Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1868-12-30 · Heft 53 (30.12.1868) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 53 (30.12.1868)
Date
1868-12-30
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447343-2447394--06775-2462347
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

993 „Hochgeehrter Herr! Eine arme Wittwe, Familienmutter, eine Fremde in diesem Lande, gebürtig in den Vereinigten Staaten Amerikas, bittet um Ihre Verwendung beim Nationalcongreß in Ihrer Eigenschaft als Repräsentant des Peruanischen Volkes, daß mein SohnIohse Johnson, 1 i Jahre und 3 Monate alt, der von den Missionaren des Klosters Los Descalzos entführt wurde und im Kloster zurückgehalten wird, seiner Mutter zurückgegeben werde. Ich bin jüd. Glaubens und seit mehr als 15 Jahren in diesem Lande ansässig. Während dieser Zeit hatte ich in meinen Diensten ein Negerweib; ich hinderte sie nie in Ausübung ihrer Religion, weil ich glaube, daß jeder Mensch die Religion seiner Väter achten soll; trotzdem schien sie mir eine Zeit lang gleichgiltig gegen ihren Glauben. Plötzlich aber änderte sich aus mir unbekannten Gründen ihre Gesinnung in dieser Beziehung. Sie wurde mit einem Male sehr fromm, beichtete und verrichtete die Communion alle 14 Tage in dem Kloster Los Descalzos. Der ehrwürdige Vater Fon war es. der dieses Weib überredete, meinen Sohn von meiner Seite sorezureißen, gerade als er. obgleich noch jung, schon anfinz durch die Früchte seiner Arbeit eine Stütze seiner Familie zu werden. Plötzlich bemerkte ich eine Veränderung in dem Betragen meines Sohnes; anstatt seinem Geschäfte obzuliegen, welches ihm 25 Dollars monatlich einlrug, blieb er mehrere Tage aus von dem Etablissement, wo ich ihn untergebracht hatte. Ich tadelte ihn deßhalb, und das erste Mal in seinem Leben versagte er mir die Achtung, die ein Kind seinen Eltern schuldig ist, und die von Moses im Namen Gottes am Berge Sinai dem Volke Israel eingeschärft wurde; er wagte es sogar, seine Hand gegen seine Mutter zu erheben. Die Pflicht einer Mutter, sei sie Christin, Jüdin oder Heidin, ist eS, ihre Kinder zurechtzuweifen und zu strafen; ich strafte meinen Sohn Jose wie er es verdiente. Er entfloh aus meinem Hause, und nachdem ich ihn mehrere Tage vergebens gesucht hatte, hörte ich, daß er sich im Kloster Los Descalzos aufhalte. Ich begab mich in Begleitung einer Freundin dahin, bat und flehte auf mein Knieen, daß mein Sohn zurückkehre. Ich sprach mit Vater Macia; dieser rieth dem Knaben, unter das mütterliche Dach zurückzukehren, allein die Negermagd hielt immer Unterredungen mit ihm, und brachte ihm heimlich Kleidungsstücke vom Hause. Dennoch kehrte er zurück, aber plötzlich verschwand er wieder und mit ihm die Negermagd. Seit jener Zeit wird er von den Missionären im Kloster zurückgehalten. Dort überredeten sie ihn, sich dem Bischof von Thespia vsrzustellen Mnd die Taufe zu verlangen, und trotz seines unreifen iters und seiuer gänzlichen Unkenntniß der katholieu Religion will man ihm die Macht einräumen, l sein eigner Herr zu handeln. Der Bischof verfgte für ihn die Großjährigkeitserklärung von dem weltlichen Gerichts; dieses ging nicht darauf ein, und der Bischof appsllirt an den obersten Gerichtshof. Was kann ich armes fremdes Weib gewn solche mächtige Angriffe thun? ich bin zu arm, um Advokaten zu bezahlen, Gerichtskosten und andere Auslagen zu bestreiten. Ich bitte Sie, hochgeehrter Herr! deffeu Edelmuth und Humanität allgemein gerühmt werden, die Sache einer schutzlosen Wittwe vor dem Congreffe zu vertreten, und möge Sie Gott lohnen für die Wohlthaten, die Sie erweisen Ihrer ewig dankbaren Dienerin: Augusta Ellis de Johnson." Feailleton Aphorismen. Von J. Nobel, Rabbiner in ChongrLd. I. Der Allgewaltige donnert mx-sa ib'p:: bx oyv lch"b 3>\v) yij nb, nwy mittelst seiner Stimme Wunder, er thut Großes und wir merkend nicht. — Hiezu bemerkt R. Levi: Drei Stimmen dringen von einem Welkende bis zum andern und die Menschen (mna) sind dazwischen und vernehmen dennoch nichts. Dieses sind sie: Der Tag, der Regen und die Seele, da sie aus dem Körper flieht. „Der Tag" — wie so? Dies meint R. Juda Sohn Jloi, ist das Tagesgestirn, wie es fortrückt (*)») an der Himmelsdehnung — so geräuschlos — es ist nicht anders, als wäre es ein Eisenzapfen ins Holz gesteckt. Die Regen? — Ja, so heißt es Ps. 42. Wafferabgrund ruft dem Wafferabgrund zu, der Stimme deiner Leitungen folgend. Und wie dies? Es gibt einen Baum, deffen Wurzeln 20 Ellen tief gehen und dann noch einen, wo sie bloß 3 Spannen Tiefe haben. Der Regen kommt nun von oben herab. Soll er bloß die Gewächse mit drei Spannen tiefgehender Wurzel tränken, so werden jene Bäume, deren Wurzeln 50 Elle« tief — absterben, soll er aber 50 Ellen tief dringen, dann werden die Bäumchen mit 3 Spannen langer Wurzel mrschwemmt. — Da rufen nun die Waffermaffe von Oben und der Wasserursprung von Unen einander wechselseiLig an: Komm herab! steig herauf! — Das Master von Oben dringt drei Spannen tief — und der Wafferquell von Unten steigt herauf und belebt jene mächtigen tief wurzelnden Bäume Nun komme aber und sieh' zu, wie weit es ist zwischen diesen beiden Tehomoth und sie rufen doch einander zu; die Menschen aber sind dazwischen und wissen es nicht: „Der Allgewaltige donnert mit seiner Stimme Wunderbares u. s. w." „Und die Seele, in der Stunde, da sie aus

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.