Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 4 (27.1.1869)
- Date
- 1869-01-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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X, Jahrgang. Beilage zu Nr. 4 des Israelit. Leitender Artikel. Der israet. Csngreß ju Pesth. TI. Pesth, am 17. Januar. Im Verlaufe dieser Woche war keine Plenarsitzung deS Congrefses, destomehr aber arbeiteten die ersten beiden Commissionen (für Gemeinde- und Schulstatut), besonders die den Subcomitö's zugewiesenen Deputirten, von denen manche mehrere Tage 8- 9 Stunden beschäftigt waren. Folgen wir nun der Thätigkeit dieser diversen Gesellschaften. Die Commission für Schulangelegenheiten hielt erst Dienstag wieder Sitzung, weil sie dem Subcomitö Zeit zu einiger Vorlage lassen wollte. Da diese noch kein codisicirtes Ganzes vorzulegen hatte, kam man überein, die principiellen Grundzüge der Mittelschule gleich in'S Auge zu fassen; und wurde an eine von Rabbiner Hochmuth ganz allgemein aufgestellte dießbezüglichm Fragenreihe angeknüpft. Eine dieser Fragen lautete, wer soll den Religionsunterricht an Mittelschulen ertheilen? Diese Frage rief eine sehr umständliche Discussion hervor, deren Character sich nach der Parteischattirung der verschiedenen Redner gestaltete. Hochmuth plaidirte für eigens angestellte Religivnslehrer und will die Rabbinen ausschließen, theils weil dieselben nicht die gehörige^ Muße, theils weil sie nicht die humanistische Capacität haben, Schülern dieser Anstalt zu genügen, ja zu imponiren; dieselbe Ansicht vertrat vr. Zipser und mit einigen Modificationen auch vr. Kohn. Dem gegenüber vertrat Rabbiner Weiße die Ansicht, daß die Rabbinen, die von jeher die Heranbildung von Jünglingen und den an dieselben zu ertheilenden Unterricht für die höchste Ehrensache ihres Standes angesehen, gewiß auch jetzt nicht hinter diesen Anforderungen Zurückbleiben würden, und man diesen den Unterricht überlassen könne und solle, vr. Hildesheimer betonte nachdrücklich st, daß man wohl Sorge tragen müsse, daß nicht der sog. Religionslehrer wohl an elastischer Bildung und Aesthetik seinem Schüler gleichkomme oder über ihm stehe, aber in der Hauptsache der vollständigen Beherrschung des Stoffes gegen den letzter» und dessen etwaige tüchtige, rabbinische Jugendbildung den Kürzern ziehe. Mit einem Worte, man solle nicht die Aesthetik über das Reelle stellen, was man am Ende doch nur bei den Rabbinen vollständig voraussetzen könne; daher solle man mit dieser Uebertragung des Amtes an die Rabbinen bis zur äußersten Grenze gehen und diese würde schon von den betreffenden Rabbinen selbst als solche angegeben werden. Rabbiner Landsberger fügt hinzu, daß auch in diesen letzteren Fällen der Religionölehrer unter den Auspicien des Rabbiners unterrichten solle. Nachdem sich noch einige Nichtrabbinen der Commission theils dieser, theils jener Richtung angeschlossen, wurde die Sitzung, ohne eigentlichen Abschluß der Discussion, geschloffen. In der folgenden wurden die Principienfragen über Mittelschulen weiter biscmirt und die nicht gerade immer bei der Sache bleibenden Sprecher kamen, ehe sie sich's versahen, in das punotunr saliens des Congrefses, das uoli me tangere, die Seminarfrage. Veranlassung hierzu gab die wiederholte Behauptung mehrerer Deputirten der Fortschrittspartei, daß man sich die Grundzüge der Mittelschule nicht klar machen könne, solange man nicht wisse, woran man bei der Seminarfrage sei. Hiergegen vertheidigten die der conservativen Richtung Angehörigen, besonders Herr vr. Hildesheimer, in wiederholten Auslastungen, daß diese ganz bestimmte Spitze und Fa^on der Hochschule keineöweges ein integrirender Bestandtheil des Jdeenzusammenhangeö über den Plan der Mittelschulen sei; daß die letztern vielmehr füglich auch die künftigen Rabbinatscandidaten mit dem hebräischen Wissen, über welches man sich einigen wird, ansrüften können, gleichviel wo die Schüler ihre Studien fortsetzen. Schließlich brachte vr. Kohn, einer der eifrigsten Vertreter der Ansicht, die Seminarfraze sofort in Angriff zu nehmen, einen größern dießbezüglichcn Antrag ein, dessen erste Punkte lauten: a) Ist ein Seminar notwendig und nützlich? d) Gehört die Kreirung desselben zur Competenz des Congrefses? worauf noch eine Anzahl meritorischer Fragen folgt. Da die hochwichtigen, oben erwähnten Principienfragen die ganze Sitzung für sich in Anspruch genommen hatten, wurde dieselbe geschlossen und vom Präses, Herrn Höllischer, mit kurzen Worten angekündigt, daß er den Kohn'schen Antrag auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung setzen wolle. Dieser Sitzung präsidirte in Abwesenheit des Präses der Vicepräses, Rabbiner Weiße. Dieser richtet beim Beginne der Sitzung die Frage an die Commission, ob dieselbe das schon vorgeschrittene Elaborat des Subcornite'S oder den Kohn'schen Antrag in Discussion nehmen wolle, worauf vr. Kohn selbstverständlich für seinen Antrag resp. die am vorigen Tage vom Präses bestimmte Tagesordnung einstand, und von Hochmuth, vr. Zipser und einigen Andern unterstützt wurde. Dem gegenüber verlangte Herr vr. Hildesheimer, als in dieser Sitzung vorwie-