Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1869)
- Date
- 1869-01-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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24 mir wissen; ich dringe mit Gewalt zu ihr, werfe mich ihr zu Füßen, bitte um Verzeihung und schwöre, nie wieder am Sonnabend zu rauchen! So habe ich denn nach Ablegung dieses Gelübdes wieder Gnade gefunden."" „Armer Eduard," sagte Franz, „ein solches Opfer, einen ganzen Tag nicht zu rauchen!" „Warum aber," fragte Ferdinand," hast Du Dir ein so bigottes Mädchen ausgesucht?" „„Das will ich Dir erklären: Louise ist reich, schön, jung, gebildet, liebenswürdig — darf ich da nicht ein wenig Bigotterie mit in Kauf nehmen? Zweitens hätte ich meinem Vater mit keiner irreligiösen Schwiegertochter kommen dürfen. Drittens habe ich es gern, wenn Frauen religiös sind — es liegt so etwas Kindlich-Unselbstständiges darin; übrigens werde ich sie mir schon nach meinem Willen erziehen; Ihr wißt, ich habe das Zeug dazu. Ich habe so gerechnet: nimmt sie mich doch, trotzdem sie mich hat am Samstag rauchen sehen, so wird sie sich noch an andere Dinge gewöhnen."" „Und denkst Du Deinen Schwur zu halten?" „„Ein Mann, ein Wort!"" „Aber an diesen langen Winter-Freitag-Abenden nicht zu rauchen — wie entsetzlich!" „„Halt Freund, für den Sonnabend, aber nicht für den Freitag-Abend habe ich geschworen!"" „Das ist süperb! allein, was wirst Du im Sommer an den langen Sommertagen beginnen?" „„Nun, bis dahin ist's noch lange Zeit. Im schlimmsten Falle lasse ich mich von dem hiesigen Rabbiner dispenstren!"" Die anwesenden Juden lachten herzlich. Franz Winkler dagegen, welcher katholisch war, fragte verwundert : „„Was lacht Ihr denn? ich finde das ganz in Ordnung."" „Höre Franz," belehrte ihn Ferdinand, „bei uns Juden geht das nicht; unsere Rabbinen haben nicht die Kraft zu binden und zu lösen." „„Aber der Unsrige doch!"" entgegnete Eduard. „„Ja, der Rabbiner im benachbarten B., der mit aller Gewalt meine Heirath mit Louisen Hintertreiben wollte, der würde mich meines Cchwureö niemals entbinden; aber der Unsrige, der weiß für Alles Rath. Ihr erinnert Euch wohl, als der junge Mayer die Wittwe Bärwald heirathen wollte, da verweigerte vr. I. die Zustimmung, weil ein drei Monate altes Kind da war; allein die goldenen Argumente, welche die reiche Wittwe anführte, schlugen alle Bedenklichkeiten nieder. „Ja, solch ein Reformrabbiner," pflegt mein Vater zu sagen, „dem ist ums Geld die ganze Thora feil." Ihr sollt sehen, für ein paar Goldfüchse löst mir vr. I. den Schwur. Doch nun genug davon; laßt uns trinken, Freunde! Ein Hock meinem frommen Bräutchen!" „Ein Hoch Ihrer Bekehrung zu den herrschenden Ideen der Zeit!" rief Ferdinand. „Im Gegentheil," ließ sich Franz vernehmen, „ein Hoch auf Louisen's Pantoffelreqiment und Eduards Büßfertigkeit!" „Wetten wir," sagte Heinrick Schultenius, „wetten wir: ich wette aus Louisens Bekehrung zu Eduards Ansichten 12 Flaschen Tockaier. „Ich nehme die Wette an," entgegnete Carl Bütthard; „ich behaupte, Eduard wird ein Betbruder -- er hat Anlage dazu!" „„Ich?"" schrie Eduard, „„nimmermehr; eher wirft Du, Carl Bütthard, Sohn des lutherischen Pastor Primarius an der Marktkirche zu N., Pabst oder gar türkischer Sultan, ehe Eduard Lindeustein ein strengreligiöser Jude wird. Verlier'Dein Geld nicht, Carl!"" Immer heftiger disputirten die Freude und weil dabei des Champagners und der monssirenden Rheinweine nicht geschont wurde, so disputirten sie bald gar nicht mehr; einer nach dem andern lallte nur noch mit schwerer Zunge. Nach Hause kam Keiner von ihnen an diesem Abend; die ganze Gesellschaft mußte nothgedrungen in der Traube übernachten. An demselben Abend gab zu H. auch Louise ihren Freundinnen ein Abschiedsfest. Triumphirend erzählte die glückliche Braut, daß Eduard ihr versprochen habe, am Sabbat nicht mehr zu rauchen. Schmunzelnd hörte der alte Ahrens dieser Erzählung zu. Dann kniff er seiner Tochter in die Wange und sagte: „Du wirst ihn schon bernmbringen, mein Kind, j Du hast das Zeug dazu! Ware ich dem Fanatiker, dem Rabbiner zu B-, gefolgt, so hättest Du solcke Ers folge nicht erringen können!" — Ach;, ein Hochzeitsfest, ein Fest der Freude und i des Friedens soll gefeiert werden, und Braut und \ Bräutigam rüsten sich zum Kampfe. Es gibt so viele modern erzogene Mädchen, warum hat sich Eduard nicht ein solches gewählt? Es gibt G. s. D. noch viele, viele strengreligiöse Männer — warum hat sich nicht unter ihnen Herr Ahrens einen Schwiegersohn ausgesucht? Aber Herr Ahrens will vor Allem tolerant sein; er haßt nichts mehr als das, was er Fanatismus nennt, und das Geschäft steht ihm höher als Alles, selbst als die Religion, und das Geld gilt ihm mehr als das Wohl seines Kindes oder er glaubt vielmehr, dieses Wohl nur durch den Besitz begründet. Arme Louise, welch' einer Zukunft wirst Du entgegengehen? (Fortsetzung folgt.) j Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf - Schnellprefsendruck von I. Gottsleben in Mainz.