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Der Israelit · 1869-01-20 · Heft 3 (20.1.1869) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 3 (20.1.1869)
Date
1869-01-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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41 Wie können aber solche Worte Glauben finden gegen die würdigen Zeugnisse der Briefe, besonders den des Herrn Carl Netter, eines Mitgliedes des Ccntral-Comitv's der „Alliance Jsraölite" in Paris! Diese „Alliance" hat Alles, was sich auf die Möglichkeit einer Colonisation des heiligen Landes bezieht, genau von Herrn Netter untersuchen lassen, und nimmt dieselbe auch Bezug auf diesen ihren Abgesandten. Erst heute habe ich 'wiederum vom Central-Comite der „Alliance" einen Brief erhalten, in welchem dieses Bezug nehmend auf die Zuschrift des Herrn Netrer mir für meine Bemühung für unsere unglücklichen Brüder dankte und mir Hoffnung gibt, daß unsere Bestrebungen für das allgemeine Wohl des JndenthumS Erfolg haben würden. Ist dies nicht viel glaubwürdiger, als die Angaben vom Verfasser des erwähnten Artikels? Ebenso kann wohl dem österreichischen Conful mehr Glauben.geschenkt werden, da er amtlich ein Zeugnitz gibt, als der Aussage der AugSb. „Allgenu Ztg.", welche von fremden Einwanderern herrührt. Hier wird einerseits das Land gelobt, daß Alles, was darin gebaut werden kann, wie Weizen, Gerste, Sesam, Baumwolle, Tabak, Wein und Oliven, in reichlichem Maaße gedeiht. Andererseits aber tritt hier die Idee, welche zur Zeit der Kreuzzüge die allgemeine war, hervor, daß, solange die Moslemin Herren des Landes seien, dieses nicht cultivirt werden kann, sondern nur dann, wenn es in den Händen der Germanen wäre, wozu es später oder früher kommen müsse. Diese Ansicht, welche im 12. und 13. Jahrhundert so viel Unheil angerichtet, hat aber jetzt ihre Begründung verloren, da die Humanität überall geschätzt und geübt wird. Jeder wahrhafte Maim, der nicht gerade Eigennutz im Sinne hat, wird jetzt auch vom Muselmann geachtet. Was die amerikanischen Ansiedler betrifft, so haben wir schon längst bewiesen, daß ihr Untergang nur von der Uneinigkeit mit ihrem Führer Adams herrührte, wie es auch von Jaffe bezeugt wird. Somit spricht der wahrheitsliebende Redacteur der „Allgem. Ztg." etwas ganz Richtiges aus, wenn er sagt: „Warum thun denn aber die Juden selbst so gar nichts, um, wo heutzutage gewiß Gelegenheit wäre, Ihr altes Vaterland, wenigstens für einen Theil ihres Stammes, wiederzugewinuen? Sie beten allwöchentlich in den Synagogen um ihre Rückführung dahin, vergessen aber dabei das: „Hilf Dir selbst und Gott wird Dir helfen". An Geld fehlt es ihnen wahrlich nicht und auch nicht an diplomatischen Verbindungen." Nun wollen wir die Worte des lenKon der Reihe nach durchgehen. Er sagt erstens, ich hätt einen zu strengen Artikel gegen ihn im „Libanon" veröffentlicht. Hierauf erwidere ich, daß ich den Mann persönlich überhaupt nicht beleidigen kann, wenn ich nicht einmal seinen Namen weiß, da er bald als lanmi bald als in p auftritt. *) Ich habe also mit dem erwähnten Artikel nickt den Mann beleidigt, sondern nur seine Idee bekämpft.**) Wenn aber Jemand Zeugnisse und Ideen für das Allgemeine der Oeffentlichkeit übergeben will, so muß er auch seinen.Namen angeben, damit man hiernach den Mann benrtheilen kann.***) 2. Um die Bedenken, welche der ispwnn wh gegen die türkische Regierung ausspricht, zu heben, genügt wohl das Zeugniß des Herrn Netter, sowie der Ausspruch des Groß-Veziers selbst, wie es bereits berichtet ist. Ueberhaupt muß das Vertrauen zu Gott die Befürchtungen desselben beseitigen, da I. M. doch auch zugibt, daß die Sache selbst lobenswerth sei. 3. Was die Unkenntniß des Ackerbaues der dortigen Arbeitslustigen b.trifft, so sind dort viele Perser und Marokkaner, welche an den Ackerbau gewöhnt sind. Auch werden diese ihre Brüder unterweisen, wodurch in kurzer Zeit eine Colonie organisirt sein könnte. Auch habe ich viele Briefe ans Rußland erhalten von Leuten, welche auch in ihrer Heimath Ackerbau treiben; diese warten nur auf den Beginn einer Colonisation Palästinas, um mit ihrem Vermögen dahin auszuwandern und so die nnccrj/ai monn n;so und rupn noi« mny zu vollziehen. 4. Wenn x aber sagt, daß man die zusammengerafften 12,000 Franken in den Wind schleudern würde, und damit etwa sagen will, daß diese Summe viel zu Heia ist, so räume ick ihm das gern ein. Man vergleiche aber r.ann ten-.ra, wo es heißt: „Als Gott besah:, das \2ja zu errichten, sagte Moses: Herr der Welt, kann das Israel wohl bewerkstelligen? Gott antwortete: *.>"£2 inwjj’? inx rzrr vb 1J3T iffN nxo". Das heißt also: Könnte wohl der beschränkte Mensch für die Unendlichkeit ein Haus errichten? Gott sprach: Auch ein wohlthätiger, guter Mensck, welcher mit unendlicher Liebe für das unendliche Wesen eifert, kann seinen guten Willen mit dem unendlichen Wesen vereinigen. So ist es auch bei dieser Sache. Gott, der Allgütige, hat Viele auS unferm Volke so mit Reichthum und Macht gesegnet, daß auch Einer von unfern Brüdern mit seinem Reichthum unfern Plan ausführen könnte, desto eher kann *) Anm. der Red.: Herr Hirsch Kalischer ist vollständig irn Jrrthume. Die im p fignirtc, im „Libanon" abgedruckle Correspondenz, welche Herr K. im Auge hat, ist nicht von Jfch Meuschar. Jene Correspondenz war auch an uns gekommen; wir haben sie aber unbenutzt zurückgelegt. **) Anm. der Red.: Auf uns hat der Artikel des Herrn Kalischer einen dem oben Behaupteten gerade entgegengesetzten Eindruck gemacht. ***) Anm. der Red.: Es möge Herrn Kalischer die Versicherung genügen, daß der in Rede stehende Correspondent ein streng relig-öser, wissenschaftlich und talmudisch gebildeter Deutscher ist» welcher im Orient lebt und dort eine geachtete Stellung einnimmt, so daß die Colonisationsfrage ihn persönlich gar nicht berührt.

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