Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1869)
- Date
- 1869-01-06
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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13 Nach dieser Nede wurde die Sitzung mit dem Bemerken geschlossen, daß der Gegenstand in der nächsten jedenfalls bis zur Abstimmung gelangen soll. Dienstag, nachdem der erste Thei! der Zitzung mit Berichten der V.'risicationöcommnston ausgefüllt worden war, wurde mit der Berathung der Anträge fortgefabren. Fast alle vorgemerkten Redner beider Seiten des Hauses verzichteten auf's Wort, nur drei redselige Rabbideputirten der rechten Seite, nämlich H. Kobne, Aloert Stern und Morgenstern ließ das Bedürfnis; zu Erpeetoratiouen trotz der größten, selbst vom Präses nickt zu steuernden Unruhe und Ungeduld nicht ruhen. Der erste mußte nach oo-nbastvollem Ausbostn, vom Vorsitzenden au die Tagesordnung et innert, zum unersetzlichen Verluste der Mit- und Nachwelt sich sofort niederwtzen. Der zweite batte leider ebenfalls das Unglück, mitten im Strome seiner abgeleseneu Phrasen von Ztrömen und Flüssen das Ergebnis; seiner Phantasie für stch behalten zu müssen; Jammerschade für die Wissenschaft! Der dritte führte uns richtig in die „Küche" aber nicht in die Tagesordnung und mußte leider in der „Küche" stecken bleiben. Nachdem nun alle Amendements, außer Hockmuths und Lewv'v, von den Antragstellern, zurückgezogen wurden', wurde der Antrag Fe.mvest's gliederweiie Absti nmilng gebracht, und wurde llntrag! mit stimmigkeit, 2 mir überwiegender Majorität und Antrag 3 mit 131 gegen 77 angenonimen. Nücksichtlich der mit „Nein" gegen die 8. Frage Z immenden ist zu bemerken, saß, wie ich höre, das Motiv oer Meisten, wenigstens rer linken Seite, das wenngleich vom Amendementsteller selbst zurückgezogene Amendement Beutum war, das man erst im beschlossenen Gemeindestatut die Materialien zum künftigen Wahlstatute gebrauchen solle. Rückstcktich der noch übrigen Amendements glaubte Hochmuth seinen Antrag durch den angenommenen nicht alterirt und drang auf die Abstimmung. Hierauf erhob sich Herr Pappenheim, um zur Geschäftsordnung zu sprechen und entwickelte, daß die .Kreirung eines Rabbinerseminars eine religiöse Frage tangire, er daher vor Fassung des Beschlusses darüber durch Abstimmung gegen solches Vorgehen auf Grund des § 68 Verwahrung einlege, und überreicht einen von vielen Deputirten unterschriebenen schriftlichen Antrag; selbstverständlich erhob sich hierbei auf jener Seite des Hauses, wie bei den früheren ein ungeheurer Lärm, den man sich nicht anders als ein Niederdonnern des bessern Gewissens über solchen Protest, den ein geistreicher Schriftsteller „den letzten Nothanker des Unterdrückten" nennt, erklären kann. Hr. Fenyvesy beschwichtigt diesen Sturm durch die Bemerkung, daß ohnedies Antrag Hochmuth, der eine Theilung der von ihm beantragten und vom Hause angenommenen einbeitlichen Schulcommission verlange, nickt zur Abstimmung kommen dürfe. Herr Wahrmann entwickelt, daß er die Abstimmung so verstehe, daß weder ein Rabbinerseminar der Commission zum Vorwürfe gegeben, noch dasselbe von deren Beraubung ausgeschlossen sein solle. Die Commission solle hierin ganz freie Hand haben und stehe es später jedem Deputirten im Plenum frei, das Elaborat der Commission sowohl in der Generalals Spezialdebatte zu bekämpfen, respekstve auf dessen Beseitigung anzutragen. Nach der beifällig ansgenommenen Nede des Hrn. Wahrmann wurde die Sitzung geschlossen, und die -Wochnnnaakttrage zum ersten Gegenstände der morgigSitzung bestimmt. Pesth, den 20. Dezember. ttiiö Correspondenzen. C osterroichischrr Kaiserftaat. Wien Der Schwiegersohn des hiesigen alten Dieners der Türkongemeinde, ..-er Agent für Frnchtgeschäste, K a r p e! e s, ging in Geschästsang^egenbeiten vorige Woche nach Pesth und wurde sckon am vergangenen Freitag hier znrnckerwartet. Doch an demselben Tage kam an seine Frau die telegraphische Nickricht, das; K. noch ein'ge Tage sich in Pesth aushatten mü'se z am Sonntage aber kam eine zweite 'Nachricht von dem Hotelbesitzer in Pesth, daß Karpeles plötzlich verschieden, und daß kein Geld zur Bestattung des Todten vorhanden sei. Der Schwiegervater eilte schnell nach Pesth und war verwundert, daß K, der als wohlhabender Mann bekannt war, so hilflos gestorben sei, besonders da derselbe einen Tag früher ganz gesund gesehen wurde. — Wie dem Schwiegervater erzählt wurde, hatte er den Abend vor seinem Tode 20,000 fl. vor seinen Bekannten und andern Gästen des Hotels gezeigt; es liegt deßbalb die Frage nabe, ob er das Opfer einer Vergiftung oder ob er sich selbst nm's Leben gebracht habe. Wien. Se. Excellen; Gras Karl Chotek, gewesener Oberstbnrggraf des Königreiches Böhmen, der stch um die böhmischen Juden sehr verdient, und durch Gründung der Josephstädter Kleinkinderbewahranstalt ein Denkmal im Herzen der Israeliten erworben hat, ist am 28. v. M. im 85. Lebensjahre in Wien gestorben. (Ggw.) Wien. Der berühmte vr. I. Goldenthal, ordentlicher Professor der orientalischen Sprachen an der k. k. Universität, ist am 27. v. M gestorben. DaS Leichenbegängniß fand am 80. unter großer Theilnahme statt. Die Universitätsprofessoren hatten stch nicht ver-