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Der Israelit · 1869-01-20 · Heft 3 (20.1.1869) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 3 (20.1.1869)
Date
1869-01-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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38 chung sein. Nichten wir jedoch, abgesehen von allen theoretischen Beweisen unfern Blick zuvörderst ans das in Wirtlichkeit bestehende Familienleben in Israel, im Vergleich zu dem anderer Confessionen: so muß dieser gewiß zu Gunsten unseres Glaubens ausfallen. Wer kann es leugnen, daß solange Israel, wenigstens in der Zeit seiner Zerstreuung, in den Gesetzen seiner heiligen Religion gewandelt, so lange eS gläubig und fromm an den Satzungen seiner von Gott geoffenbarten Thora hing, daß von demselben auch die Ehe als eins heilige Anstalt, als ein Institut Gottes in der Weise gehalten wurde, daß dadurch das israelitische Familienleben in jedem Betracht als ein höchst glückliches und ein wahrhaft gottgesegnetes genannt zu werden verdiente! — So sehr auch die Außenwelt den gleich einem Paria verstoßenen und gemiedenen Israeliten rauh und feindlich behandelte, — so oft er auch genügend Ursache hatte, sein Schicksal, sobald er mit Andersglaubenden in Berührung kam, zu beklagen; so fühlte er sich nichtsdestoweniger wieder glücklich, wenn er in den Bereich seiner eignen Häuslichkeit trat, wo seiner eine zärtliche um ihn besorgte Gattin ängstlich harrte, die ihn mit offenen Armen freudig empfing. Hier vergaß er die rauhe und unmenschliche Behandlung, der er außerhalb seines Hauses auSgesetzt war. Hier suchte er Trost und Beruhigung gegen alle Unfälle seines, jeden Augenblick bedrohten und ihm streitig gemachten Lebens, und fand sie auch in der Zuvorkommenheit und Zärtlichkeit seiner frommen und tugendhaften Gattin, die, thätig und emsig schaffend innerhalb der Raume ihrer häuslichen Wirksamkeit, kein anderes Vergnügen kannte, als das Dasein ihres vielfach geplagten Mannes zu erleichtern und zu versüßen. Hier suhlte er sich wieder gehoben, und innerlich gestärkt und gekräftigt gegen die ihn umbrausenden Stürme und gegen die Verachtung und Willkür, die Fanatismus und falscher Glaubenseifer wider ihn heraufbeschworen haben. Ja, hier »n der Sphäre seiner Familie, umgeben von Frau und Kindern, war seine eigentliche Welt, sein Tempel, sein Paradies, um deren Erhaltung er seinen Muth gegen neue Gefahren und Kämpfe stählte. Nicht suchte er außerhalb dieser seine Glückseligkeit begründenden Stätte seine Zerstreuungen und Vergnügungen, seine Erholungen und Lebensfreuden. Nur innerhalb dieser lächelte ihm Frohsinn und Heiterkeit entgegen. Hand in Hand arbeiteten beide, Mann und Frau, an dem großen Werk der Erziehung ihrer Kinder, die sie unter ihrer emsigen Thätigkeit zu gotteösürchtigen und zum Theile zu kosmopolitischen Bürger hsranbildeten. Nicht hielt der Mann seine von Gott ihm bestimmte Gattin als eine Sklavin, die nur Furcht, aber keine wahre Liebe zu ihrem Eheherrn haben konnte. Im Gegentheil, sie galt ihm höher, als Alles, was die Welt ihm bieten konnte, ja höher noch als sein eigenes Loben, das er gern bei sich darbietender Gelegenheit für sie in die Schanzen geschlagen haben würde. Denn an ihrer Seite hatte das Leben für ihn einen höheren Reiz, in ihrem Besitz schätzte er sich glücklich, so stürmisch das Unheil von Außen her gegen ihn auch drohen mochte. Er liebte und schätzte sie daher als die eigentliche Beglückerin seines sonst vereinsamten Lebens, als seine höchste Wohlthäterin, mit einem Worte, als seine treueste Lebensgefährtin, die Freud und Leid mit ihm gleichmäßig zu theilen berufen ist. Dies ist das treueste Bild des jüdischen von Frömmigkeit und Gottesfurcht getragenen Ehelebens. Doch ganz anders fing bald dasselbe sich zu gestalten an, als der beseligende Glaube, die heilige Religion Gottes ihren'Schwerpunkt und ihren magischen Zauber in den schönen Zelten Jakobs zu verlieren begann, — als die Bande der Scheu und der Ehrfurcht vor Gott und Seiner Himmelslehre immer lockerer wurden und auch Israels Söhne und Töchter, sobald Civilisatiou und Aufklärung die beengenden Fesseln des Vorurtheils und des Aberglaubens nach und nach immer mehr gesprengt hatten, hingingen, gleichfalls zu leben nach der Weife des Völkerthums. Auch das eheliche Verhältnis hat dabei an seiner früheren Innigkeit und Intensität große Einbuße erlitten. Zwar ist es jetzt gottlob im Allgemeinen noch immer, und namentlich , wo der alte Geist der Pietät noch vorherrschend ist, ein vorzügliches zu nennen. Doch hat es trotz unserer vorgeschrittenen Bildung und Aufklärung viel von der ihm eingeprägten Keuschheit und Sittenreinheit und daher zugleich einige seiner Hebel und Faktoren des Glückes verloren. Zwar behaupten nach wie vor mit Recht unsere Frauen, dem Manne gegenüber, ihre ebenbürtige Stellung im Hause; zwar werden unsere in Schulen fremder Conffssion hochgebildeten, aber in Glaubenssachen und rituellen Gebräuchen unerfabrenen Frauen mit der größten, nach allen Regeln des Anstandes und der Sittlichkeit gemodelten Artigkeit und Freiheit des Ausdruckes und der Geberde behandelt; — zwar werden sie mit allen nur möglichen, ausgesuchtesten, ihrer Eitelkeit und Eigenliebe schmeichelnden Ausdrücken der Koquetterie angesprochen und mit Eleganz und Luxus förmlich überladen. Aber fragen wir nach dem Grundtone, der in solchen häuslichen Prunkzimmern herrscht, nach dem Geiste, der in diesen Salonräumlichkeiten weht: so werden wir gewahr, daß an der Stelle der alten beglückenden Sitteneinsalt kalter Materialismus und abstumpfende Sinnlichkeit getreten ist, die das Gemüth nur leer und hohl machen, und daß anstatt der früheren auf Gottesfurcht und Tugend beruhenden Genügsamkeit und Zufriedenheil ein nicht selten Gesetz und Recht verletzendes Streben Platz gegriffen hat, das nicht anders als höchst unheilvoll in seinen Consequenzen sich gestalten kann. Und um dann die dadurch entstandene innere Leerheit und Unbefriedigtheit des Herzens und etwaige Gewissensscrupeln

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