Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1869)
- Date
- 1869-01-13
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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X. Jahrgang. Zweite Beilage zu Nr. 2 des Zsrnelit Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, den 8. Jan. Wir waren so glücklich, heute 500 Thlr. (875 fl.) an das Comitö zu Memel für die Nothleidenden in Westrußland abzusenden. Akheine in Westphalen, 29. Dec. Den größten Verlust beim gestrigen Sturme in hies. Gegend hat wohl die jüdische Gemeinde hier erlitten. Ein vor einigen Monaten neu erbauter Giebel der Synagoge stürzte ein, durchschlug den Plafond, zerbrach die meisten Bänke und mehrere Leuchter. Ein fürchterliches Durcheinander bietet das zerstörte Innere dar. Der Schaden beläuft sich auf mindenstens 4—500 Thlr. Der königl. Baumeister, Herr L., soll sich dahin ausgesprochen haben, daß durch mehrere Risse an einer Mauer und das Weichen eines Giebels um 7^2 Zoll bei einer Höhe von 18—15 Fuß, der Besuch derselben lebensgefährlich sei, und wird dieselbe wohl polizeilich geschlossen werden. Dieser Verlust trifft die Gemeinde um so härter, als sie momentan kein Lokal zur Abhaltung ihres Gottesdienstes hat, der Fond zur Erbauung einer neuen Synagoge ihnen fehlt, wohl aber einen solchen Etat zur Bestreitung ihrer Gemeindebedürfnisse hat, daß sie von 1 Thlr. Klassensteuer 3 Thlr. 26 Sgr. 8 Pf. Synagogensteuer zahlen muß. / (SB: M.) Berlin/ 4. Jan. Wiederum ist ein bedeutender Schritt zur Gleichstellung der Juden geschehen und dieser Tage der hiesige Gerichts-Assessor Joel (Israelit) zum Richter bei dem Kreisgerichte in Stralsund ernannt worden. Nach der bisherigen Praxis der Justiz-Minister Simons und Graf zur Lippe wurden die jüdischen Gerichts-Assessoren lediglich zu Rechtsanwälten befördert, weil ihnen diese Stellung schon durch eine Anordnung weiland König Friedrich Wilhelm's IV. unterm 46. Februar 4648, also vor den März-Ereignissen des letzteren Jahres eingeräumt worden war. Den Richter-Collegien, selbst denen bei den Hypothekendeputationen, waren sie bisher fern gehalten worden, während Herr Joel in seiner neuen Stellung zunächst Hypothekenrichter wird. —! Holland. i Amsterdam Nach dem StaatSalmanach des Königreichs der Niederlande vom Jahre 1869 gibt eö daselbst 14 Haupt-Synagogen, 72 Bezirks-Synagogen und 73 Nebensynagogen. Das Land hat ferner 13 Rabbinate im Mutterlande, eines zu Cura^ao (Amerika) und eines auf Surinam. Oesterreichischer Kaiserftaar. Wien. Die unter der vortrefflichen Leitung der Herren H. Berger, A. Bing, I. Fleischmann, I. Freistadtl, I. Friedländer, H. Freund, L. M. Kohn, I. Kreißel und S. Wassertrilling stehende Talmud- Thora-Schule erfreut sich eines immer größern Aufschwunges. Nach dem uns vorliegenden Jahresbericht besuchen dieselbe 233 Schüler, davon 146 unentgeltlich. Die finanzielle Lage derselben ist eine befriedigende zu nennen, die Schule findet bei unseren Wiener Glaubensgenossen reichliche Unterstützung. Die Einnahmen im verflossenen Jahre betrugen 8288 fl., die Ausgaben 7802 fl, so daß noch ein Cassavorrath von 485 fl. übrig blieb. Möge diese Talmud-Thora-Schule sich immer mehr entfalten und durch ihre Wirksamkeit recht viel Gutes in Wien stiften! Pefkh, 31. Dec. In der gestrigen Generalversammlung der Pesther städtischen Repräsentanz ist der Amrag, die Israeliten vom Central-Wahlcomite auszuschließen, angenommen worden. Pesth, im Jan. Eine sehr originelle Geschichte schreibt man dem „P. N." aus Szigetvär: In dieser langte jüngst am Abende ein Reisender an; derselbe stieg im Gasthofe ab und weil er aus dem Auslande kam, wo er lange eine nationalungarische Unterhaltung entbehren mußte, so wollte er stracks eine Zigeunerbande mit Beschlag belegen, die sich in demselben Gafthofe aushielt. Der erste Geiger erklärte unterthänigst, daß sie schon vom Oberrichter gedungen seien, Drangeld bekommen haben und sofort hinaufgehen müssen, da der Herr Oberrichter im zweiten Stock eine Tanzunterhaltung arrangire, zu welcher die gesammte Bürgerschaft der Stadt geladen sei. Allein der Reisende gab nicht nach. Er wolle, sagte er, mehr zahlen, als der Oberrichter; dies machte die Bande nachdenklich, und der erste Geiger wollte zwei Fliegen mit einem Schlag derart tödten, daß er die Bande theilte; die eine Hälfte musicirte nun den Ballgästen, die andere dem Reisenden vor. Der Oberrichter geht in den Ballsaal und ihm fällt das dünnklingende Gefiedel auf. Er zieht den Zigeuner zur Rechenschaft und derselbe gesteht umständlich, daß die Hälfte seiner Bandeeinem Reisenden aufspiele. Der Richter schickt den ersten Geiger mit der Weisung hinab, die Musikanten heraufzubringen, den Reisenden aber zum Balle zu laden. Der Zigeuner geht hinunter, allein der