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Der Israelit · 1869-02-03 · Heft 5 (3.2.1869) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 5 (3.2.1869)
Date
1869-02-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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74 weggerafft wird von der verzehrenden Krankheit — in der Blülhe seiner Jahre. * * * Eine schwere Krankheit ist's, welche unsere modernen Brüder heimsucht — als Juden leiden sie an der Schwindsucht. Schon sind vergeffen Sabbat- und Speisegesetze, Feiertage und Festtage, Ehegesetze und Alles, was die heilige Religion der Väter vorschreibt, was den Juden zum Juden macht. Unablässig tönt die Stimme der ernsten Mahner: Kehret um, kehret um! sonst seid Ihr dem Tode, dem religiösen Tode, dem sittlichen Tode verfallen, sonst hört ihr auf, Juden zu sein! Vielleicht würden diese Stimmen Gehör finden und Besserung bringen. Da sind aber die falschen Freunde, die sogenannten Reformrabbinen, die sprechen: „Ihr seid gesund; aber das alte Gesetz ist zu groß, zu weit für unsere ganz anderen Zielen zustrebende Zeit; wir passen Euch das Gesetz an; wir schneiden heraus, was Euch nicht mehr behagt!" Und sie nehmen das köstliche Kleid, das unsere Blöße bedeckt und uns warm gehalten hat die Jahrtausende hindurch, nbnw, das Gewand, wie der Prophet Jesaias das Religionsgesetz Israels nennt, und schneiden wacker heraus; so versammelten sich im vorigen Sommer in Cassel 24 solcher „Schneider", um darauf los zu schneiden. Die Opfergebete — fort mit ihnen! die Messiasgebete — fort mit ihnen! die Thora-Vorlesung — ein Drittheil oder gar ein Siebentheil genüget Die andern Gebete - die Hälfte oder noch weniger! Die Speisegesetze — wir revidiren den Jore Deah! Die Ehegesetze — wir revidiren den Eben Hasser! Chalizah — nicht mehr zeitgemäß! Und so weiter, und so weiter! Allein auch bald wird das so beschnittene Kleid wieder zu weit, iwtr aufs Neue wird die Scheere schneiden, bis nichts mehr übrig: bleibt. Aber den Zerschnridern des Judenthums fängt es an zn grauen; sie wollen nicht allein das Odium auf sich laden, die Todtengräber des Judenthums zn Heeßen. Dir Versammlung zu Cassel beschloß daher einstimmig, eine Synode, aus Rabbinen und Laien zusammengesetzt zu berufen; jeder, der Terephot ißt und am Sabbat Tabak raucht, wird berechtigt sein, an dieser „Synode" Theil zu nehmen und mitzuweben an dem Leichentuche, das diese Herren für das Judenthum bereiten wollen; aber die Herren werden sich irren iiDpn nrwi na«» non, sie werden zu Grunde gehen, aber das Judenthum wird ewig bleiben; unverfälscht und unverkürzt. Dir jüdische Ehe nach biblischen und talmudischen Grundsätzen. Von vr. Aron Hirschfeld. (Fortsetzung.) Nach solchem, in diesen Worten der heiligen Schrift bei der Genesis des ersten Menschenpaares gewachten Vorbilde mußte eine auf diese Weise sich gestaltende Ehe ein wirkliches Paradies von Glückseligkeit hervorzaubern können. Wie konnte wohl dem Judenthum der Vorwurf gemacht werden, als sei es nach diesem dem Manne gestattet, seine Gattin zur Sclavin zu machen, wenn nach der hier in klaren und unzweideutigen Worten ausgesprochenen Bestimmung Gottes die Gattin einen so hohen Beruf zu erfüllen hat? Und doch ist man gern geneigt, dresen Schandfleck deS unduldsamen Mittelalters auch jetzt noch dem in allen seinen Lehren mir höhere und edlere Gesinnungen hegenden und verbreitenden Judenthume anzuheften. Woher werden aber die Gründe hergeholt, um beweisen zu können, daß die israel. Frau nicht höher als eitt^ Sclavin gehalten worden ist? Diese scheinen in der, in der Bibel erlaubtet: Polygamie gefünden wordeii zu sein. Allerdings degradirt die Vielweiberei die Ehefrauen und coordinirt sie nicht, der ursprünglichen Bestimmung gemäß, ihrem Ehemanne, sondern suborbinirt sie ihm. Aber wie, hat das Judenthum daran - Schuld? Ist die Polygamie erst durchs Judenthum eingeführt worden? Sie wär vielmehr^ schon zu Lemechs Zeit (Gen. 4, 19) da, der bekanntlich in der Bigamie lebte. Obwohl sie zur Zeit, als Gott das 'Gesetz auf Horebs Gipfel geoffenbürk hat, im ganzen Morgenlande verbreitet war, und so um sich gegriffen hatte, daß das Menschengeschlecht sich ihr nicht so bald zu entreißen im Stande'zu fein schien; so hat das Gesetz Gottes zwar nicht so tief eingewurzelte Gewohnheiten ganz aufgehoben, siü aber zu beschränken gesucht und ihre nachtheiligen Folgen mit grellen Farben geschildert. Ja, nehmen wir das Hochzeitsgemälde des ersten MeNscheNpaares noch einmal hier vor unsere Augen, und betrachten es noch etwas sorgfältiger: so finden wir auch hierin schon gegen die Polygamie den Willen Gottes deutlich ausgesprochen. Denn wohl wußte Gott im-Voraus, daß der menschliche Trieb sich nicht lange mit der Monogamie befriedigt fühlen werde und darum hat Er es gleich bei der Einsetzung der ersten Ehe nicht an weisen Winken fehlen lassen, welche die Monogamie in ein besonders günstiges Licht stellen sollten. Aus diesem Grunde wurden dem Adartz, als ihm nach der Benennung der Thiere gleichfalls eine Gattin zugsführt werden sollte, die kurz vorher paarweise geschaffenen Thiere hingesührt, damit, durch deren Beispiel angespornt, in ihm das Verlan-

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