Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 3 (20.1.1869)
- Date
- 1869-01-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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46 Entstehungsgeschichte der D'nan pa dort, wie die Mission, diese gefährlichste aller Gesellschaften, auch in den scheinbar unschuldigsten Dingen aus Nichts als auf Seelenraub denkt. Tenczer Pal spricht für Uebergang zur Tagesordnung, indem diese allerdings zuzugestehende Thatsache nur in der Mangelhaftigkeit der bisherigen confessionellen Schulen ihren Grund gehabt habe; würden die Schulen besser werden, so würde auch jener Uebelstand aufhören. vr. Kohn gegen Tenczer; er müsse leider die vom vr. Hildesheimer angeregte Thatsache vollgiltig bestätigen; und zwar seien diese Vorgänge hier in Pesth. Er habe diesen Gegenstand schon oft in der Predigt besprochen; auch sei derselbe schon sehr oft Gegenstand ernstlicher Gemeindeberathungen gewesen; Redner müsse jedoch die hiesigen Schulen gegen die Anklage Tenczers schützen; das Grundübel liege darin, daß die Wohlhabenderen überhaupt ihre Kindrr von der Schule fernhalten und diese fast nur zu Armenschulen herabgedrückt sind. vr. Hildesheimer ergreift das Wort zu wenigen Schlußworten: er habe weder in seinem Anträge noch seiner Begründung der Pesther Gemeinde Erwähnung gethan, ja, habe um jeder Mißdeutung auszuweichen, sich vor Einbringung des Antrags darüber vergewissert, daß dieß, wie I)r. Kohn hervorgehoben, im Einklänge mit den Bestrebungen des hiesigen Gemeindevorstandes geschehe; auch habe er den Zwischensatz „sofern u. s. w." hinzugefügt, wohl wissend, daß man gegen Indifferentismus und Muthwillen sich vergebens bemühe; Tendenz seines Antrages war vielmehr, den vielleicht vereinzelt unzureichenden Kräften Beistand zuzuführen. Hierauf wurde durch Abstimmung der Uebergang zur Tagesordnung beschlossen. Es wurden dann noch einige Anträge verlesen und auf die künftige Tagesordnung zu setzen beschlossen, welche ich, um Wiederholungen zu vermeiden, zur Zeit besprechen werde. Hierniit wurde die Sitzung mit dem Bemerken geschloffen, daß erst am 18. d. M. die nächste öffentliche Sitzung sein könne, und fordert der Präsident die Mitglieder der verschiedenen Commissionen auf, an ihren Aufgaben rüstig zu arbeiten, damit sie den nächsten öffentlichen Sitzungen schon die betreffenden Vorlagen zur Verhandlung geben könnten. Ich glaube nun den Wünschen unseres geehrten Leserkreises zu entsprechen, wenn ich nach Maßgabe meiner erhobenen Erfahrungen das Wichtigste aus den hochwichtigen Commissionsberathungen, dem ersten Acte dieses so merkwürdigen welthistorischen Dramas, von welchem sich bis jetzt nur ein Vorspiel abgewickelt, refcrire; ich werde mich dabei, wie selbstverständlich, vorzugsweise mit den principiellen Fragen beschäftigen, das Uebrige nur kurz resumirend. In der Schulcommission wurde, nachdem sich dieselbe in der ersten Sitzung constituirt, d. h. Vorsitzende und Schriftführer ernannt, die brennendste Frage des ganzen Congrcsses, nämlich die Rabbinerseminarfrage, auf's Tapet gebracht, vr. Zipser proponirte nämlich gleich in der zweiten Sitzung als mocius praeoeckenäi die Ernennung von vier bis fünf Subcommisstonen, nämlich, für Volks-, Mittel-, Religions- und Rabbinerschulen. Falls aber über Letzteres, wie zu erwarten, sobald keine Einigung stattfinde, für eines im alten und eines im modernen Style. Herr I. Löwy will diese auf drei reduciren, Volks-, Mittel- und Rabbinerschule. Vr. Hildesheimer hat wohl nichts gegen die von l)r. Zipser erwähnten ersten drei Commissionen, muß sich aber entschieden gegen die vierte verwahren. Vor Allem habe er und seine Gesinnungsgenossen die Abstimmung über den die Schulcommission betreffenden Theil des Fenyvesi'schen Antrages in der im Plenum auch schon durch Herrn Wahrmann zum Ausdrucke gekommenen Werse aufgefaßt, daß die Kreirung der Commission nur für Volks- und Mittelschulen geschehen sei. Falls aber die Majoriät der Commission darüber anders denke, so müsse er sich hiergegen, als eine religiöse Frage, ja gleichsam die größte von allen, involvirend feierlichst verwahren. Von den Modalitäten dieser Anstalt hänge nämlich entschieden das Religiöse derselben ab. Wenn das Institut nämlich ein im echten jüdischen Geiste gegründetes sein, der Schwerpunkt der Anstalt wirklich das Talmudisch-Rituelle sein und demselben das Zeitausmaß und die Intensität vindicirt werde, der Ort, so wie die dazu berufenen Männer die Hoffnung, ja die Bürgschaft zulassen würden, daß wirkliche Rabbiner aus der Anstalt hervorgehen, so sei dieß seiner individuellen Meinung nach eine den Bestand unserer heiligen Religion fördernde Anstalt und keine die Competenz des Congresses überschreitende Frage. Wenn aber über die Kreirung absolut abgestimmt werden solle, also der nur zu begründeten Besorgniß Raum gegeben werde, daß die Tendenz der Anstalt die Heranbildung von Akademikern, bloßen Schönrednern u. s. w. sein könnte und das punctum «allen« des Rabbinen, das eigentlich rabbinische Wissen als sehr unbedeutende Nebensache, fabriks- und handwerksmäßig als nothwendigeö Uebel hinzugenommen werde und auch der eben so wichtige Factor, die streng-religiöse Erziehung der Candidaten als offene Frage behandelt werde, wodurch nicht nur eine religiöse Frage tangirt, sondern auch die ganze Zukunft des ungarischen Iudenthumes mit der Unmöglichkeit, entsprechende geistliche Oberhäupter zu besitzen in Frage gestellt werde; dann stehen wir tief in einer Competenzüberschreitung des Congresses. vr. Kohn stimmt dem Vorredner darin bei, daß man jetzt noch keine Subcommission für Rabbinenschulen erwählen solle, und schlägt vor, eine solche durch vorläufige Besprechung und Verständigung der in der Commission