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Der Israelit · 1869-01-06 · Heft 1 (6.1.1869) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 1 (6.1.1869)
Date
1869-01-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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3 mit gewöhnlicken deutschen zu vertauschen, wird dieser Unterricht in vielen israelitischen Schulen sehr vernachlässigt, ja in manchen gar nicht mehr ertheilt; daher kommt es denn auch, daß ein großer Theil des gegenwärtigen und des Heranwachsenden Geschlecktes nicht im Stande ist, jüdisch-deutsche Werke lesen oder einen jüdisch-deutschen Brief schreiben zu können. Und dock ist die Kenntniß der jüdisch-deutschen Druck- und Schreibschrift, da dieselbe. wenn auch nicht mehr so allgemein, doch noch immer im Gebrauche ist und es auch bleiben wird, auch jetzt noch einem jeden Israeliten nothwendig und kann und darf also der Unterricht in genannten Fächern keinem israelitischen Kinde erlassen werden, wenn nickt der größte Nachtheil für dasselbe herbeigeführt werden soll. Denn nicht allein, daß in den meisten mn^D, onunc, nft'Bn; von denen die Rödelheimer Ausgaben, als die correctesten nnd billigsten, sich der größten Verbreitung zu erfreuen hatten, die nöthigsten n^enn \3n, cultuelle Erläuterungen und manche wichtige Anerkennungen u. dgl. in dieser Sckrift gedrückt sind, sondern auch sehr viele für den ungelehrten, ja manche auch für den gelehrten Israeliten, und ganz besonders für das Frauenzimmer nützlich- Erbauungs- und belehrende Schriften — deren sich noch eine ganze Masse in israelitischen Familien vorsinden, sind in der genannten Schrift herausgegeben, und fast täglich erscheinen neue Werke in derselben. Wir verweisen nur aus die verschiedenen Uebersetzungen von jüdisch religiösen Werken, besonders des auf die vielen Ausgaben, so wie aus manche gute ältere Religionsbücher und besonders auf das für's weibliche Geschlecht so lehrreiche no*? m’ON, von Herrn Rabbiner Bamberger zu Würzburg. — Auch der Unterricht im jüdisch-deutschen Schreiben kann, da man sich dieser Sckrift noch häufig, nicht allein in Briefen, Notizen, Aufzeichnungen von Geburten, Iahrgedachtnißtagen und anderen Familienereignissen, sondern auch in religiösen Dokumenten, wie ,pmro ,my *t>n not? D\vjn u. dgl. mehr bedient, keinem jüdischen Elementarschüler erlassen werden. Soll aber der Unterricht in den genannten Fächern ein gründlicher sein und der Schüler es darin bis zur Geläufigkeit bringen, so sind, da die Lesestücke in den jüdisch-deutschen Lesefibeln nicht ausreichen, besondere, nach methodischen und didaktischen Regeln eingerichtete Lesebücher nöthi. Das Gesagte hat schon vor vielen Jahren Herr Rabbiner Schwarz zu Hürben eingesehen und damals die in Crefeld tagende rheinisck-westphälisch-jüdische Lehrerconferenz freundlichst ersucht, eine aus ihren Mitgliedern zu wählenden Commission mit der Redaetion und Herausgabe eines vollständigen jüdisch-deutschen Lesebuches betrauen zu wollen. Es wurde damals zwar eine Debatte über den in Rede stehenden Gegenstand eröffnet; der Antrag erhielt aber nicht die Zustimmung der Majorität der Conferenzmitglieder, indem man das Bedürfniß nach einem solchen Bucke nicht einsah oder nicht einsehen wollte. Seitdem sind vielleicht 15 Jahre verflossen, ohne daß man in dieser Angelegenheit einen Schritt weiter gekommen wäre; uns wenigstens ist von dem Erscheinen eines für Schulen bestimmten jüdisch-deutschen Lesebuches nickt das Geringste bekannt geworden. Erst im verflossenen Sommer ist diese Angelegenheit wieder zur Sprache gekommen, indem von der Rheinisch-Westpbälischen Lchrerconferenz über diesen Gegenstand eine Debatte veranlaßt wurde. Die Eonserenz beschloß: „es sei wünschenswerth, jüdisch-deutsches Lesen und Schreiben in der Elementarschule zu lehren." Wir sind jeloch der Meinung, daß dieses nickt nur wünschenswerth, sondern nethwendig sei, wenn auch der Redacteur der Z. d. I. der Ansicht ist, daß dieser Unterricht, durch den die Lehrer sich nur eine neue Last aufbürdeten, zwecklos und überflüssig sei. In Folge gedachten Beschlusses der Eonserenz wurde der anwesende Lehrer Blumenseld aus Essen, dem Druckorte der von dem verstorbenen Lehrer Hecht zu Hoppstätten für isr. Schulen bearbeiteten Hester'scken Lesebücher, ersucht, Sorge dafür tragen zu wollen, daß bei einer möglichst bald zu veranstaltenden neuen Auslage der erwähnten Lesebücher denselben, wenigstens dem für Mittelklassen, ein Anhang methodisch bearbeiteter Lesestücke in jüdischdeutscher Schrift beigedruckt werde. Wenn gleich wir auch an den Hecht'schen Lesebüchern Vieles auszusetzen haben, so können wir doch nicht umhin, wegen gedachten Beschlusses der Eonserenz hierdurch unfern Dank auszusprecken. Oestrich. M. Rosenwald, Lehrer. Aus Weskphalen. Wenn man erwägt, wie die preußische Provinz Westphalen, besonders in denjenigen Distrikten, wo die überwiegende Mehrzahl der Bevölkerung dem katholischen Glaubensbekenntnisse angehört, von jeher das Land des Iunkerthnms, des Feudalismus und der Intoleranz gegen Andersgläubige war, so muß man sich aufrichtig freuen, wenn man die Beobachtung macht, wie sich auch hier allmählich Bildung, wahre Aufklärung und Toleranz immer mehr Bahn brechen, alle Dorurtheile schwinden und mau endlich anfängt, dem Israeliten seine bürgerlichen Rechte nicht mehr zu verkümmern und zu schmälern. Hiervon geben die in jüngster Zeit in verschiedenen Städten dieser Provinz vorgekommenen Ernennungen von Glaubensgenossen zu bürgerlichen Ehrenämtern den sprechendsten Beweis. So können wir heute im Anschlüsse an unsere vor einiger Zeit gebrachte Mittheilung von der Ernennung eines Israeliten zum Stadtverordneten in der Stadt Iserlohn die erfreuliche Mitteilung machen, daß auch in der Kreisstadt Altena - einem Orte, dessen Bevölkerung zum Theil der römisch-katholischen Religion an-

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