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Der Israelit · 1869-02-03 · Heft 5 (3.2.1869) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 5 (3.2.1869)
Date
1869-02-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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gen nur nach einem zweiten, ihm gegenüberstehenden Wesen, mit dem er wie diese ein gleiches Paar bilden sollte, wachgerufen werde. Paarweise sind ihm die Thiere zu Gesicht gebracht und von ihnen lernend, sollte er gleichfalls in der Folge nur ein Paar werden. Hätte ferner Gott die Polygamie begünstigt, warum hat er gleich am Anfänge nur eine Frau und nicht zwei oder mehrere geschaffen, zumal da Ihm an der schnellen Vermehrung und Verbreitung des Menschengeschlechts so viel gelegen zu sein schien? Da nur eine Frau geschaffen und zu diesen beiden ersten Menschen die segensreichen Worte ausgesprochen worden sind: pND n« 1*601 ns „Seid fruchtbar und vermehret Euch und füllet die Erde", so hat Er dadurch deutlich genug bekundet, daß der Segen Gottes nur in der Monogamie zu suchen ist. Und endlich heißt es ganz zuletzt: in ff 4*3 psn daß er seiner Frau — im Singular — anhangen soll, gewiß ein unverkennbarer Wink, daß er nicht mehr als eine Frau haben soll. Aber auch abgesehen von dieser Schöpfungsgeschichte ist es aus vielen anderen Stellen der heiligen Schrift ersichtlich, daß die Osienbarungslehre, wie sie in unfern Urkunden enthalten ist, überall sich entschieden gegen die Polygamie, weil sie dem friedlichen und somit glücklichen Familienleben bedeutenden Abbruch thut, ausspricht, wenn sie dieselbe auch gestattet. Um nur noch ein Beispiel aus unserem Gesetzbuche selbst anzuführen, wollen wir erwähnen, daß bei der allgemeinen Vernichtung des Menschengeschlechts durch die verheerende Sündfluth nur paarweise Thiere sowohl, wie Menschen in die noachidische Arche zu deren Erhaltung und weitern Fortpflanzung ausgenommen worden sind. Da die schnelle und allgemeine Verbreitung der die Fluth überlebenden Geschöpfe und namentlich des Menschengeschlechts im Schöpfungsplane lag: so könnte ja dem Noah und seinen Söhnen der Befehl Gottes geworden sein, sich mehr als eine Frau in die Arche aufzunehmen.*) Von den reinen Thieren, damit deren Vermehrung nachher schneller von Statten gehen sollte, wurden je sieben Paar erhalten. Wenn der weise Weltenerhalter der Polygamie Vorschub geleistet hätte, warum hat er nicht jedem Männchen aus der reinen Thiergattung mehrere Weibchen zugesellen lassen, um denselben Zweck zu erreichen, den sieben Paar Hervorbringen sollten? Warum steht überhaupt bei der ganzen Vorherbestimmung der zu rettenden lebenden Geschöpfe so oft wiederholt -oj und ropj. „Ein Männchen und ein Weibchen" iniew rv'n nysp nysttf „Nur je sieben und zwar ein Männchen und ein Weibchen und mffNi D’jtp je zwei und zwar ein Männchen *) Sinnt, der Red.: Dieses Argument, ist sehr sonderbar. Hatten denn noch andere Frauen di,Rettung verdient? und sein Weibchen oder auch nspji -d» nysff npsff je sieben aber immer ein Männchen und ein Weibchen? Ein klarer Beweis, daß Gott bei jeder Thiergattuvg sowohl wie beim Menschen nur eine paarweise und zwar homogene Vereinigung gewünscht und erstrebt hatte. — Obgleich aus dem bisher Gesagten ziemlich evident erwiesen ist, daß die Einführung der Vielweiberei gegen den Willen Gottes war, so möge doch noch ein Beispiel aus der heiligen Schrift hier Platz finden: Im fünften Buche Moses Cap. 49, 45 heißt es: aw.} >nff ff’Kb ,win o „Wenn ein Mann zwei Frauen besitzen sollte". Hier hat sich der Gesetzgeber unzweideutig und ganz entschieden gegen die Polygamie ausgesprochen. Denn wenn sie wirklich in Seinem Plane gewesen wäre, warum ist hier der Ausdruck bedingt, gleichsam fragend und verwundernd, gewählt^ gleichsam als sollte damit gesagt werden: Wenn es wirklich Jemand gebe, der zwei Frauen haben würde? Als wäre es ganz außer Ordnung, als sei es nur im Nothfalle gestattet, mehrere Frauen zu besitzen! Gott, sollte dadurch ausgedrückt werden, will es zwar nicht ausdrücklich verbieten, kann aber nicht umhin, durch Winke aus die üblen unausbleiblichen Folgen eines Ehestandes aufmerksam zu machen, in welchem mehrere Frauen die Liebe des Gatten theilen, und diese Folgen sind: Zank, Widerwillen, Zwiespalt, Neid und Haß unter den Frauen selbst, wie Verkleinerung in den Augen der Kinder.*) Wenn demnach die Polygamie, der größte Hebel eines unglücklichen Ehelebens, in Israel, obgleich" nur in einzelnen Fällen bis zur Zerstörung des ersten Tempels bestanden, nicht nur keine allgemeine Sanctionirung und Geltung erlangt hat, sondern sogar vielfach erschwert und mit lästigen Fesseln belegt worden war**): so ging dem jüdischen Eheleben alle Ursache zur Uneinigkeit und Unzufriedenheit ab. Wer aber den im Gesetze zwar nicht ausgesprochenen aber dennoch unverkennbar darin gegebenen Warnungen und Winken zuwider nichts destoweniger sich in eine Ehe mit vielen Frauen eingelassen bat, der hat es sich selber zuzuschreiben gehabt, wenn dadurch sein Familienleben ein zerrissenes, zerrüttetes und unglückliches geworden ist. Daß aber trotzdem die Frau ihrem Ehemanne stets ebenbürtig und keine Sclavin gewesen war, soll nun aus folgenden Stellen der heiligen Schrift dargethan werden. Nachdem die reine Gotteserkenntniß, wie sie dem ersten Menschenpaare mitgetheilt worden war, bald unter den nachfolgenden Geschlechtern aus dem Herzen der Menschen geschwunden, bis eine verheerende Fluth *i Darauf scheint nach der Erklärung Raschi's der ganze Abschnitt hmzudeuten. Vergl. aber auch Richter 6, 30; S, 5 und 11, 2. **) S Michaelis Mos. Recht Th. II, § 95.

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