Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 4 (27.1.1869)
- Date
- 1869-01-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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58 politischen Tagesblätter die Wohlthätigkeit Rabbi Elchanar.'s in erster Linie rühmend erwähnten! Freundschaft und liebevolle Collegialität bis über den Tod hinaus!! Welche Entrüstung, welchen Zorn, welchen Schmerz diese Rede bei den zahlreichen Freunden des so tief Beklagten hervorrief, kann man sich leicht vorstellen. Man hatte vorher den zur Beerdigung gekommenen Sohn, Herrn Professor Rosenstein aus Groningen, dringend ersucht, sich den “sdd des Dr. Aub zu verbitten; derselbe hatte es nicht gethan und mußte nun den Tod seines Vaters und den Verlust der Gemeinde in dieser Weise beklagen hören! - Auf dem Friedhofe hielt Herr Dr. Apolant eine des Verstorbenen würdige Grabrede. Er schilderte das Verhalten des Verstorbenen zu seiner Familie, zu seiner Gemeinde und seinen Schülern in beredten, aus dem Herzen quillenden Worten; sie fanden ungetheilte Aufmerksamkeit und machten tiefen Eindruck; Männer und Greise konnten sich der Thränen nicht enthalten. Ja, fließet nur, ihr Thränen! ES ist nicht nur der edle, fromme, gutherzige, sanftmüthige Greis, nicht nur ein Vertreter der Gotteslehre, ein gewiegter Talmudist, der auf dem Berliner Friedhöfe begraben worden — eö ist ein Princip, das man mit R. Elchanan b"i in die Erde gebettet. Die alte Berliner Gemeinde ist todt; es muß eine neue erstehen! Noch vor wenigen Jahren war Berlin — abgesehen von der ganz bedeutungslosen Reformgenossenschaft — in seinen Vertretern und Institutionen eine orthodoxe israel. Gemeinde. Mochte der Abfall der Einzelnen vom Religionsgesetze noch so große Ausdehnung genommen hahaben, die Gemeinde als solche war eine fromme jüdische Gemeinde. Nun ist das anders geworden. Schon waltet ein Aub als Rabbiner; die große, neue Synagoge ist ein Concertsaal geworden, in welchen die Menge tritt: „kein Gebetbuch in der Hand, keine Andacht im Herzen, kein Gebetswort auf der Lippe," und das Alles trotz gemischtem Chor, prächtigtönender Orgel, zweijährigem Cyclus der Thora-Vorlesung, Aub'scher Predigt, deutscher Gesänge, verstümmelter Gebete rc. Bei den jüngsten Wahlen haben wiederum die sogenannten Liberalen gesiegt, so daß die Berufung Geiger's, dem die Thora — eine Mythe C?"i) ist, bevorsteht. Schon lehren Lehrer an den Schulen statt des Glaubens den Unglauben, unter den Vertretern der Gemeinde ist nicht Einer, der nicht den Sabbat entweiht und Terephoth genießt!! Die alte jüdische Gemeinde Berlins ist todt, ist mit dem letzten ihrer Rabbinen, mit Rabbi Elchanan zu Grabe getragen — aber, es muß eine neue erstehen. „Die Wenigen," schreibt einer unserer Correspondenten, „denen das Erbe der Väter heilig ist, müssen sich endlich zusammenschaaren und sich loSmachen von den Todtengräbern des JudenthumS, die es einsargen wollen, um modernes Heidenthum an dessen Stelle zu setzen." Wir können dem nur zustimmen. Sage man nicht, cs seien in Berlin keine Männer da, die sich trennen können; es wäre das eine Lästerung. Gott hat überall noch treue Diener, unsere heilige Religion hat auch in Berlin noch wahrhafte Bekenner. O, Ihr, die Ihr eö gut meint mit unserm heiligsten, kostbarsten Kleinode, mit der Religion der Väter, mit dem Gesetze unseres Gottes — bemühet Euch endlich ernstlich um die Erhaltung unserer höchsten Güter, ehe es zu spät wird. Gott wird Eure Bemühungen segnen und zur gedeihlichsten Entwickelung führen! — Die jüdische Ehe nach biblischen und talmudischen Grundsätzen. Von Dr. Aron Hirschfeld. (Fortsetzung.) II. Aber in wie fern das Judenthum eine solche innerlich beglückte Ehe lehrt, soll in Folgendem in möglichster Kürze gelehrt werden. Schon in der biblischen Erzählung, wie Gott aus der Rippe des Mannes das Weib gebildet hat, und in der Art und Weise, wie Er überhaupt dabei zu Werke gegangen ist, legt die heilige Schrift jedem Israeliten die Mahnung ans Herz, als welch theureö, nicht hoch genug zn achtendes Gut die Gattin gehalten werden müsse. Um jedoch den Adam, den ersten Menschen auf den hohen Werth und auf die Bestimmung der ihm zuzuführenden Lebensgefährtin aufmerksam zu machen, was that der mächtige Weltenschöpfer und Erzieher des Menschengeschlechts? Er wollte diesem die Gattin nicht eher zuführen, bis Adam selbst das Bedürfniß nach einer solchen in der Tiefe seines Herzens empfunden. Und wie hat Gott das heiße Verlangen nach ihr in seinem Busen erwirkt? Um dies wach zu rufen, hat er dem Adam sämmtliche Thiere und zwar alle gepaart, scheinbar um sie zu benamen, vorübergeführt. Aber diese Benennung sollte einen HShern Zweck, den uns die heilige Schrift zwar nicht wörtlich enthüllt, aber unleugbar aus dem ganzen Zusammenhänge klar und deutlich hervorschimmern läßt, nämlich das Bedürfniß nach einer Lebensgefährtin in ihm zu erwecken, zur Folge haben, was auch wirklich dadurch erreicht worden ist. Denn als Gott die Gattin dem Adam schaffen wollte, heißt es (Gener 2, 18) nwa mp i1? rwy« na1? di« nrn aw «v. „Nicht ist es gut, daß der Mensch allein sei, ich will ihm gegenüber eine Gattin machen." Aber gleich unmittelbar da-