Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 53 (30.12.1868)
- Date
- 1868-12-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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991 ken, daß der Kläger vom Rabbinatscollegium von London keine Autorisation hierzu hatte.) Der Verklagte leugnete, fragliche Worte gesprochen zu haben und bringt in dieser Beziehung eine Rechtfertigung hervor; nach jüdischen Gesetzen dürfe kein Schlächter in London Fleisch verkaufen, ohne von dem Rabbinatscollegium in London hierzu autorisirt zu sein, und daß Fleisch, geschlachtet und verkauft von einer nicht dazu autorisirten Person nicht koscher, sondern trefa und somit den Israeliten verboten sei, zu essen. Nach Vernehmung des Professors Marks, der als Experte vvrgeladen war, und welcher ausführlich das Verhältnis des Schlächters und Metzgers gegenüber dem Rabbinen auseinandergesetzt und dabei dargetban, daß jeder Schlächter sich einer Prüfung des Orts-Rabbinen zu unterziehen hat, selbst wenn er auch eine solche schon früher bei einem Rabbinen an einem andern Platze abgelegt hat — wird der Kläger vernommen, dessen Angaben wir hier folgen lassen: Derselbe gibt an, er sei ein Holländer und sei schon vor fünf Jahren vom Oberrabbiner von Emden autorisirt worden, daselbst zu schlackten, nachdem er die erforderliche Prüfung abgelegt. Mit der Erlaubniß desselben Rabbinen habe er zu Bunde eine Metzgerei betrieben. Vor 3 Monaten habe er in London in der Lernen street 92 einen Laden eröffnet. Er habe zuerst nur trefa Fleisch verkauft, kurz darauf auf Veranlassung einiger Juden auch koscheres. Auf die Frage des Richters, ob er keine Käufer für sein trefa Fleisch gefunden, erwidert derselbe: O, ja. (Gelächter.) Ein Herr Lesser sei mehrmals in sein Laden gekommen. Derselbe beaufsichtigt nämlich die Märkte, um zu sehen, daß die jüd. Metzger nur koscheres Fleisch verkaufen. Ich glaube, fährt der Kläger fort, daß derselbe vom Oberrabbiner geschickt worden. Er sagte zu mehreren meiner Käufer, daß mein Fleisch trefa sei. Er ging an meinem Laden auf und ab, und wenn Jemand in meinen Laden gehen wollte, so benachrichtigte er sogleich denselben davon, daß mein Fleisch trefa sei. Ich sah ihn fünfmal an einem Tage. Ich ging hierauf zum Oberrabbiner. Dr. Adler fragte mich, ob ich koscheres Fleisch verkaufe, worauf ich ja antwortete. Er sagte, es wäre trefa. Er fragte mich, von wem ich das Fleisch kaufe, und ich verweigerte, den Namen anzugeben, vr. Adler sagte mir, ich sollte meinen Lyden schließen, und wenn ich es nicht thun würde, würde er Leute an meinen Laden stellen, die mich hindern sollten, an Juden Fleisch zu verkaufen und in drei Tagen würde ich ruinirt sein. Ich erwiderte ihm, daß ich meinen Laden nicht schließen könne, da dies das einzige Geschäft ist, das ich verstehe. Und so ging ich fort. Des Abends kam Levi Groenwoud in mein Laden, als gerade eine Jüdin da war, die Fleisch gekauft. Er sagt ihr, daß das Fleisch trefa sei, und obgleich sie das Fleisch bereits gekauft, ging die Frau fort, ohne das Fleisch mitzunehmen. Groenwoud forij derte von mir die am Fenster hängenden Karten, worauf s ganz deutlich koscher geschrieben war und sagte, daß;; dann Dr. Adler mir wahrscheinlich erlauben würde, l Fleisch zu verkaufen. Cr theilte mir mit, daß er von jj Dr. Adler geschickt sei. Er ging an das Fenster, die \ Karten zu nehmen, ich hinderte ihn aber daran. Deö j; andern TageS ging ich wieder zu Dr. Adler, um Er- ( : lanbniß einzuhclen. Er verweigerte sie und sagte, daß , wenn ick den Laden nickt schließen würde, mehrere 1 Metzger von Petticoat Lt:ne in die Nähe meines j i Ladens ziehen und mick ruiniren würden. Nach Verlauf j von 4 5 Wochen waren meine bisherigen Käufer ver-;; | schwunden und ich mußte meinen Laden schließen.; Hermann Vandyke, ein Deutscher, geboren zu! Bunde, bezeugt Herrn vr. Adler, daß derselbe dem! Kläger die Errichtung eines Geschäftes in Is lingto n j erlauben wollte, aber nicht in Whitechapel, weil! daselbst schon zu viele Metzger wären. Zeuge erhielt! am 22. Oct. einen Brief von vr. Adler, in welchem /-! derselbe sein Erstaunen ausdrückt, daß Schott dennoch I | ein Geschäft in Wbiteckapel errichtet habe und auch;; koscher Fleisch verkaufe und so das unschuldige Publikum irre führe. Kurz nach Empfang des Briefes hat j Zeuge Dr. Adler wieder gesehen, bei welcher Gelegen- ' heit er ihm sagte, daß Schott des Tags zuvor bei ihm ' gewesen sei und sich so impertinent benommen habe, > daß er ihm nunmehr auch nicht einmal für Islington i Erlaubniß geben könne. Zeuge habe denn vr. Adler j gefragt, was der Mann thun solle, da er kein anderes Geschäft kenne? Er könne sich für den moralischen Character des Schott verbürgen; vr. Adler habe die Erlaubniß verweigert und Zeuge aufgefordert, Schott zur Schließung seines Lakens zu veranlassen. Nach Abhörung noch weiterer Zeugen und nach den Plaidoyers der Advocaten der Parteien, entscheidet das Gericht nnler dcm Beifalle des Publikums zu Gunsten des vr. Adler und der Kläger wird mit seiner Klage abgewiesen. jP a l a st i n a. □ Jerusalem im Kislev. Der Sultan hat der heiligen Stadt nunmehr außer der Militärfreiheit j auch die Steuerfreiheit bewilligt. Ein Correspondent der Südd. Pr. berichtet an dieselbe über den in der Nacht vom 13. auf den 14. November siattgefundenen Sternschnuppenfall am „Tobten Meere" (rbon c’). Derselbe schreibt: ES dürfte manchem Ihrer Leser nicht uninteressant! sein, dieses Naturphänomen von einem Orte aus beschrieben zu sehen, wo dies noch sehr selten geschehen, > von Jericho aus. Wir waren unter Tags am Tobten Meer von Mar Saba kommend, sowie an den Ufern des Jordan, und erfteuten uns eines wolkenlosen tiefblauen Himmels bei einer Temperatur von