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Der Israelit · 1869-01-13 · Heft 2 (13.1.1869) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 2 (13.1.1869)
Date
1869-01-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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18 meins' aft zu gründen, in welcher in Synagoge, Schule rc. die unverfälschte und unverkürzte Religion der Väter erhalten wird, so ist das Judenthum in einer solchen Gemeinde gerettet; es wird sich dann auch schon weiter Bahn brechen und seine Rückwirkung auf die des Reformspectakels bald überdrüssigen Andern nicht verfehlen. Herr Dr. Joel versucht nun den Riß, der sich thatsäcölich in vielen Gemeinden findet, zu übertünchen und zu verkleistern. Den dreijährigen, siebenjährigen, zweijäbrigen rc. Eyclus beim Thoravorlesen möchte er nicht befürworten; denn es wäre nicht gut gethan, am Sabbat Bereschit — Wajikra, oder am Sabbat Chason — Lech Lecha, oder am Sabbat Beschallach — Achre Moth zu lesen. Allein, was soll man thun? Die „schlechten Juden" wollen einmal keine lange Sidrah vorgelesen haben. Demnach schlägt Herr I. vor, jede Sidrah in vier Theile zu theilen, das erste Stück am Sabbat-Nachmittag, das zweite am Montag, das dritte am Donnerstag und das vierte endlich am Sabbat-Vormittag zu lesen; zwar ist der Talmud Megillab 31" dem entgegen, indeß.(stehe oben.) Wie sinnreich! Am Samstag Nachmittags sowie an Montag uno Donnerstag sind die Resormsynagvgen fast alle geschlossen, so daß thatsächlich die Thoravorlesung auf ein Viertheil reducirt würde? Ja, ja! „Alles , was geschieht," ruft der Verfasser pathetisch aus, „muß sich zu erkennen geben als durch die zwingende Macht eines Gedankens geboten." Und was für gute Gedanken Herr Joel hat, das mag ein Jeder aus dem Vorstehenden entnehmen. Nichts als leeres Stroh in wissenschaftliche Phrasen gewickelt. Einen ebenso geistreichen Ausweg weiß Herr Dr. Joel für die Opfergebete. Man mache es folgendermaßen: man lasse von der Schmoneh Eßrah nur die drei ersten und die drei letzten Berachoth vom Vorsänger laut beten; die mittleren bete die Gemeinde leise und da setze man — paßt auf, Freunde, jetzt kömmt's! nun, da setze man doppelte Formeln ins Gebetbuch, die eine (alte) für die, so daran glauben, und die andere (neue) für die, so nicht daran glauben?!? Wie niedlich! Triumphirend fordert Herr Joel nach Auskramung solcher Weisheit einen Jeden aus, bessere Vorschläge zu machen; welch armseligen Geistes sind doch diese Reformer! Auf anderthalb Seiten führt Herr Dr. Joel, Rabbiner der Gemeinde zu Breslau, noch an, daß die Orgel in die Synagogen conservativer (!) Gemeinden eingeführt sei, daß — Luther viel musikalischen Sinn hatte und daß eine Orgel viel Geld koste. Dann schließt er sein Opus. Auch wir nehmen Abschied von ihm. Herrn Do. J.'S heitere Vorschläge würden uns recht viel Spaß gemacht haben, wenn der Gegenstand nicht gar zu ernst und diese „Zeichen der Zeit" nicht gar so traurig wären. Gott bessere es! ZeLtuirgHnschriehten und Correspondenzen. Deutschland. Ol München, 10. Januar. Als im Jahre 1861 das Gesetz: „die bürgerliche Gleichstellung der Israeliten in Bayern betr." erlassen wurde, gründete aus Anlaß dieses für die Israeliten so erfreulichen Ereignisses, ein Münchener Israelit. Dr. Wilhelm Königöwarter, mehrere Stiftungen für Wissenschaft, Kunst und Gewerbe, unter diesen auch eine solche, wonach der Magistrat München alljährlich an drei würdige Gesellen und ebensoviele Lehrlinge, ohne Unterschied der Religion, Preise von je dreimal 40 Gulden und dreimal 20 Gulden zu vertheilen hat. Diese Preisvertheilung wurde nun am 3. dss. im Plenum und im Rathhaussaale durch Herrn Bürgermeister von Widder vorgenommen. Jeder der sechs Prämirten erhielt außer einem Sparkassebuch zu dem obenerwähnten Betrag ein Diplom, welches die Aufschrift: „Zu Ehren des Landtags von 1861" und die Einleitung der Stiftungsdokumente, ferner ein prachtvolles allegorisches Titelbild und die gelungene Lithographie des Stifters enthält. Der in Nr. 51 des „Israelit" 1868 von mir als Religions-Lehrer für die städtische Handelsschule bezeichnte Name ist nicht Bauer sondern Hr. Baum. — Die ebendaselbst erwähnte Fürstin Datour d’Auvergne ist gestorben, und der Oelberg bei Jerusalem durch einen förmlichen Akt in den Besitz der Krone Frankreichs übergegangen. In einer Sitzung der Abgeordneten-Kammer zu Stuttgart brachte der Cultusminister einen Gesetzentwurf ein, betr. „die Rechtsverhältnisse der religiösen Vereine" und zwar im Sinne der Religionsfreiheit. — Der österreichische Eonsul Dr. Wohlfahrt, der während der Judenexcesse in Bakeu sich so sehr bewährt hatte, wird von dort abberufen. — Die protestantischen Schulen Wien's besuchten im Jahre 1868 16 Knaben und 2 Mädchen israel. Religion. - Von der evangelischen Religion ging daselbst 1 Mann zur jüdischen über, dagegen von der mos. Religion zur evangelischen 3 männliche Personen und 1 weibliche. Berlin, 6. Jan. Die russischen Grenzsoldaten, welche Ende des Jahres 1867 an der Grenze einen jüdischen Handelsmann und seinen Fuhrmann mißhandelten, sind jetzt von dem Militärgericht des Bezirks Warschau verurtheilt worden, und zwar zwei von ihnen zu 8jähriger Zwangsarbeit in einer sibiri-

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