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Der Israelit · 1869-01-13 · Heft 2 (13.1.1869) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 2 (13.1.1869)
Date
1869-01-13
Page
– (sequence 15)
Language
German
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31 Beschwerde. Die Angelegenheit ist eine materielle, für die Behörden eine rein administrative, vom nationalcconomischen Standpnnkre zu iörsnvs Frags. Man bringt vor: wir ^nden feiern oen Sabbat und stns verhindert den Wochenmarkt zu halten, also von den Wohltaten des Verkehrslebens ausgeschlossen, resp. gebindert im Betrieb unserer (Geschäfte und Gewerbe als Kaufleute und Industrielle, da wir doch gleich -besteuert sind mit unsren Mitbürgern andrer Confession und also zu gleichem Anspruch auf Berücksichtigung unserer GrwerbSinterressen berechtiget sind. Gelingt es noch hierzu nackzuweisen, daß durch die Abhaltung der Wochenmarkte an Sabbaten, der Handel im Allgemeinen leidet und namentlich die Landbevölkerung in ihren materiellen Interessen geschädigt wird, indem sie beim Verkauf ihrer Produkte wenige Käufer finden, und beim Einkauf für ihren Bedarf an Manufacturen auf die wenigen Geschäfte chriftl. Kaufleute beschränkt sino, so wird es in den meisten Fällen nicht allzuschwer werden, das angestrebte Ziel zu erreichen. Auf ähnliche Weise und durch Anwendung sonstiger hier nicht zu nennender Mittel ist es auch in den meisten Fällen gelungen, die Verlegung der Wochenrnärkte durckznleheu. Ganz anders gestaltet sich die Angelegenheit bei einer eorporativeu Behandlung, wie sie hier beabsichtigt wird. Da erscheint die Frage in einem ganz andern Prosit. Der Congreß kann nicht die Beschwerde so formuliren: „Die Juden feiern den Sabbat, sind also durch die Gepflogenheit, die Wochenmärkte am Sabbat abzuhalten, in ihrem Erwerbe gehindert und in ihrem materiellen Interessen geschädigt; wir wünschen also eine Abhilfe gegen diesen Uebelstand." Der Congreß kann dies nicht sagen, denn er ist nicht berufen, die Handels- und Gewerbsinteressen der Juden zu vertreten. Der Congreß könnte die Angelegenheit nur von der religiösen Seite aufsassen. Nicht die volkswirthschastlicken, sondern das religiöse Interesse der Juden müßte in den Vordergrund gestellt werden. Die Beschwerde müßte also sormulirt werden: „Die Juden besuchen am Sabbat die Wochenmärkte und vernachlässigen oder vielmehr verletzen die Sabbatfeier; wir wünschen daher Abhilfe." Nun, ich glaube, der Congreß wird Anstand nehmen, dies auszusprechen. Doch abgesehen hievon, gewinnt die Angelegenheit, sobald der Congreß sie in die Hand nimmt, den Character und die Bedeutung einer interconfessionellen Frage. Hier sind wir bei dem Gesichtspunkte angelangt, von dem ich im Eingang meiner Rede gesprochen, und der nicht nur bezüglich dieser speciellen Angelegenheit, sondern im Hinblick auf die nächste Zukunft von allgemeiner, weittragender Bedeutung ist und die ernstlichste Erwägung verdient. Ick will mich auf die Frage nickt einlassen, ob die Gleichstellung der jüdischen Confesston mit den übrigen Culten im Lande noch eines besonderen legislativen Actes bedarf, oder wie Manche glauben, b'los ein Corollarium des 17. Gesetzartikels v. I. 1867 ist und de jure bereits besteht. Jedenfalls werden in dieser Beziehung noch sehr viele Einzelfragen gelöst werden müssen; ja, ich glaube i mit Recht behaupten zu dürfen, daß wir in intercon- I fesfioneller Beziehung einen ziemlich langwierigen sdampf - ausznfechten haben werven. Nun wissen Sie. meine j Herren, bafj bei jeoem Kampfe sehr viel, ja, das Meiste! von der Aufstellung abhängt, die man bei der Eröffnung des Kampfes eingenommen. Mit der Annahme j des uns vorliegenden Artrages würden wir den ersten! Schritt aus dem Gebiete des interconfesnonalen Strei-! tes tbun. Hat man da einmal Pofto gefaßt, hat man j eine ungeschickte Aufstellung genommen und dem Gegi ner eine leicht angreifbare Seite geboten, dann läßt! sich der Fehler und die einmal erlittene Niederlage oft! durch alle Tapferkeit uns die gewandteste Taktik nicht i mehr revariren. Hüten wir uns. meine Herren, in j dieser Beziehung znm ersten Mal mir einer Prätension > annutreten, die nicht io vollberechtigt ist, daß wir des! Sieges ganz sicher sein könnten. Cs könnte dieß für i die Folge von großem Nachtbeile für unsere confessioj nellen Interessen sein. Provoeiren wir nicht einen Wij derspruch, dem wir in diesem Falle wenigstens nicht! Stand zu halten vermöchten. Um Sie nach so tan-! ger Discustion nickt noch länger zu belästigen, will i ich diesen Gegenstand nickt weiter ansführen, und! schließe mit der Aeußerung. daß ich gegen den Att-! trag stimme. Rabbiner Weiße: Wir haben hier schon viele herzerhebende, dem Innern des frommen Herzen entflossene Worte über den vorliegenden Antrag gehört und auch diejenigen, welche der Sache nüchterner inS Auge schauen zu müssen glauben, haben in gleicher Weise für die Dringlichkeit und hohe Wichtigkeit der Sache gesprochen. Rur glauben sie. daß es opportuner sei, nicht dafür zu interveniren. Aber, meine theuern Freunde, wenn unsere Brüder zu uns aufschreien, sie von dieser verführerischen Sünde zu befreien, wie könnten wir schweigen, wie könnten wir die tagtägliche Abschwörung der Sabbatruhe, die unsere Weisen dem ganzen übrigen Religionsgesetze gleichstellen, ruhig mit ansehen? Unsere Weisen lehren uns, daß durch die Entweihung des Sabbats die wilden Thiere sich mehren, die gezähmten abnehmen, die Menschen weniger und die Wege verödet werden. Dies will nach meiner Meinung sagen, daß der Sabbat die Bestimmung hat. das Thier im Menschen zu zahmen, und wenn der Sabbat entweiht wird die wilden Thiere zu, die gezähmten aber abnehmen, die Menschen in des Wortes edler Bedeutung immer weniger und die Wege, die wir hinieden gehen sollen, öde und freudenleer werden, weil ihnen alle Familienalle Seelenruhe, aller Adel, alle Poesie, aller Schmelz, alles Glück und alles Leben fehlt. Nun aber, fragt man, wohin uns wenden? Da wäre nun mein Rath, uns mit jenem großen Rathgeber zu beratben, dec schon seit fünfundzwanzig Jahren unser Freund und Helfer, und nickt nur das Alter Ego sondern das wirkliche Ego Sr. Ercellenz des Hr. Cultusminiflers ist, daß er in Verbindung mit Ihren Excellenzen der Minister des Innern und' des Handels treten möge, daß sie uns in dieser großen Sache mit Weisheit und Liebe nicht gegen den Willen unse-

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