Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1869)
- Date
- 1869-01-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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23 Amerika. Merv - Nork Die Gouverneure der Staaten Pennsylvanien und Vermont haben vor dem diesjährigen Danksagungstag (eine Art Buß- und Bettag) Proclamationen an die Einwohner ergehen lassen und die Christen aufgefordert, diesen Tag feierlichst durch Abhaltung von Gottesdienst zu halten. Die Herren Gouverneure haben aber dabei nur vergessen, daß auch Bekenner einer anderern Religion außer der christlichen in ihren Staaten wohnen, die diesen Tag ebenso durch Gottesdienst feiern. Die Juden in diesen Staaten, besonders die von Püiladelphia und die ganze amerikanische jüdische Presse haben gegen diese Proclamationen, in welchen die Juden ganz und gar ignorirt worden, Protest erhoben. A u st r a l i e n. Sydney. In dem neugebildeten Ministerium für Neusüdwales sind 2 Juden und zwar die Herren Samuels und Salomons. Auch ein getaufter Jude, Namens Iosephson, ist in demselben Ministerium. Melbourne. Viele'Iuden, die schon seit Zähren dahier ansässig und früher an Sabbat- und Feiertagen ihre Geschäfte offen gebalten, feiern nunmehr diese Tage aufs Strengste. Man erwartet, daß das gegebene Beispiel derselben die besten Folgen haben wird. Feuilleton. Arrwögttch Drittes Capitel. Ein Abschiedsfeft. Wer am Abend des 18. October 1851 am Gast- W zur Traube in N. vorüberging, der konnte lustiges Gläserklirren und fröhliche Toaste vernehmen. Eduard Lindenstein gab seinen Freunden ein Abschiedsfest. Binnen wenigen Tagen sollte seine Hochzeit stattfinden; vorher wollte er noch einmal die Freuden des Junggesellenstandes so recht auskoften. Es war ein lucullisckes Mahl; was es nur irgend Kostbares gab, wurde aufgetragen; die Austern wurden in moussirendem Rheinwein gebadet. ,,J>' Dich noch einmal satt an diesen köstlichen Schnecken, Eduard," rief ihm sein Freund Ferdinand Eichbaum zu. „Diese wunderbaren Schalthiere wirst Du künftig entbehren müssen!" „Weßhalb?" fragte Franz Winkler. „Eduard's Zukünftige," erklärte Ferdinand, „ist i eine „Fromme", die ihm keine Austern auf den Tisch! bringen wird; denn Austern find dem frommen Juj den ein verbotener Leckerbisien." > „Aber," nahm Heinrich Schultenius das Wort, j „im Gastbof wird doch Eduard Austern essen können, j wenn er Appetit dazu hat!" „Das ist noch die Frage," sagte Ferdinand. „Ich glaube nicht, daß Frau Louise dulden wird, daß Eduard künftig im Gasthof etwas Anderes genieße als etwa ein Butterbrod mit Sardellen!" „Hörst Du's. Eduard," fragte Franz, „ist das möglich, wirst Du Dich so perpantosseln lassen?" „„Ich weiß es noch nicht, lieber Freund,"" entgegnen Eduard, „„aber das weiß ich, daß ich meiner Zukünftigen bereits ein Gelübde habe ablegen müssen!"" „WaS, ein Gelübde?" fragte der schalkhafte Carl j Bütthart, „sollst Du etwa Mönch werden? dann darfst Du ja gar nicht heirathen!"! Alles lachte; dann aber drang man in Eduard, das Gelübde zu nennen, das er habe ablegen müssen. „„Es war,"" erzählte dieser, „„am Sonnabend nach meiner Verlobung. Ich war bei meinen 'Schwiegereltern zu Tische. Man hatte ein köstliches Diner servirt; aber die Speisen waren nicht frisch bereitet, denn die frommen Juden lassen am Sabbat nicht kochen. Die den Tag vorher bereiteten und mittels besonderer Maschinen, sogenannter Setzöfen, warmgehaltenen Speisen schmecken nun zwar ganz köstlich, sind aber für den, der nicht daran gewöhnt ist, ein wenig schwer zu verdauen. Ich saß neben meiner Braut und war seelenvergnügt. Allein nach Tische stellte sich das gewohnte Bedürsniß des Rauchens in i dem Grade stärker ein als die genossenen Speisen den Magen beschwerten. Unwillkürlich griff ich in die Seitentasche nach meinem Cigarrenetui, als ich mich noch zur rechten Zeit besann, daß das Rauchen an diesem Orte zu dieser Zeit verpönt sei. Ich suchte deßhalb nach einem Vorwände, mich zu entfernen, den ich auch fand; aber nur auf eine halbe Stunde erhielt ick Urlaub, da man einen größeren Spaziergang projectirt hatte. Ich eilte in meinen Gasthof, wo mir dann bald meine gute Havannah köstlich mundete. Träumend sitze ich aus dem Sopha, zuschauend, wie die blauen Ringelwölkchen sich zum offenen Fenster hinauswälzen, da öffnet sich die Tbüre und hereintritt — Louise mit ihrem Bruder. Die Gute hatte mich abholen wollen. Aber wie erstarrt bleibt sie in der Thüre stehen; ich eile auf sie zu; sie aber wendet sich mit Entsetzen ab und sticht, flieht eilig; ich will ihr nach, allein ihr Bruder bält mich zurück. „Sagen Sie mir, lieber Schwager!" frage ich ihn, „was bedeutet das?" Statt aller Antwort deutet er auf die Cigarre, die ich noch in der Hand halte. Ja, nun wird mir Alles klar! Ich eile in das Haus meines | Schwiegervaters — allein Louise will nichts mehr von.