Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 53 (30.12.1868)
- Date
- 1868-12-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447343-2447394--06772-2462344- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
990 f ,! i drücken die Bitte aus, S. Majestät möge von der unwandelbaren Treue und Ergebenheit der Israeliten Ungarns überzeugt sein. Nach Beendigung dieser Ansprache brach die Deputation in ein dreimalig begeistertes Eljen auf Se. Majestät aus. Der Kaiser betonte in seiner Antwort, daß er mit Vergnügen den Ausdruck der Treue und Ergebenheit annehme, versicherte sie seiner Huld und sprach die Hoffnung aus, es werde dem Congresse gelingen, in brüderlicher Eintracht die Berathungen fortzusetzen und so das Wohl der Glaubensgenossen zu fördern. Der Kaiser schloß mit den Worten: „Versichern Sie Ihre Sender meiner königlichen Huld!" Der Viceprasident Herr Popper bemerkte auf diese huldvolle Ansprache, daß den Israeliten unter der Regierung Sr. Majestät das Glück zu Theil geworden, den anderen Confessionen gleichgestellt zu werden. Er fügte diesen Worten die Versicherung hinzu, daß die Israeliten nach wie vor den anderen Bürgern des Staates an Unterthanentreue und Loyalität nicht zurückstehen werden. Der Monarch entgegnete hierauf mit folgenden Worten: „Sie sind auch rin wichtiger Faktor, namentlich in Ungarn, für die günstige Entwickelung der Verhältnisse und ich rechne auf Sie, sowie sie sich bisher immer bewährt haben!" Se. Majestät der Kaiser richtete an mehrere Mitglieder der Deputation, unter Andern auch an Herrn Sectiensrath v. Ludasy, einige freundliche Werte. In der Szegediner Repräsentanz wurde am 7. d. der Antrag gestellt, der principiellen Rechtsgleichheit der Israeliten dadurch thalsächlich gerecht zu werden, daß an die Stelle der bisher verstorbenen Stadtrepräsentanten Israeliten in die Repräsentanz gewählt j werden mögen. Dieser Antrag ging bei der liberalen Partei von der Partei der Intelligenz aus; bekämpft wurde er von der in Szegedin gegenwärtig herrschenden Volkspartei. Im Laufe der dreistündigen Debatte, die durch diesen Antrag hervorgerufen wurde, sagte unter Anderem ein Redner der Volkspartei, er habe im Jahre 1848 einen gebildeten Juden gekannt, der bei einem Gespräche über die Emancipation erklärte, daß die Juden keine Gnaden annehmen, sie würden ihre Rechte schon erringen. Wenn man nun die Israeliten aus Gnade in die Repräsentanz aufnehmen wollte, würde man sie in ihrem Selbstgefühle verletzen. Nach Beendigung der Debatte wurde abgestimmt und der Antrag mit 49 gegen 45 Stimmen verworfen. Nach j der Abstimmung aber begegnet ein Szegediner Israe- - Ute einem der 49 Sieger und fragt ihn um den Grund, weshalb er gegen den Antrag stimmte. „Warum sollten wir denn" — war die geflügelte Antwort — „Juden in die Repräsentanz aufnehmen? Haben doch die Inden keinen einzigen Christen zum Abgeordneten für den israelitischen Congreß gewählt!" Donaufüstenthümer. Bukarest. Bald nach der Uebernahme seines : Portefeuille bat der MtnisterdeS Innern Michael Cogül-; niccano an fämmtliche Präfecten ein Circular ergehen lasten, aus welchem wir nachfolgende Stelle hervorheben:; „Vor Allem erkläre ich Ihnen, daß ich nicht will, daß bei der Administration Politik getrieben werde. Ich will mich hierüber näher ausdrücken: Als Mini-; ster des Innern babe ich die specielle Mission, das gute j Einvernehmen zwischen sämmtltchen Einwohnern des Lan-; des, ohne Unterschied der Nationalität, der Religion und der Meinung, zu beschützen, ich habe den administrativen Autoritäten des Staates, der Departements und der Gemeinden einen gesetzlichen! Antrieb zu geben; ich habe endlich die Mission, über; die öffentliche Sicherheit zu wachen." (Echo Dan.) Schweden. Stockholm. Vor Kurzem starb in Berlin ein Mann aus unserer Stadt, ein Kammerherr des Königs, Namens Benedict. Er war früher Jude und ist . zum Cbristenth ime übergegangen. Er vermachte fast z eine halbe Million Thlr. zu Gunsten verschiedener Wohl- I thätigkeitsvereine, darunter auch lOOOO Thlr. als Beij trag zur Erbauung der hiesigen Synagoge. Ueberhaupt leben hier noch mehrere Apostaten, die fortwährend freiwillig zu den Kosten der isr. Gemeinde beisteuern. (Hamagid.) England. London. Der jüngst in Plymouth verstorbene Gorfünkle (Israelit), Reisender in einem Schwammgeschäft en gros hat an verschiedene Wohlthätigkeitsanstalten 1900 L. (21800 fl.) vermacht. London Vorige Woche wurde in London ein eigenthümlicher Proceß verhandelt. Ein holländischer jüdischer Metzger Namens Moses Schott hat gegen den Qberrabbiner Or. Adler einen Proceß angestrengt, weil derselbe seine Person verläumdet und sein Geschäft in Miscredit gebracht habe. Nach der Anklageschrift sei der Kläger autorisirt gewesen, zu schlackten und an Israeliten Fleisch zu verkaufen, trotz Allemdem habe der Verklagte auf verläumderische Weise über ihn und sein Geschäft die Worte ausgesprengt: „Er verkauft kein koscheres Fleisch," wobei dcr Verklagte damit habe zu verstehen geben wollen, daß der Kläger nicht solches Fleisch verkaufe, das nach jüdischen Gesetzen und Gebräuchen geschlachtet worden wäre. In Folge dieses wären seine Kunden nach und nach ausgeblieben und hätte er sein Geschäft schließen müssen. (Zum Verständniß unserer Leser müssen wir bemer-