Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 53 (30.12.1868)
- Date
- 1868-12-30
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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992 19° R. im Schatten, 4 Uhr Nachmittags gemessen. Am Abend bezogen wir unsere Zelte in Jericho, und ich harrte des Ausbruches der Dunkelheit, welche nach Sonnenuntergang nicht lange auf sich warten läßt. Wie der Tag, so war auch der Abend wolkenlos und der ganze Himmel mit Sternen besäet; jetzt schon begannen die „Sternschnuppen" in größerer Menge und mit hellerem Lichte zu fallen, als ich es je zuvor gesehen hatte, so daß es mir, wenn ich auch des von Humboldt beobachteten November-Phänomens nicht gedacht hätte, notwendig hätte auffallen müssen. Am herrlichsten jedoch war diese Erscheinung am 14. morgens, ungefähr um 5 Uhr, als wir eben im Begriffe waren, unsere Pferde zu besteigen; unzählige, mehr oder minder leuchtende Sternschnuppen, von denen die meisten größer schienen, als die gewöhnlichen, fielen nieder, indem sie lange Streifen hinter sich ließen!; ich war im Stande in einer Minute acht solcher Sternschnuppen zu zählen; besonders aber bemerkte ich eines dieser Meteore, das sich durch seine bläulich schimmernde Farbe, sowie durch die, den Jupiter (p-m yw) scheinbar übertreffende Größe vor allen übrigen auszeichnete. Der Sternfall dauerte auch dann noch fort, als sich in Folge der nahenden Sonne das Moabiter-Gebirge bereits in einen zarten durchsichtigen Rosaschleier zu hüllen begann, während andererseits der Mond noch hellleuchtend am Himmel stand. Die Gesammtzahl der hier gesehenen Sternschnuppen mag sich in dem Zeiträume von 5 —7 Uhr wohl auf mehrere Tausende berechnen, welche in mehr oder minder groen Zwischenräumen ihr kurzlebigiges Licht über den dm Ruinen Jerichos, und auf den mattglänzenden Spiegel des Salzmeeres leuchten ließen. (Sternschnuppen sind ölige, schwefelige Gase, welche sich in der oberen Luft sammeln, entzünden, und indem sie in Kugelgestalt herabfallen, in der untern, feuchten Athmosphäre erlöschen.) Amerika. LiML, (Peru). Wir bringen im Nachstehenden zwei Schreiben der Frau Auguste de Johnson, welche sie an das Gericht und an einen Senator gerichtet, damit diese ihr zur Wiedererlangung ihres gewaltsam im Kloster „Los Delcalzos" zurückgehaltenen Sohnes verhelfen möchten. Das Schreiben an den obersten Richter lautet: „Excellenz! Auguste Elis de Johnson, Jüdin meines Glaubens, als Fremde in diesem Lande wohnend, stelle mich achtungsvoll Ew. Excellenz vor, und bitte, daß mein minderjähriger Sohn Johse, ungefähr .15 Jahre alt, welcher gegen meinen Willen in dem Kloster Los Descalzos zurückgelassen wird, mir wieder gegeben werde. Sie haben ihn gelehrt, den Wunsch anSzusprechen, zum Christenthum überzugehen, und dies nach Akten des Ungehorsams gegen seine Mutter, nachdem er sich flüchtete aus meinem Hause, in dem er hätte bleiben sollen. Ew. Excellenz wissen wohl, daß Gott Alles mit Weisheit leitet, und die Weisheit verlangt, wie es in einem der Bücher des auch von Christen anerkannten alten Testaments heißt, daß in Allem mit Ueberlegung vorgegangen werde. Wenn mein Sohn Christ zu werden wünscht, so mag er es thun, aber an meiner Seite und ich werde seine Ueberzeugung achten, wenn ich sehe, daß es seine persönliche Ueberzeugung, nicht die Anderer ist. Allein für den Augenblick ist er nicht in der Lage, sich zu einem so wichtigen Schritte zu entscheiden. Einstweilen aber müssen meine Rechte geachtet werden nach den Gesetzen der Natur, die mir Gott verliehen und die vom Landesgesetze geschützt werden. Diejenigen, die mir meinen Sohn gewaltsam entrissen, erkennen selbst diese Rechte an, und deshalb wünschen sie von den Gerichten eine Großjährigkeitserklärung meines Sohnes, damit er getauft werden könne. Dies wurde vom ersten Gerichte abgelehnt und der Bischof von TheSpia appellirte an den obersten Gerichtshof. Das hat jedoch mit meinen Rechten nichts zu thun, den Rechten einer Mutter, die mit dem ganzen Interesse eines mütterlichen Herzens ihren minderjährigen Sohn zurückverlangt, mag der genannte Bischof eS immerhin Härte und grausamen Widerstand einer jüdischen Mutter nennen. Ich appellire an die Herzen der Mütter. Es war überdies gar nicht nöthig, in solcher Weise sich über die armen Juden auszudrücken, wie es der Bischof that, der in dieser Richtung sich nicht das Verhalten des Stifters seiner Religion zum Muster nimmt. Möge Ew. Excellenz aus diesen Umständen ersehen, daß das Betragen des Beschützers meines Sohnes weder löblich noch christlich, weder würdig eines Christen noch würdig einer Billigung ist. Sie vertreten in meinem Sohne ihre eigene ^Angelegenheit. Deshalb rufe ich Ew. Excellenz als den obersten Beamten einer civilisirten christlichen Nation an, daß mein geliebter Sohn mir zurückgegeben werde, dessen Abwesenheit meine Augen in einen Thränenstrom verwandelt hat. Ach! ich leide viel. Ew. Excellenz ist ein liebender Vater, aber Sie können unmöglich in die Tiefe der Gefühle einer Mutter dringen. Fragen Sie Ihre Gattin! — Ich bitte Ew. Excellenz, daß Sie als Pvotector der katholischen Religion ungesäumt wieder gut machen, was deren Priester gethan, um sie zu discrebitiren. Wollen Sie anordnen, daß mein Sohn Johse aus dem Kloster Los Descalzos entlassen und seiner Mutter zurückgegeben werde. — Lima, 10. Oct. 1868." Ein Schreiben der in ihren Rechten gekränkten Mutter an das Peruanische Congreßmitglied D. Wenceslas Villaroal stellt die Sachlage in*S rechte Licht. Es lautet: