Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 3 (20.1.1869)
- Date
- 1869-01-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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X. Jahrgang. Beilage zu Nr. 3 des Israelit. Leitender Artikel. Der israel. Congreß ju Pesth. Y. In der Donnerstagssitzung (am 7. Januar) wurden meist Berichterstattungen ertheilt u. z. erst von der Verificationscommission, wodurch etwa 16 Deputirte für verificirt erklärt und bei drei Deputirten UntersuchungScommissionen beordert wurden. Darauf berichtete die Petitionscemmission über eine Anzahl Petitionen, mitunter höchst drolliger und allgemeine Heiterkeit hervorrufender Natur, wie z. B. vier bis fünf Photographisten, welche den „hohen Congreß ergebenst ersuchten, sich gefälligst en tableau photographiren zu lassen und Petenten natürlich ein Privilegium auf dieses werthe Gesammtantlitz zu ertheilcn; ferner einer Gemeinde, welche gegen eine Schikane ihres StuhlrichterS um so schleunigere Hilfe ansuchte, als dabei 40, sage vierzig Gulden zu verlieren seien. Das Schicksal dieser Petitonen kann man sich denken; aber auch andere, nämlich Unterstützungspetitionen von Gemeinden, wurden aä aota gelegt, — weil eben der Congreß kein Geld hat. Andere Petitionen wurden der Commission für Gemeinde-, Schul- und Wahlstatutsangelegcnheiten als Material zugewiesen, worunter eine von RimaSzombat, welcher Wahlbezirk um Entsendung eines zweiten Congreßdeputirten petitionirte, wobei ein sehr spaßiges und ebenfalls große Heiterkeit hervorrufendes Motiv hinzugefügt war, daß nämlich sein jetziger Deputirter — horribile dictu! — auf der linken Seite des Hauses sitze. Schrecklich aber wahr! Hierauf kamen einige, schon früher eingebrachte Anträge zur Verhandlung. Erstens: Antrag A. Stern, dahin gehend, daß eine aus fünf Mitgliedern bestehende Commission zur Anfertigung einer genauen Statistik der Juden Ungarns und Siebenbürgens kröirt werde. Dieser sehr einfache und selbstverständliche Antrag wurde vom Antragsteller in einer leeren, langathmigen und nichtssagenden ungarischen Rede, bei der die Abgeordneten partieenweise den Saal verließen, quasi motivirt. Cs sprachen darauf mehrere Redner theils für, theils gegen den Antrag, letztere, weil man statt dessen kürzer die Archive des Ministeriums benützen solle und die Herbcischaffung der Daten seitens der Gemeinden theils saumselig und gar zweifelhaft, theils nicht authentisch und vollständig genug sein würden. Dr. Zipser will die Statistik viel allgemeiner auffassen und nicht nur auf die Personennamen beschränken, sondern im Geiste und Sinne der jetzigen Wissenschaft, so daß auch die intellectuelle und humanitäre Leite der Gemeinde wesentlicher Factor dieser Statistik sei, und schlagt vor, eine ambulante Commission des Congresses zu ernennen, welche zu diesem Behufe Rundreisen durchs ganze Land machen soll. vr. Hildesheimer macht darauf aufmerksam, daß auch er schon in seiner Broschüre auf die vielen Willkürlichkeiten bei der Eintheilung der Wahlbezirke, weil auf Grund der längst überlebten und veränderten Volkszählung des Jahres 1857, hingewiesen habe. Nun, das sei jetzt xost kestum; eine jetzt festgestellte Statistik werde für den künftigen Congreß, selbst wenn dieser schon in drei Jahren einberufen würde, bei der ungebeuren Fluktuation der Bevölkerung aus kleinern Gemeinden in die größern Städte, die aber jetzt durch viele Factoren, so z. B. die Simultanschulen des neuen Gesetzes, während bisher viele Eltern nur durch den Mangel an nichtconfessionellen Schulen an ihre Gemeinde gefesselt blieben, noch vermehrt werden; durch dieses Alles würde auch das jetzt gesammelte Material für den künftigen Congreß, der doch der nächste Zweck dieser Statistik ist, nur von annähernder Genauigkeit sein. Er schlage daher, selbst im Falle dieser Antrag die Majoritä des Congresses für sich habe, vor, daß diese Commission erst so nahe als möglich zum eventuellen Congreffe ihre Arbeiten antrete. Nachdem sich noch Stimmen geltend gemacht hatten, daß man hierzu keine neue Commission ernenne, sondern alles dies in das Ressort der Commission für Wahlgesetz und Hausordnung übertragen solle; ferner Herr Rabbi Weiß unter allgemeiner Zustimmung des Hauses und des Präsidiums auseinandergesetzt, daß diese Materialien am leichtesten und schnellsten durch Vermittelung jedes Deputirten aus seinem Wahlbezirke herbeigeschafft würde, wurde letzterer Vorschlag acceptirt, der vorliegende Antrag abgelehnt und beschlossen, daß die erwähnten einzelnen Materialien der genannten Commission für Wahlgesetz und Hausordnung zur Benutzung, resp. Anfertigung solcher Statistik übergeben werden solle. Zweitens: Dringlichkeitsantrag des Herrn Dr. Hildesheimer, folgendermaßen lautend: Der Congreß wolle Mittel schaffen, wie der haarsträubenden Thatsache, daß Hunderte von israel. Knaben und Mädchen die Missionsschule besuchen, falls solches aus Nothlage der Eltern geschehe, Abhilfe werde. Antragsteller begründet den Antrag, der, wie er vorausgesetzt, selbst keiner Motivirung bedarf, dennock mit wenigen Worten, nach der Richtung hin, daß man sich nicht in Beruhigung einwiegen solle, daß diese Kinder dort etwa nur profanen Unterricht genießen und verweist beispielsweise auf die Vorgänge in Jerusalem und die