Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 4 (27.1.1869)
- Date
- 1869-01-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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68 was während der Dauer des Ministeriums Bratiano niemals geschehen ist. Holland. Amsterdam Bei dem jüngsten Sturm befanden sich fünf unserer Glaubens- und Stadtgenofsin nebst einem Glaubensgenossen aus Hilversum, sämmtlich Kaufleute, welche sich in Handelssachen nach Terschelling begeben wollten, in einem Fischerbote auf der Nordsee. Nachdem sie während einiger Stunden durch die allzuhohen Meereswogen Todesangst ausgestanden, wurden sie plötzlich auf eine Sandbank geschleudert, welche sie nach der Meinung des Schiffers nicht mehr lebendig verlassen würden. Auch unsere Glaubensgenossen sahen die Gefahr ein und bereiteten sich zum Tode vor. Nachdem sie ihre angelegt und die Sterbezebete 'antcn yos/ u. s. w. gebetet hatten, banden sie sich mittels der Tephilinriemen zusammen, um so vereint' in den Tod zu gehen. Aber ihr Vertrauen auf den göttlichen Beistand wich keinen Augenblick; in einem inbrünstigen Gebete riefen sie Gottes Hilfe au, welche auch nicht ausblieb. Die Fluth trat ein und machte das Boot wieder flott. Sie landeten bei Harlingen, nachdem sie 21 Stunden auf der See zugebracht. Daselbst wurden sie unter lebhaften Beweisen der Theilnahme von den Einwohnern empfangen. Des andern Tages kehrten sie in ihre Hcimath zurück. Hieraus ersieht man ganz deutlich, daß das Vertraten aus Gott niemals beschämt wird, Dir xd run now sL" ab). (N. I. W.) F r a n l x e i u). Paris. Der berühmte christliche Prediger, Pater Hyacinthe, von welchem wir erst jüngst berichtet, daß er sich so außerordentlich belobend über das Iudenthum ausgesprochen, hat in einer zweiten Predigt in der Kirche Notre-Dame, nachdem er sich über die drei großen Acte des menschlichen Lebens, über die Geburt, die Liebe und den Tod ausgelassen, sich folgendermaßen über die Beschneidung ausgesprochen-: Die Beschneidung heiligt die G eburt. Sieist eine unermeßliche Thatsache durch ihr Alter und durch die weiten Räume, in welchen sie seit Jahrhunderten ausgeführt wird; sie ist eine menschliche und göttliche That zu gleicher Zeit. Aber es genügt nicht, eine That zu achten, und wäre sic auch menschlich und göttlich zugleich; man muß auch versuchen, sie zu verstehen, und in dieser That der Beschneidung sehe ich zwei Ideen: Unterscheidung von dem übrigen Theil der Menschen, spccielle Heiligung dem wahren Gotte. Unterscheidung von dem übrigen Theil der Menschen! Das war doppelt nöthig, da cs sich darum gehandelt, eine Familie und zwar eine religiöse Familie zu errichten. Glauben Sie, eine Familie, so begeisterungsfähig sie auch sei, hätte nicht nöthig, sich zu trennen, sich mehr oder weniger von andern Familien zu isoliren? Wenn sie ihren eignen Character, ihre besondere Eigenthümlichkeiten verlieren würde, wäre sie keine Familie mehr, und wenn wir dahin kämen, die Legitimität, die Nothwendigkeit einer Trennung, einer Isolirung von anderen Familiien zu verkennen, so wäre das nicht Socialismus, nein, wir hätten den Communismus vor unseren Thüren! Eine Separation ist also nothwendig. In den großen Banden der Gerechtigkeit und der Liebe ist ein persönlicher Character, eine eifersüchtige Individualität nöthig, welche die Race von allem dem unterscheidet, was nicht zu ihr gehört. Aber wenn es sich um eine religiöse Familie im Busen der intellectuellen und moralischen Verderbniß handelt, wenn diese Familie nur dehhalb gegründet wurde, um eine neue Arche, und zwar eine stärkere als die andere, auf den Fluthen dieser neuen Sündfluth zu sein — daun ist um so mehr eine Unterscheidung nothwendig. Niemals, Du erwählte Familie, wo Du auch sei'st, du Familie des alten Abraham, niemals werdet Ihr, wenn es sich darum handeln wird. Euch von dem Irrthum und Bösen zu entfernen, Eure Schranken zu hoch erheben, niemals Eure Gräben zu tief machen, wenn Ihr die Banden der Gerechtigkeit und Sympathie Euch bewahren wollt. O, wie ist dieser Mann durch seine unabänderliche Beschneidung so gut unterschieden! Unterschieden ist er durch das materielle Siegel, welches er an seinem Fleische trägt, durch seinen moralischen und physischen GesichtSauödruck, welcher in seinem ganzen Wesen glänzt! Sind Sie, meine Herren, je einem Juden begegnet, ohne ihn sofort zu erkennen? Haben Sie je mit einem Gedanken des Zauderns und des Zweifels diese seltsame, düstere und zugleich verführerische Schönheit, diese dunklen Augen voll Intelligenz und Leidenschaft betrachtet? Sind Sie einmal unschlüssig gewesen über dieses reine, stolze und aristokratische Blut, das alles andere überragt, welches durch die Zeitalter und durch die Racen geflossen, ohne sich zu vermischen mit dem, was nicht zu ihm gehörte? Haben Sie, Männer des Gedankens und der Politik, Organisatoren der Familien und der Gesellschaften, die ursprüngliche Einrichtung der jüdischen Familie studirt? Heute noch, unter unser« Augen, in Europa sowohl als auch in Asien hat die Organisation der jüdischen Familie dem Sturze aller seiner äußern Lagen widerstanden. Es hatte ein Königthum, eine politische Stellung; die politische Stellung, das Königthum sind seit Jahrhunderten verschwunden. Es hatte ein