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Der Israelit · 1869-01-27 · Heft 4 (27.1.1869) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 4 (27.1.1869)
Date
1869-01-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
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69 Priesterthum, es hatte ein Heiligthum. Es blieb noch Einiges übrig; aber ihre Geschlechtsregister sind in Stücken, sie haben kein Opfer, kein Königthum mehr, — und die jüd. Familie ist doch mit ihrer eignen Kraft stehen geblieben! Sie findet in sich selbst die Macht, die Tradition des Blutes und die Tradition ihres Gottes sowohl gegen die Barbarei des Mittelalters als auch gegen die moderne Civilisation unversehrt zu bewahren! — (Univ. Isr.) Belgien. Brüfs l Die isr. Gemeinde zu Brüsiel hat den 70. Geburtstag des Herrn Lassen aufs glänzendste gefeiert. Herr Lasse« hat sich um die belgische Judenheit große Verdienste erworben. Es wurde ein Kapital gesammelt, von dessen jährlichen Renten die Geschäfte oder die höheren Studien fleißiger Schüler, die die isr. Primärschulen verlassen haben, unterstützt werden sollen. Die Stiftung trägt den Namen des Gefeierten. Herr Lassen ist Ritter des Leopoldordens, Mitglied des isr. Consistoriums (1845) und Cassirer der Gemeinde (1846.) England. London. Sehr erfreuend ist die Wahrnehmung, mit welch großer Sympathie die Reichen unserer Gemeinde ihren armen Glaubensgenossen zugethan sind und wie sie jede festliche Gelegenheit dazu benutzen, ihren WohlthätigkeitSsinn zu dethätigen. Samstag, den 8. Januar, wurde der Sohn der Frau Sasson (von der berühmten Familie Sasson aus Bombay in Indien) rosa -o. Aus Anlaß dieses freudigen Ereignisses lud diese edle Frau des andern Tages ungefähr 200 arme Kinder aus den spanischen und portugiesischen Schulen ein und erfreute sie mit einem kleinen Gastmahl. Die Kinder musicirten und sangen dabei und verbrachten überhaupt einen vergnügten Nachmittag. London. Den vergangenen Samstag ist dahier ein taubstummgeborner Knabe myo ~ü geworden, der beim Aufruf zur min laut die naia sagen konnte. ES ist dies der erste Fall dahier, und waren die zahlreich versammelten Andächtigen sehr erstaunt über die Fortschritte des Knaben. Rußland. Petersburg. Die jüdische Gemeinde in Petersburg petitionirt jetzt um die Erlaubniß zum Bau einer eignen Synagoge. Dem deßfallstgen Gesuch war eine Liste aller Personen jüdischer Herkunft, welche ein Recht zum beständigen Aufenthalt in Petersburg haben, beigelegt. Im Ganzen sind dies 346 Personen; davon gehören 70 denk Gelehrtenstande an: 23 Aerzte, 6 Zahnärzte, 1 Veterinärarzt, 16 Juristen, 3 Journalisten. Schweden. Stockholm. Vor Kurzem starb dahier eine Christin, Namens Halberg, die den Armen der hiesigen jüdischen Gemeinde 1000 Thlr. vermachte. Als Motiv gibt sie in ihrem Testament an, daß sie von Juden viel Gutes genossen und sie hierdurch ihren Dank zu erkennen geben wolle. (Hamagid.) ANZE Aufruf! In Folge der bei uns täglich eingehenden haarsträubenden Berichte über den gegenwärtig in Rußland und einem Theile Polens unter unfern Glaubensgenossen herrschenden Nothstand, wozu noch der Hungertyphus hinzugetreten und sehr Viele dieser fürchterlichen Krankheit erliegen, sehen wir uns veranlaßt, um weitere Spenden für jene Unglücklichen zu bitten. Durch die im vergangenen Jahre in so reichem Maße uns zugeflossenen Unterstützungen ist es uns gelungen-, die Noth, die dort geherrscht hat, zu lindern, sehr Viele vom Hungertode zu retten und Einzelnen Mittel zur Auswanderung nach Amerika zu gewähren. Gegenwärtig ist durch die vorjährige Mißernte, in Folge der Dürre, die Noth bedeutend größer als im verflossenen Jahre. Die vielen eingehenden Unterstützungsgesuche lesen wir mit Schauder durch und I 6 E F. müssen solche, ohne Hilfe leisten zu können, fortlegen. Der stets hervorgetretene WohlthätigkeitSsinn unserer Glaubensgenossen läßt 'uns hoffen, daß dieser sich auch ferner bethätigen wird, um so mehr da hier Menschen vom Hungertode zu retten sind. Wer wollte da die Hilfe versagen! Israel ermüdet nicht im Wohlthun. Wir bitten um schnelle Hilfe, auch die kleinste Gabe wird willkommen sein. Die Tausende Hungernder fordern ja nur Brod, um ihr Leben zu fristen. Der Unterzeichnete W. M. Wolffheim nimmt die Spenden so nach wie vor entgegen. Lyck in Ostpreußen, den 21. Januar 1869. Das Comite zur Unterstützung der nothleidenden Israeliten in Russland und Polen. Silbermann. Alexander. Wolffheim. Gordon.

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