Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1869-01-13 · Heft 2 (13.1.1869) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 2 (13.1.1869)
Date
1869-01-13
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447395-2447398--06817-2462391
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

30 von allen Bollwerken zn befreien. Freie Kirche im freien Staate fei das Losungswort. Wenn auck heute Ausnahmen von diesem Principe stattfindkn, und der Staat entgegensetzende Institutionen stützt^ so werde er doch keine neue schaffen. Der Sonntag existire nun einmal als Rnbetag- Samstag wäre ein zweiter, dies wäre gegen oie Zeitrickttung. *) Religiöse Institute müssen Kraft genug haben sich selbst zu erhalten, nur Säulen und Hebung des religiösen Bewußtseins könnten helfen. Die vom Di-. Hildesheimer und I r. Kohut erwähnten Unternehmungen beruhen auf dem Principe der Selbsthilfe, was ganz in Ordnung wäre. Er stimme daher für die Tagesordnung, aber nicht ohne Ausdruck der wärmsten Sympathien und der Hoffnung, daß die Municipien im Sinne dieses Antrages wirken werden. Sollte aber die Petition beschlossen werden, so wünscht er ihr den besten Erfolg. Leo Holländer gegen: Es werde bei dieser ganzen Discussion das Herz über den Kops gesetzt; er vermisse die Nüchternheiten derselben und will nur kur; zur Tagesordnung übergehen. Basch bedauert die mit der Discussion vergeudete Zeit. Heinrich Deutsch für. Was das Argument der religiösen Frage betrifft, so müsse er bemerken, daß es wohl religiös aber keine Fra ge fei, nur wisse man nicht, wohin sich zu wenden, daher sollen wir uns, an uns selbst wenden. Zeder möge in seinem Kreise die Sache befördern und hierzu die nöthigen Opfer bringen. Rabbiner Steinhart spricht folgendermaßen : Bevor ich zur Sache spreche, muß ich Sie um Entschuldigung bitten, daß ich mir erlaube, das Wort zu ergreifen in einer Angelegenheit, die bereits seit zwei Tagen dm Gegenstand der Discussion bildet und vielseitig und von vielen Seiten besprochen, von Einer Seite mit dem ganzen Ungestüm glühenden Eifers für eine heilige Sache, von anderer Sette mit der ganzen gemessenen Ruhe wissenschaftlicher Behandlung, wieder von anderer mit aller Gewandtheit und Umsicht practischer Erörterung, von allen Seiten aber mit dem Ernst und der Würde besprochen wurde, die allerdings von dem Gegenstände unzertrennlich sind. Wenn ich mir nach diesem Allem die Znmnthung an Sie erlaube, auch meinem Worte geneigte Aufmerksamkeit zu schenken, so geschieht es aus zweifachem Grunde. Einmal, weil ich es für nothwendig halte, den Gegenstand unserer Tagesordnung von einem Gesichtspunkte aus zu beleuchten, den mancher meiner geehrten Vorredner zwar berührt aber nicht eingehend erörtert hat. Dann ist es mir, ich gestehe es, ein Herzensbedürfniß, über den Gegenstand unserer Berathung ein Wort zu sprechen, bevor er von der Tagesordnung verschwindet. Zeder von Zhnen, meine sehr geehrten Herren, war wohl schon einmal im Leben oder öfter in der peinlichen Lage, Zeder von Zhnen hat wohl schon den ") SirGeben Sie Gewissensfreiheit! Schmerz empfunden, einen geliebten Freund, einen theuren Anverwandten, der sich an Sie gewendet, um Zhnen seine Leiden zu klagen und Hilfe von Zhnen zu verlangen, ohne Hilfe und ebne Trost entlassen zu müssen. Es war schrien in solchen Momenten nicht möglich, die abschlägige Antwort zu geben, ohne zugleich das Wort tiefen Bedauerns auszusprechen, das sich Zhnen ans tiefbewegter Brust gleichsam mit unwiderstehlicher Gewalt aus die Lippen gedrängt hat. Zn ähnlicher Lage besinde ich mich gegenüber dem Gegenstände unserer Tagesordnung; es ist mir nicht möglich, mein Votum gegen den vorliegenden Antrag durch ein einsylbiges „Rein" oder durch stummes Sitzenbleiben abzugebcn. Zch gehe nun auf den Gegenstand selbst ein. Es liegt mir fern, mich hier über die Wichtigkeit der Sabbatfeier auszulassen. Ich ' glaube, wenn unsere Rabbinen nicht vor Jahrhunderten schon gelehrt hätten, daß der Sabbat allein den ganzen übrigen Ideengehalt des Zudenthums aufwiegt,! die traurigen Erfahrungen unserer Zeit hätten uns; darüber belehren müssen. Nicht nur wir Rabbiner,! wie ein geehrter Herr Vorredner erwähnte, Jeder von i uns, der sich als Glied des Zudenthums fühlt, muß * sich wie an einer wunden Stelle berührt fühlen und i vor Schmerz erzittern, so oft von der leider in so i vielen Kreisen beinahe zur Gewohnheit gewordenen; Entweihung des Sabbats die Rede ist. Es ist dies i eine Wunde am Leibe des Zudenthums, die an seinem j innersten Lebens marke zehrt. Ich weiß es, m. s. g. j HH., wer an einem so schweren Gebrechen leidet, der! wird, wenn er auch die Hoffnung auf gründliche Hei- I lung aufgeben muß, dock die Hand segnen, die ihm! mindestens innige Linderung bringt; und ich gestehe, i wenn der Congreß ohne auch nur eine einzige der ihm! gestellten Aufgaben gelöst zu haben auseinandergehen j müßte, dafür aber uns den Sabbat wiedergewonnen j hätte, wenn ich mit dem Bewußtsein in meine heimathj lichen Kreise zurückkehren könnte, daß eS uns gelungen l ist, mindestens den Rest von dem kostbarem Gute aus > der Schatzkammer Gottes, wie die Rabbinen den Sabz bat nennen, das wir unter unfern Händen täglich! mehr und mehr schwinden sehen, zu retten — ich würde! die Stunde segnen, in der ich diesen Saal zum erstenmal betreten habe. Ich kann aber diese Hoffnung nicht fassen, und am allerwenigsten von dem uns vorliegenden Antrag. Betrachten wir denselben von der practischen Seite. Es haben hier mehrere gesch. Vorredner erwähnt, daß sie in ihren Gegenden sich bemüht haben, die Verlegung des Wochenmarktes von Sabbat auf einen Wochentag zu bewirken, und daß ihre Bemühungen von Erfolg gekrönt waren. Auch ich war bereits in dieser Richtung thätig, und ick kann den Herren, die so glücklich sind, sich in dieser Beziehung eines günstigen Erfolges zu rühmen, nur zurufen ’ppn «n\ Was in solcher Richtung versuck't und erzielt wurde, ist aber für uns hier nicht maßgeblich. Wenn in einer Gegend der Wochenmarkt am Sabbat abgehalten wird, wendet man sich an die dortige Communal- und Municipalbehörden, mit einer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.