Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1869)
- Date
- 1869-01-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Vorschlag der andächtige Israelit künftig beten. Und das nennen die Herren: „Veredelung des Gottesdienstes!" Satt der wundervollen Psalmen Davids in dem erhabenen Vollklange der Sprache unserer Vater, wässerige Gedichte von Philippson und Consorten, statt der unübertrefflichen Gebete, welche die Männer der großen Synode: Chagi, Secharjah, Maleachi, Nechemja, Mordechai uns gelehrt, sollen wir „die Ochsen aus Philippsons Munde" barbieren!!! In England sind, wie wir berichteten, 7 Glaubensgenossen ins Parlament gewählt worden, eine verhältnißmaßige sehr große Zahl. — Es ist bekannt, daß der jetzt aus dem Amte scheidende Premierminister D'Israöli von Geburt ein Jude ist, weniger bekannt dürfte es sein, daß auch der neue Premierminister Gladstone ans jüdischem Blute stammen soll; Gladstone heißt auf Deutsch „Freudenstein;" ein galizischer Jude dieses Namens wanderte vor noch nicht vielen Jahren in London ein, anglisirte und christianisirte sich dort und übersetzte auch leinen Namen ins Englische. Sein übrigens schon als Christ geborener Sohn steht heute an der Spitze der englischen Negierung! Sonderbar, ein getauter Jude muß die Zügel der Negierung ans Händen geben, weil er die irische Ltaatskirche erhalten, und ein anderer getaufter Jude darf diese Zügel deßhalb ergreifen, weil er jene Kirche stürzen will! In Frankreich hat sich in politischer Beziehung für unsere Glaubensgenossen gar nichts, in religiöser sehr wenig ereignet. Das Hans Rothschild feiert das Andenken seines Heimgegangenen Oberhauptes durch großartige Schenkungen und Stiftungen. So soll nächstens in Paris eine Stiftung ins Leben treten, welche für alle Menschen ohne Unterschied der Religion geöffnet sein wird und zu deren Fuudirung die genannte Familie eine Million Franken bestimmt hat. Die Stiftung wird den Zweck haben, f.":r die Armen den Mietbzins zu bestreiten oder doch dazu beizusteuern. _ Seit neuester Zeit tritt auch Spanien in die Reihe der Staaten ein, die wir bei uuserm Rückblicke zu beachten haben. Das Localcomittz der „All. Isr. Univ." zu Bordeaux hat an die Mitglieder der provisorischen Regierung eine Petition um Aufhebung des Edictes von 1492 gerichtet und folgende Antwort erhalten: „Madrid, den 1. Dec. 1868. „Ich habe, meine Herren, Ihren Brief empfangen, in welchem Sie an die provisorische Regierung, der ich vorzustehen die Ehre habe, die Anfrage richten, ob das Edict vom Jahre 14.92, welches die Juden -aus Spanien vertrieb, abgeschafft sei. Im Aufträge der provisorischen Regierung soll ich Ihnen kundthun, daß unsere glorreiche Revolution, indem sie mit den übrigen Menschenrechten die Religionsfreiheit proclamirte, tharsächlich jenes aus dem 15. Jahrhundert stammende Edict abgeschafft hat. „In Folge dessen steht es den Israeliten frei, in unser Land einzuwandern und daselbst ihren Cultus ebenso frei, wie die Bekenner anderer Religionen, zu üben. „Genehmigen Sie, meine Herren, die Versicherung meiner Hochachtung. I. Serrano." Herr S. Bloch, der verdienstvolle Hauptredacteur des „Univ. Isr." hat bei einem in Madrid wohnenden Glaubensgenossen sich nach den Gesinnungen des spanischen Volkes in Bezug auf die Freiheit des Gewissens erkundigt. Man bat ihm geantwortet, daß die Proclamirung" der Religionsfreiheit von allen aufgeklärten Spaniern gefordert, und daß sie zweifellos von den nächstens zusammentretenden Cortes wird beschlossen werden. In Rumänien haben unsere Glaubensgenossen viel zu leiden gehabt. Mit der Berufung des neuen Ministeriums haben diese Leiden G. s. D. ihr Ende erreicht. In America beschäftigt die Sabbatirage gegenwärtig alle Gemüther. Man ist endlich zu der Ueberzeugnng gelangt, welche Gefahr dem Iudenthume durch die Nichtbeachtung der Sabbatruhe droht, und daß ohne den Sabbat kein Iudenthum möglich ist. Mögen die deßfallsigen Anstrengungen zum besten Ziele führen. Die belebende Kraft, tte dem Iudenthume innewohnt, wird dasselbe stew aus der Lethargie empvrreißen, alle Krankheitserscheinnngen beseitigen und seine Glieder immer aufs bleue mit Kraft und Gesundheit erfüllen! 'foir yL" ttd: ou* üb mn „ <4ehe, cs schlummert und schläft nicht der Hüter Israels!" Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. D e u t s ch l a n d. Aus Weftphalen. Vor wenig Decennien, als noch die on, 2\u 2b »nnotp ni'sm nm* und andere in jüd.-deutscher Schrift gedruckte rel. Werke für viele Israeliten, namentlich für das weibliche Geschlecht und den Nichtgelehrten die einzige Lectüre bildeten, stand das jüdisch-deutsche Lesm und Schreiben als integrirender Theil des Religionsunterrichtes aus dem^Lectionsplane der meisten jüd. Elementarschulen. Seit der Zeit aber, daß die allgemeine Bildung auch in jüdischen Kreisen sich Eingang verschafft, und man angefangen hat, auch Journale, Novellen, Romane und andere Bücher zu lesen, so wie auch viele früher nur ausschließlich mit jüdisch-deutschen Lettern gedruckte Werke