Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1869)
- Date
- 1869-01-13
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447395-2447398--06819-2462393- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
•rer übrigen Mitbürger, sondern mit ihr er Zu st immun g durch Begütigung und Vermittelung in einzelnen Orten von Fall zu Fall zu unserem Zwecke verhelfen mögen. Ich will mit einer kurzen Bemerkung schließen. Unsere Weisen lehren uns, wenn ein Wort ein j£d gilt, so gilt Schweigen zwei. Gestern hat uns das Referat der Budgetcommission belehrt, wie theuer selbst Bruchtbeile einer Stunde in unserer Versammlung zu stehen kommen, und wenngleich ich nicht weiß, ob mein Wort ein werth, so weiß ich doch sicher, daß nach obiger Rechnung mein Schweigen mehr als zwei werth ist, darum will ich schweigen. Herr Pappenheim Kalman: Einer der geehrten Vorredner bezeichnete den in Frage stehenden Gegenstand als einen solchen, der dem Herzen näher stehe, als dem Kopfe. Ich unterschreibe dies, und mag dies meine Entschuldigung sein, daß ich nach so gediegenen und ausgezeichneten Reden von Fachmännern dennoch das Wort ergreife. Ein geehrter Vorredner dankte dem Antragsteller aus der Ursache, weil er dadurch bewiesen habe, daß der Congreß eine Nothwendigkeit sei. Auch ich bin dem Herrn Antragsteller innigst verbunden, daß er dieses Thema zur Sprache brachte, aber aus dem Grunde, weil uns dadurch Gelegenheit geboten, die so begeisternden Reden für den ttnp mit' anhören zu können, und weil ich das, was ich im Beisein Sr. Excellenz des Herrn, Cnltusministers in der ersten Confercnz-Sitzung am 17. Februar äußerte, nun auch bestätigt sehe. Ich sagte nämlich damals, daß ich an Parteien in der ungarischen Judcnbeit nicht glauben könne, daß ich von einer TLeilung durchaus nichts wissen möchte, es mögen wohl verschiedene Ansichten existiren, die sich aber bei ehrlichem Streben applannen lassen. M. H.! .In einer Versammlung von mehr als 200 freigewählten, jüdischen Deputirten, wo über die Heiligkeit und Wichtigkeit des p"tr von allen Seilen so überzeugend gesprochen wurde und derselbe allenthalben als ein anerkanntes Postulat der jüdischen Religion bingestellt wurde; da kann es von Niemandem bezweifelt werden, daß wir hier in diesem Saale wieder wahre Juden sind, die alle auf dem positiven Boden der jüdischen Religion stehen, und es daher Sünde wäre, von einer Lheilung sprechen zu wollen. Da wir aber nun Commissionen gewählt haben, und zur Ausarbeitung eines Gemeinde- und Schulstatutes schreiten sollen, so erlaubeich mir die Worte eines geehrten Vorredners, die er in seiner Versammlung an seine Wähler richtete, zu citiren: „In Sachen des Glaubens, des Gewissens und der Ueberzeugung darf und kann von Majorisiren keine Rede sein. Hier muß man den Boden der Verhandlung, der Verständigung und der Transaction betreten." M. H.l Versuchen wir es, zu transigiren und vielleicht gelingt es, uns gegenseitig zu überzeugen, daß wir doch alle besser seien, als unser Ruf, und mit Hilfe des Allj gütigen dürften wir solche Vorlagen schaffen, die dem Geiste und den Vorschriften unserer heiligen Religion vollkommen entsprechen, und wie wir es uns und den Wählern, die uns hierher gesandt, verpflichtet sind. Uebergehend zum eigentlichen Gegenstand unserer Tagesordnung; so sind gegen die Ansicht, daß wir direct bei der hohen Regierung einschreiten sollen, wirklich solch wichtige Bedenken erhoben worden, daß wir der guten, heiligen Sache eher schaden als nützen könnten; und bei dem Umstande, daß hier von allen Seiten die Aeußerung geschehen, falls von einzelnen Gemeinden um die Verlegung der Wochenmärkte von auf einen Wochentag eingeschritten werde, es bei den betreffenden Mumcipien aufs Wärmste zu unterstützen; schließe ich mich dem Anträge auf motivirte Tagesordnung an. *) Nachdem allseitig Schluß der Debatte gewünscht und von der Majorität im Allgemeinen die motivirte Tagesordnung angenommen wurde, wurden mit Zustimmung des Congreffes die Herren Rabbinen Steinhardt, vr. Hildesheimer, Dr. Zipser, Josef Weiße und Herr Pappenbeim mit der sofortigen Formulirung dieser motivirten Tagesordnung vom Präsidenten beauftragt und die Sitzung zu diesem Zwecke auf 10 Minuten aufgehoben. Diese Formulirung, welche einstim mig vom Hause angenommen wurde, lautet: Nachdem während der Discussion über den Mittelmanischen Antrag, nicht nur von Seiten der vielen Redner, sondern auch aller Congreßmitglieder das lebhafteste Interesse für diese so wichtige und heilige Sache kund gegeben, und zugleich allseitig die Bereitwilligkeit ausgesprochen wurde, in den bezüglichen Kreisen zur Erreichung des angeftrebten Zieles d'e geeigneten Schritte zu thun und nachdem die Gerechtigkeit und Hochsinnigkeit unserer hohen Negierung , sowie die humanen und liberalen Gesinnung der Munizipien und Ccmmunen im Lar.de zu der gegründeten Hoffnung berechtigen, daß die erwähnten Schritte von Erfolg sein werden, geht der Congreß über diesen Antrag vorläufig zur Tagesordnung über. In dieser Sitzung wurde nur noch die Discussion über die Vorlage der Budgetkommission begonnen, worüber Näheres im nächsten Bericht. *) Der Präsident bemerkt schließlich, daß cs rin feiner Tact des Antragstellers war, diese Frage vor das Haus zu bringen, weil er dadurch die schöne und sehr erhebende Thatsache constatirte, daß da, wo es sich um heilige jüdische Interessen handle, es nur eine einmüthige Partei im Saale gebe und sei dieß ein hoffnungsvolles Präjudiz für die folgenden Arbeiten des Congresses. Verantwortliche Redaction: 0r. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf - Schnellprefsendruck von I. Gottsleben in Mainz.