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Der Israelit · 1869-01-13 · Heft 2 (13.1.1869) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 2 (13.1.1869)
Date
1869-01-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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LI der Lehrer der untern Mittelclasse bei reichlicher Befähigung ein« ganz tüchtige pädagogische Kraft ist, und in seiner Classe etwas Ordentliches leistet, ist der Unterricht eines anderen Lehrers, welcher der oberen Mittelclasse vorsteht, für die Schüler von zweifelhaftem Nutzen, da derselbe mebr bemüht ist, seine neologen Ansichten und archäologischen Spielereien einzuprägen, als das Verständnis der Mischna zu erleichtern. Waö endlich den Unterricht an der Oberclasfe für Rabbinatscandidaten betrifft, so stebt dieser Classe eine talmudische Autorität vor, für deren Dissertationen die Hörer aber zu wenig vorbereitet und talmudisch geschult sind, um von denselben geistigen Nutzen zu ziehen. In Berücksichtigung dieser Uebelstände hat die Repräsentanz eine Commission berufen, welche einen Reorganisationsplan zu entwerfen und dem Plenum zur Berathung vorzulegen hat. Zum Schluffe will ich noch des allgemein verbreiteten Gerüchtes erwähnen, daß die beiden Repräsentanz- und Landesausschuß-Mitglieder, Dr. L. TodeSko und Dr. Fried. Wiener, in allernächster Zeit eine Ordensverleihung erhalten werden; es hat in letzterer Zeit an Ordensverleihungen an Israeliten keinen Mangel gegeben; bei dem jetzigen liberalen Regime in Oesterreich hat jeder konfessioneller Unterschied von Staatswegen gänzlich ausgehört; so sind bei den Gerichten schon sehr viele jüdische Juristen cmgestellt, ohne daß darüber viel Ausbebens gemacht wird. (Neuesten Nachrichten zufolge wurde im Plenum beschlossen, die Talmudthoraschule ganz zu schließen.) Italien. Florenz. Die „Cduc. Fsr." theilt eine Statistik über die ital. Judenheii mit. 'Nach derselben gibt es in Italien 69 Gemeinden mit 42,750 Israeliten, zu denen man noch 1600 aus verschiedenen Punkten der Halbinsel wohnenden Juden rechnen muß, was eine Gesammtsumme von 44,550 Seelen gibt. Die stärksten Gemeinden sind Rom (4600), Venedig (2600) und Florenz (2400). Es gibt in diesem Lande 40Rabbinen, von denen 16 den Titel Morenu; 17 den eines Chacham und 7 die Chaver haben. 15 Rabbinatsstellen sind vacant. Der älteste Rabbiner ist der ehrw. Rabbiner David Pivanti zu Ancona, 78 Jahre alt; der jüngste der Rabbiner von Mancalvo, 25 Jahre alt. In 55 Svnagogen ist der italienische, in 51 der deutsche und in 11 der spanische Ritus eingesührt. Belgien. > Antwerpen. Die belgische Regierung hat be-! schlossen, in Jeddo (Japan) ein Consulat zu errichten, | um den Handelsbeziehungen mit diesem Lande mehr Ausbreitung geben zu können. Dieselbe hat unfern Glaubensgenossen Louis Straus daselbst zum Consul ernannt. Obschon noch jung, hat sich Herr Str. schon seit 7 Jahren mit der Consularlaufbahn beschäftigt und sich durch seine Reisen in Europa, Canada und den Vereinigten Staaten bedeutende Kenntnisse erworben, die ihm in seinem neuen Amte sehr zu statten kommen und dem belgischen Handel nur zum Vortheil gereichen können. (N. I. W.) Frankreich. ßj-aris. Von der Ueberzeugung durchdrungen, daß Sie, geehrter Herr Redacteur, in Ihrer gediegenen Zeitschrift stets darauf bedacht sind, das Gute zu fördern, aber auch durch gerechten Tadel einzelnen Mißständen in größern oder kleinern jüdischen Gemeinden und Vereinen entgegenzutreten, ersuche ich Sie die nachfolgenden Zeilen in die Spalten Ihres Blattes aufnehmen zu" wollen: Die geehrten Leser des „Israelit" sind bereits schon früher davon in Kenntniß gesetzt worden, daß die „All. Jsr." eine VorbereitungSschule für angehende Lehrer für ihre Anstalten im Orient dahier errichtet hat. Die Alliance hat sich dadurch ein großes Verdienst erworben, indem sie damit einem tiefgefühlten Bedürfnis abgeholfen. Mehrere junge Leute aus dem Orient, selbst die später in ihrer Heimat'y als Lehrer an den Anstalten der „Alliance Jsraslite" placirt werden sollen, werden in derselben zum Lehrfache ausgebildet und erhalten hauptsächlich Unterricht in den profanen Wissenschaften. Die Meisten dieser Jünglinge, die sich von Jugend aus nur mit dem Studium in der heiligen Lehre befaßt, besaßen ein bedeutendes heb. Wissen, als sie dahier angekommen. Wenn diese nun in der hiesigen Vorbereitungsschule nicht allein mit den profanen Wissenschaften bekannt gemacht, sondern auch in ihrem Wissen in der jüdischen Literatur vervollkommnet werden, so läßt sich von der Wirksamkeit dieser Jünglinge nach der Rückkehr in ihre Heimath recht viel Ersprießliches erwarten. Ich befürchte aber, daß man nicht demgemäß in der benannten Anstalt verfährt, indem man in derselben, wie man vernimmt, das Hauptaugenmerk aus die weltlichen Wissenschaften richten und fast ausschließlich nur diese unterrichten soll. Wenn diese meine Befürchtung sich bewahrheiten sollte, so wäre das viele Geld, das die „All. Jsr." für diesen Zweck verausgabt, nicht allein ohne allen Nutzen, sondern würde nur dazu beitragen, unfern Brüdern im Orient zu schaden. Die jungen Lehrer würden die unschuldigen Kinder ihrer orientalischen Brüder mit ihren destructiven religiösen Ansichten bekannt machen und so nach und nach zum Verfall der jüdischen Religion im Orient beitragen. Möchte

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