Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1869)
- Date
- 1869-01-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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22 has Central-Comitö der „All. Isr.", das in der Erstrebuna edler Zwecke im Iudenthum so rastlos thätig ist, dies bedenken und in seiner Lehranstalt zu Paris den Grundsatz unserer D'vin zur Wahrheit bringen, jnx -pi Dy mm "no^n ns\ Der Todesfall des Baron James v. Rothschild veranlaßt mich, Ihnen Einiges über die hiesigen Begräbnißplätze zu schreiben. Paris hat drei Friedhöfe. Tie Juden haben keinen besondern Begräbnißplatz: in der Mitte zweier der allgemeinen Friedhöfe haben sie besondere Plätze, wo sie ihre Tode begraben; auch haben diese besondere Eingänge. Wenn auch unter den Lebendigen kein Unterschied zwischen Christen und Juden zu bemerken ist, so ist gleichsam ein solcher bei den Toden, denn die Eingänge zu den christlichen Kirchhöfen sind groß und bequem, während bei denjenigen der Juden "das Gegentheil der Fall ist. Der Leiche des Baron James von Rothschild folgten viele Tausende von Menschen, und da daS Thor zum jüd. Begräbnißplatze zu klein ist, mußte man durch daS des christlichen Kirchhofes gehen und so einen großen Umweg mitten durch die christlichen Gräber machen, um zu den jüdischen Gräbern zu gelangen. Sollte man glauben, daß in einer so großen jüdischen Gemeinde wie Paris, in der so viele Reiche wohnen, diesem Uebelstande nicht abgeholfen wird? In London, der größten Stadt Europas, bat fast jede Synagoge ihren besondern Begräbnißplatz, und was haben wir? Tie hiesigen Armen, die wie überall, im Leben nicht gerade auf Rosen gebettet sind, finden dahier auch im Grabe keine Ruhe. Es herrscht bei den hiesigen Juden der jedenfalls nickt zu belobende Gebrauch, daß die Tobten nach fünf oder secks Jahren aus ihren Gräbern genommen und in ein gemeinschaftliches Grab gelegt werden, woselbst dann die Gebeine von Eltern und Kindern, Männern und Frauen, Alten und Jungen beisammen sind. Dieser Gebrauch ist auch bei den Christen aus Mangel an Raum. Aber es ist gestattet, sich einen eigenthümlichen Platz auf dem Friedhöfe zu erwerben, wo dann die Gräber unberührt bleiben. Es existirt dabier eine Gesellschaft, die ihren Mitgliedern solche bleibende Gräber verschafft — aber der Arme kann in dieselbe nicht treten, da er die enormen Beiträge zu derselben nicht zu erschwingen vermag. Ein Leichtes wäre es für die hiesige jüdische Gemeinde einen Begräbnißplatz anzulegen, auf dem auch die Armen bleibende Gräber finden würden. Man baut gegenwärtig zwei neue Synagogen, deren Kosten sich auf 3 Millionen Frs. belaufen sollen. Für wen, frage ich, werden sie gebaut? Für die Reichen? O, die meisten derselben haben ja keine Zeit zu beten, und die mittlere und ärmere Klasse würde mehr Dank dafür wissen, wenn man einen neuen Begräbnißplatz erworben hätte. Zum Schluß meines Berichtes kann ich mir es nicht! versagen, Ihnen ein eclatantes Beispiel dieser traurigen ' Zustände mitzutheilen: Ein reicher Mann hat vor j seinem Tode angeordnel, daß man ihn bei den Gräbern der Armen begrabe. Ob er es aus Bescheidenheit! oder aus dem Grunde gethan, weil er vielleicht dachte,! daß man seintthalten die Gräber der Armen fernerbin verschonen werde, ist mir nicht genau bekannt. Seine Söhne aber wollten ihrem Pater einen prachtvollen Grabstein setzen und kamen deßhalb bei der Regierung um die Erlaubnis ein, mehrere Gräber von Armen herausuehmen zu dürfen, um einen Weg zu dem Grabe ibres Paters bahnen lassen zu können. Tie Regierung gestattete, es und das Project wurde ganz wie oben erzählt, ausgeführt. bin ami de la verite. Paris Herr Bloque, Alterspräsident der Administration des Consistorialtempels zu Paris, hat der Ecmmunalschule zu Reichshofsen (Elsaß) ein hübsches Geschenk in einer Sammlung von Büchern, bestehend aus 400 Bänden, gemacht. (Univ. Isr.) Paris. Der „Univ. Isr." schreibt: Wir vernehmen, daß Pater Hyacimhe in einer seiner letzten Predigten in Notre-Dame fick in großem Lob über i die Israeliten und das Iudenthnm ausgesprochen. In seiner dritten Predigt hat er mit Beredsamkeit und Kühnheit seine Ansichten ausgesprochen über die jüdische Religion, welche ewig dauern wird, da sie der auflösenden Tbätigkeit der Jahrhunderte der Abgötterei, des Heidenthumö und IrrthumS widerstanden. „Vergessen Sie nicht, meine Herren," ries derselbe aus, „daß das jüdische Volk ist und sein wird das Volk Gottes.... Polk Gottes! Du hast der Welt die Ideen der brüderlicken Eintracht, der Gleichheit und Wohlthätiakeit gebracht, und weil Deine Religion in Deinem Gott und Dein Vaterland in Deinem Gotte ist, wurdest Du verfolgt, zerstreut und vergeblich bekämpft, wie der einzige Gott, welcher stets Dein König gewesen ist." Kein Rabbiner hätte der jüdischen Religion eine schönere Lobrede halten können. Paris. Die kaiserliche Commission hat Herrn Itamar Cohen eine goldne Medaille verliehen als Anerkennung seiner geleisteten Diensten bet der allgemeinen Exposition im Jahre 4867. — Herr Moritz Mayer st., Juwelier, wurde vom Kaiser Napoleon zum Offizier des kaiserlichen Ordens ernannt. — Nach Beschluß des Unterrichtsministers ist Herr Breal zum Secretär des Colleg de France für das Jahr 3869 ernannt. (Un. isr.) Pari.'. Die man d"w dahier hat jüngst ihr neues rvo eingeweiht. (Un. isr.) (Wir haben bereits einen ausführlichen Bericht über diese Feier erhalten, den wir nächstens bringen werden. Red.)