Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1869)
- Date
- 1869-01-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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11 gung nutzlosen Wahl Seitens ihrer Mitglieder nur leere Zettel in die Urne gab. Nach Einsammlung der Stimmzettel wurden dieselben versiegelt und das Skrutinium einer am Sonntag abzuhaltenden geheimen Sitzung reservirt; es wurden vom Präsidium zehn Deputirte zur Ueberwachung des Skrutiniums speciell eingeladen und zwar mit strengster Unparteilichkeit, je süns von einer Seite. In der Sonntagssitzung wurde zunächst das Skrutinium vorgenommen und hierauf in geschlossener Sitzung eine an Se. Majestät durch eine Deputation in Wien zu überreichende Adresse berathen. Wir haben dieselbe in voriger Nummer bereits mitgetheilt. Zn der Montagssitzung wurden zunächst die Namen der Deputationsmitglieder kundgegeben (darunter von der orthodoxen Seite Dr. Hildesheimer, Bernhard Klein, Ledig, Moritz v. Fischer, Moses Schreiber.) Hierauf wurde auf den Wunsch des Hauses vom Präsidium ei:., Budget-Commission und eine Diariumscvmmiision erwählt, und zwar wiederum unparteiisch nach Parität der beiden Seiten. Zn der Dienstagssitzung wurde zunächst ein Antrag Zsrael Grüns eingebracht dahin lautend, daß der gegenwärtige Congreß als einziges Material Entwerfung einer autonomen Hausordnung für künftige Congresie sixiren solle, welchen Antrag der Vorsitzende als gegen die Hausordnung verstoßend gleich dem srühern in der Freitagssitzung zurückwies, sein Verfahren in beiden Fallen dahin erläuternd, daß diese Anträge gegen § 68 der Hausordnung verstoßen, indem dieselben nicht allein gegen einen gefaßten Beschluß des Congresses Protest erheben, was nach dem § nicht gestattet ist, sondern sogar gegen alle von demselben zu fassenden Beschlüsse. Bei dieser Gelegenheit entspann sich eine sehr interessante Debatte, an welcher sich besonders Herr Rabb. Zsrael Frankel, Herr Pappenheim, Herr Markus Wolf und Herr vr. Hildesheimer betheiligten. (?6 concentrirte sich diese Debatte in der Znterpretation des vielbesprochenen §. 68, wo nur von Protesten gegen „gefaßte," nicht aber von solchen, gegen noch in der Schwebe befindlichen Beschlüssen die Rede ist, welche Consequenz der Präses im ungarischen, eigentlich officiellen Texte unzulässig gefunden, aber von Hr. Hofmeister auch nach diesem als zulässig nachgewiesen wurde. Hierauf plaidirten Hr. Wolf und vr. Hildesheimer dafür, daß der Congreß sich über die Interpretation dieses §. aussprechen solle, was vom Präses auch für zulässig erkannt und dem letzteren anheimgegeben wurde, solchen Antrag der Geschäftsordnung gemäß schriftlich einzubringen. Der Antrag des Hrn. Grün ging ferner auch dahin, in Erwägung, daß die octroyirte Hausordnung vom Minister selbst eine provisorische genannt wurde, den Protokollen auch immer das Prädikat „provisorisch" zu geben, welcher Theil des Antrages vom Präsidenten als ganz in Ordnung erklärt wurde. Hierauf kam der erste Punkt der eigentlichen Tagesordnung, nämlich der Antrag des Or. Rockenstein zur Specialdebatte, und nachdem der Antragsteller die einzelnen Punkte mehr salbungsreich als überzeugend entwickelt, wurden dessen sämmtliche Anträge in einer sehr gediegenen Rede des Hrn. Rabbinen Steinhardt. sowobl rücksichtlich ihrer Legalität, wie Opportunität, sowie endlich rücksichtlich der Competenz-Ueberschreitung derselben zurückgewiesen und eine motivirte Tagesordnung beantragt, worauf Herr Rabbiner Weiße in einer sehr launigen und von allen Seiten des Hauses mit einem theilweise mit Händeklatschen begleiteten Beifall aufgenommenen Rede hinzufügte, daß erst ein besseres Erstarken des Congresses abgewartet werden solle, ehe wir unsere Brüder in Kroatien und Slavonien dazu einladen. Nachdem alle übrigen Redner auf das Wort verzichtet hatten, wurde die motivirte Tagesordnung fast einstimmig angenommen und die Sitzung geschlossen. Zn der folgenden Sitzung wurde von Fenyvesy ein dreigliedriger Antrag eingebracht, daß nämlich Commissionen von je 25 Mitgliedern eingesetzt werden sollten: I. zum Entwürfe eines Gemeindestatuts und zur Verwaltung des Schulfouds, II. zu deni eines Schulstatuts, III. zu dem eines Wahlgesetzes und der Hausordnung für künftige Cougresse, wozu noch eine Reihe von Amendements gestellt wurden, theils unwesentlicher , theils princi'pieller Natur; unter letzter» sind besonders hervorzuheben Amendement Leopold: 1. daß diese Commission mit Berücksichtigung der Parteischc' tirungen gewählt, 2. daß von vornherein volle „Wayrung der Gewissensfreiheit" ausgesprochen werde, 3. daß ein Enquete von Schullehrern zugezogen werde; ferner Amendement Holitscher, daß eine Commission für Volksschulen und eine für Rabbinerschulen creirt werde; ferner Amendement Taub, daß zunächst eine Commission ausschließlich für das Gemeindestatut ohne Hinzunahme der Verwaltung des Schulfondes gebildet werde; ferner Amendement Grüns, daß die vielen zerstreut im Lande befindlichen zu Schulzwecken bestimmte Legale genau constatirt und mit der Verwaltung des Schulfondes kumulirt werden sollen. Die einzelnen Antrags- und Amendementsteller begründeten ihre Motionen, worunter besonders eine schöne Ansprache des Hrn. Leopold, sowie eine sehr wohlgefällig aufgenommene Rede des Hrn. Rabbi Fischmann hervorzuheben sind, welcher letzterer auösührte, daß entsprechend dem Ausgleiche Trans- und Eisleitbamens, welcher nur auf Grund der „pragmatischen Sanction" ermöglicht wurde, auch unser Ausgleich der noch vorwaltenden Differenzen nur dadurch ermöglicht aber auch erleichtert würde, wenn unsere pragmatische Sanction, welche aber nichts anderes sei, als „mm