Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1869)
- Date
- 1869-01-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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X. Jahrgang. Beilage zu Nr. 1 des Israelit. Telegraphische Depesche. H-esth, den 1. Januar. Di? Wachenmarktfrage erhielt in einer die Sywpathin des ganzen Congreffes aussprechenden Molwirung sehr befriedigenden Ab- Muß. Hildesheimer. Leitender Artikel. Der israrl. Congreß m pchh in. II Nach stattgehabter Präsidentenwahl zeigt Herr Holländer das Resultat der Abstimmung an und verläßt den Vorsitz, weichen Herr vr. Hirschler sofort einnimmt; ihm zur Rechten sitzt Herr Popper, zur Linken Herr Wahrmann. Herr vr. Hirschler tritt sein Amt mit einer, theils in ungarischer, theils in deutscher Sprache gehaltenen Rede an. In ungarischer Sprache betont derselbe, nachdem er für das ihm gewordene Vertrauen gedankt und die Wichtigkeit seines Amtes dargestellt, namentlich Folgendes: „Wir wollen solche Anstalten in's Leben rufen, welche in unfern Kreisen neben treuer Anhänglichkeit an unseren traditionellen Glauben auch die Bildung pflegen und verbreiten sollen (sehr lebhafte Beifallszeichen). Da ich nicht nur Präsident der Majorität, sondern des ganzen Kongresses bin, will ich gewissenhaft und unparteiisch die Ordnung aufrecht erhalten. (Eljen!) Nun fährt derselbe in deutscher Sprache fort: Geehrte Herren Congreß - Deputirten! Die Frage, welche in dieser Congreßversammlung unserer Behandlung und Beurtheilung unterzogen werden sollten, sind uns vorgezeichnet, die Ordnung, in welcher diese Behandlung der vorgezeichneten Fragen geschehen soll, ist uns zum Theil schon vorgezeickmet, zum Theil haben wir sie selbst einmüthig zu beuimmen. Je mehr wir uns bestreben werden, die Leidenschaftlichkeit, persönliche Erregtheit aus unserer Berathung auszuschließen, desto eher dürfen wir hoffen, daß wir das gewünschte Ziel, welches unsere Glaubensgenossen im ganzen Lande mit Sehnsucht von uns erwarten, auch erreichen werden. Geehrte Herren! Betrachten Sie die parlamentarische Ordnung nicht etwa als eine Fessel, die Ihnen angelegt ist, betrachten Sie sie als das, was sie wirklich ist; die parlamentarische Ordnung ist das Band, welches unsere Verhandlungen zu einen. Ganzen Zusammenhalten und zusammenfassen soll. Es ist bei der Bera- I t5ung eines weit weniger zahlreicheren Körpers nethj wendig, daß eine bestimmte Ordnung eingelalten werde, < wenn die Berathung zu einem Ziele fülren soll. Es j ist meine Aufgabe, als Vorsitzender streng über die Einhaltung der Berathunasordnung zu wacken. D'e Herren Eongreßdeputirren sind von ihren Wählern hierher gesendet worden, um ihrer Meinung, resp. den Meinungen derjenigen, welche ihnen das Mandat verliehen, Ausdruck zu geben. Es ist daher uothwendig, daß hier Jeder seine Meinung frei und imgebindert j aus sprechen soll (lebhafte Zustimmung), aber Sie sind alle mit nur überzeugt, daß diese Freiheit der Rede durch gl wisse Regeln in Schranken gehalten werden mriß, insofern man nicht immer, nicht zu jeder Zeit, von jedem Gegenstände sprechen kann, sondern immer nur voll ein'w. Dies nennt man, meine Herren, die Tagesordnung." Die Rede wurde mit stürmischem Beifall ausgenommen. Hierauf ergriff Vicepräsident Popper das Wort und stellte in seiner Rede Eivilisation und Förderung des Judenthums als die Zielpunkte des Eongrestes dar, zu denen er in wirrer Eigenschaft als Vicepräfes das Seine betragen werde. Hierauf sprach der zweite Vieepräses Wahrmann und betonte, daß wenn gleich seine indioidneuen Ansichten nickt die Zustimmung Aller haben werden (der-! selbe gehört zu der äußersten Fortschritt , parier). er doch in seiner Eigenschaft als Präses mit strengster Objectivität Vorgehen wolle. Dann tbeilt der Vorsitzende mit, daß eine Anzahl dimrser Petitionen eingelaufen sei und gibt es dem Eongresse anheim, hierzu eine ständige Petitionecemmission zu ernennen (allgemeine Zustimmung). Der Rabbiner Rockenslein stellt folgengen Antrag: I. Der Congreß möge beim Ministerium dahin wirken, daß die Glaubensgenossen in Kroatien und Slavonien aus ihrer traurigen Stellung herauskommen und sich wie die andern Juden in Oesterreich! der Gleichberechtigung erfreuen mögen. II. Daß, wenn möglich, auch sie schon in diesem Eongresse oder wenigstens bei künftigen Congressen zugegen seien. III. Daß die Anstalten und Verordnungen, die wir seststellen, auch für sie volle Gutigkeir haben. Nach längerer Berathung wurde beschlossen, diesen Antrag auf die Tagesordnung zu setzen. In der F r e i t a g s s i tz u n g wurde unter mehreren Anträgen unwesentlicherer Natur folgender von 12 Deputirten der orthodoxen Partei unterfertigter Antrag eingercicht und verlesen.