans jene Fremden gemacht, welche neun Wegstunden und mehr von dem Amtssitze eines Consulates entfernt und zwar bei Streitigkeiten civiler Natur, wenn sie nicht 1000, strafrechtlicher Natur, wenn die Geldbuße nicht 5OO Piaster übersteigt. In beiden Fällen steht dem Fremden aber der Rekurs an seinen Consul und zwar mit aufschiebender Wirkung zu: die zwangsweise Execution kann nur mit Intervention des Consuls stattfinden." „Die der Lokalbehörde in den neun Stunden von einem Consulate entfernten Orten zuerkannte Ermächtigung, im Falle von Mord, Brandlegung u. dgl. in das Haus des Fremden ohne Intervention des Confulates einzudringen, ist im Interesse der öffentlichen Sicherheit und daher auch im Interesse jedes Einzelnm begründet." „Den k. k. Consuln, die sich in reger Verbindung mit ihren in ihrem Amtssprengel wohnenden Nationalen zu halten chaben, wird es übrigens an Mitteln nicht fehlen, um ihren Schutz auch auf die in größerer Entfernung wohnenden k. k. Unterthanen auszudehnen und Uebergriffen vorzubeugen oder bereits geschehene bestrafen zu lassen." „Die Unterstützung der k. k. Botschaft in Konstantinopel wird ihnen hiebei stets gesichert sein " Wien, 22. Januar. Unter den vom Kaiser von Oesterreich zu lebenslänglichen Mitgliedern des Herrenhauses ernannten Herren befindet sich auch unser Glaubensgenosse Simon Winterstein, Präsident der Handels- und Gewerbkammer in Wien. Derselbe war bisher Mitglied des Abgeordnetenhauses. In der heutigen Sitzung theilt Präsident Kaiserfeld folgendes Schreiben mit, welches ihm heute vom Abg. Winterst ein zugekommen:! „Seine Majestät der Kaiser haben mich allergnädigst in das Herrenhaus zu berufen geruht. „Indem ich aus dem Hause der Abgeordneten j scheide, drängt es mich, dem verehrlichen Präsidium j und den Mitgledern des hohen Hauses als Abschieds-! wort meinen tiefgefühlten Dank auszusprechen für das mir feit einer Reihe von Jahren zu Theil gewordene Wohlwollen und für das gütige und wahrhaft collegiale Entgegenkommen, das ich jederzeit gefunden habe. Die Erinnerung bleibt mir unvergeßlich. „Genehmigen Sie, sehr geehrter Herr Präsident, den Ausdruck der vollsten Hochachtung, mit der ich zu verbleiben die Ehre habe, Ihr Freund und ergebener Diener Simon Winterstein." Pr äsident Kaiserfeld glaubt beifügen zu können, daß das Haus im gleichen Maße die ausgesprochenen Gefühle entgegenbringe (Bravo.) Mit dieser Ernennung hat der Kaiser von Oesterreich die Gleichberechtigung der Confessionen ausgesprochen. Prag, 21. Januar. In einer Prager Correspondenz der vorletzten Nummer dieses geschätzten Blattes, unterfängt sich ein Anonymus, über das talmudiscke Wissen der hiesigen Rabbinatscandidaten in einer Weise abzuurtheilen, 'gegen welche wir uns strengstens verwahren zu müssen glauben, zumal derselbe, der trotz seiner Namenlosigkeit uns nicht unbekannt ist, mit den Candidaten viel zu wenig in Berührung kömmt, als daß er in der Lage sein könnte, über deren talmudische Kenntnisse ein Urtheil zu haben. Die meisten der hiesigen Rabbinatscandidatcn haben viele Jahre zu Füßen der größten Rabbinen Ungarns gesessen, und bringen gewöhnlich so viel talmudisches Wissen hierher mit, daß es ihnen ein Leichtes wäre, mit Manchem der hiesigen zahlreichen soi disaut Rabbis, sich zu messen. Wir zweifeln keinen Augenblick, daß auf eine diesbezügliche Anfrage der löbl. Redaction, unser hochverehrter Lehrer, Herr Rabbiner Juda Teweles ganz in diesem Sinne antworten und erwarten von deren Gerechtigkeitssinn, daß sie diese Zeilen unverkürzt abdrucken wird. Mehrere Rabbinatscandidaten. Frankreich. Paris. Am 14. Januar fand die jährliche Generalversammlung der „ All. Isr." in Paris statt, welche von Mitgliedern und Fremden sehr stark besucht war. Der Präsident, Herr Cremieux, zeigte in seiner Rede an, daß das Central-Comite beschlossen hat, ht Palästina eine Colonie zu gründen. Dieselbe soll in der Nähe von Jaffa angelegt werden. Die Colonisten sollen in der Landwirtschaft und im Gartenbau, welchem Letzteren das dortige Klima sehr günstig ist, unterrichtet werden. Die Nähe Egyptens und die baldige Vollendung des Suez-CanalS werden dazu beitragen, daß die Producte der Colonie einen günstigen Markt finden. PlSPls. Der „Univ. Isr.", der bisher monatlich erschienen., erscheint nunmehr alle 14 Tage, ohne daß der Preis desselben erhöht wurde.

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