Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1869)
- Date
- 1869-01-13
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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34 Reisende bleibt standhaft. Nun begibt sich der Richter selbst hinab und richtet hart neben dem sich amüsirenden Reisenden die Frage an den fiedelnden Zigeuner : „Heda Landsmann! Wann habe ich dich gedungen?" „Vor drei Tagen," war die Antwort des Zigeuners. „Nun, Zigeuner, dann geh' hinauf beim Ball geigen!" „Aber ich bitte ergebenst, der Herr Reisende hat mich bezahlt und läßt mich nicht fort." „Sag dem Herrn Reisenden, daß ich dich gedungen habe; wenn er sich unterhalten will, so wird er im zweiten Stock eine sehr ehrbare Gesellschaft finden, und wir werden ihn recht gern sehen." Da stand der Reisende auf und sprach das geflügelte Wort: „Ich pflege mich nicht mit Juden in Einer Gesellschaft zu unterhalten." Zu dem Balle war nämlich die gegesammte Bürgerschaft, ohne Unterschied des Ranges, Standes und Glaubens eingeladen worden. Der Richter aber jagte auf diese Aeußerung hin die Zigeuner ohne Federlesen in den Saal hinauf, während der Reisende allein blieb. Dieser war aber kein Anderer, als -Daniel Jranyi, der Erwählte der Fünfkirchner Demokraten, welcher vor seinem feierlichen Einzüge in Fünskirchen ein wenig in Sziget ausgeruht hatte. Wahr'.ich, dieser Mann macht seiner Partei Ehre! (Frmdbl.) Belgien. Brüssel. Während die Israeliten in andern Ländern, wie in Preußen, dahin streben, die Beaufsichtigung ihrer confessionellen Schulen von Seiten Geistlicher anderer Confesnonen zu beseitigen, wie dies durch den bekannten Streit der isr. Gemeinde zu Rakel in politischen und jüdischen Zeitungen schon vielfach besprochen worden, sucht man in Belgien gerade das Gegentheil zu thun. Oberrabbiner Astruc von Brüssel hat jüngst einen Bericht über den allgemeinen und religiösen Unterricht der isr. Jugend Belgiens veröffentlicht. Nachdem derselbe über die allgemeine Lage der jüdischen Gemeinden, deren es in Belgien nur fünf gibt, (Brüssel, Antwerpen, Arlon, Gent u. Liöge) gesprochen und sich ausführlich über den religiösen Unterricht der isr. Jugend ausgelassen, resümirt er seinen Bericht folgendermaßen: Sehr große und sehr lobenswerthe Anstrengungen werden von unser« belgischen Glaubensgenossen in den Provinzen gemacht, um den profanen und religiösen Unterricht ihrer Kinder zu befestigen. Um zu diesem nöthigen Ziele zu gelangen, stehen sie nicht an, nicht nur, sich selbst außerordentliche Opfer und ihren Kindern eine größere Arbeit aufzuerlegen, sondern auch zu Direktoren ihrer konfessionellen Schulen Katholiken einzusetzen, indem sie dadurch das einzige Beispiel in Belgien und vielleicht auch anderswo von ihrer großen Toleranz und von ihrem Wunsche, sich recht mit dem Mutterlande einzuverleiben, geben. Mit Recht bemerkt die Redaction des „Un. Isr." hierzu, daß das nicht große To ler anz, sondern große und unkluge schwäche zu nennen ist. Die Israeliten können „sich recht mit dem Mutterlande einverleiben," ohne an die Spitze ihrer Schulen Männer eines fremden CultuS zu stellen, welche mit vollem Gewissen einen gefährlichen Einfluß auf die religiöse Erziehung isr. Kinder ausüben können. Frankreich. Paris. Der berühmte Calligraph Arnold Berliner, dessen Arbeiten schon seit Jahren bekannt und die von den Jury's der letzten Expositionen allgemein belobt wurden, wurde dazu ausersehen, diese seine Kunst dem Sohne des Vice-Königs von Egypten, Hussein-Pascha, zu lehren, welcher, wie bekannt, nach Frankreich geschickt worden, um daselbst seine Erziehung zu vollenden. (Univ. Isr.) ANZEIGEN. in Rabbiner, von anerkanntesten und orthod. Rabbinen autorisirt, im Besitze von Attesten der Universität, über orator. Talent und erfolgreiche Amtsthätigkeit, sucht eine Anstellung in einer größeren jüd. Gemeinde. Ansprüche auf Gehalt bescheiden, da derselbe noch unverheirathet ist. Franco-Offerten sub Chiffre A. 32 beliebe man an die Exped. d. Bl. zu richten. ie israelitische Gemeinde in Hegenheim (Laut- Rhin), Frankreich, 3/4 Stunden-von Basel, wünscht einen deutschen, israel. Lehrer (unverheirathet), der deutschen Elementar-, Religions- und hebräischen Unterricht zu ertheilen hat, um sogleich oder auf 1. April nächstkünftig einzutreten. Fixer jährlicher Gehalt 1200 Franken. Candidaten, mit guten pädagogischen Zeugnissen versehen, wollen sich melden an David Levy in Hegenheim bei Basel.