Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 53 (30.12.1868)
- Date
- 1868-12-30
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447343-2447394--06771-2462343- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Hanau 1× ep/1047937
OCR text
IX. Jahrgang. Beilage z» Nr. 53 des Israelit. Zeituntzsnrrehrichiken und Eorrespondenzen. Deutschland. Mainz, den 25. Dec. Wenn es früher für die beste Empfehlung galt, wenn ein Rabbiner treu und ernst seinen Pflichten nachkam, so ist leider heutzutage nur zu häustg das Gegentheil der Fall. So wird uns aus Bayern berichtet, daß man bei Besetzung eines Rabbinats gegen einen der Bewerber geltend macht, er sei „zu fromm", zu streng gegen die ihm untergebenen ccrPfc'. Wir wollen mit einigen Worten das überaus Thörichte eines solchen Einwandes beleuchten. Kein wahrhafter Rabbiner wird aus Uebermuth oder persönlicher Rancüne einen tanw für untauglich erklären; dagegen ist die nur zu häufig gehandhabte Milde und Nachsicht in dieser Beziehung durchaus verderblich. Wir haben persönlich darin Erfahrungen gemacht, wie wenige Andere. Wie häufig haben wir Gelegenheit gehabt, crarw zu prüfen, die total unfähig waren und dennoch ein halbes Dutzend nidIp von neologen oder indifferenten Rabbinen hatten! Die Folgen solcher Zustände liegen auf der Hand; die Gemeinden essen meio und begehen trotz aller Sorgfalt in der Haushaltung täglich und stündlich die größten nnny, die wenn auch aanc/2 begangen, dennoch nroy bleiben. Am Schlimmsten aber sind die Folgen für die C’tanw selbst, die dazu kommen, y<_i zu sein. Für einen wahrhaft religiösen, gewissenhaften lüt&p kann es keine größere Wohlthat geben, als eine sorgfältige Prüfung und Beaufsichtigung, welche ihm die ihm obliegende große Verantwortlichkeit erleichtert. Möge der betreffende District beider bevorstehenden Wahl die Aussprüche des weifen Königs, Koheleth Cap. 10. V. 16 und 17, bedenken. — Berlin, 23. Dec. Dr. Kosch (der Vertreter Königsbergs im Abgeordnetenhause), der in jeder Session für die volle Emancipation seiner israelitischen Glaubensgenossen eine Lanze bricht, hat für sein letztes Auftreten in dieser Hinsicht eine Dankadresse empfangen, die von den Vorständen von 414 Synagogen der alten und neuen Provinzen unterzeichnet und ihm von einer Deputation aus Königsberg überreicht worden ist. Dieselbe lautet: „Hochzuverehrender Herr Doctor! Seit einer langen Reihe von Jahren treten Sie in jeder Session des Landtags mannhaft und in beredter Weise für unsere Glaubensgenossen ein und fordern > immer von Neuem auch für diese ihre vollen ungeschmälerten staatsbürgerlichen Rechte. Im Gefühle der j stolzen Befriedigung, mit welcher die Preußen jüdischen! Glaubens Sie als den muthigen und beharrlichen Vorkämpfer' für ihr Recht verehren, erlauben Sie ims, Jbnen, hochgeehrter Herr, unfern tiefgefühlten Dank und zugleich die Hoffnung auszusprechen, daß es Ihnen noch vergönnt sein wird, sich der Früchte Ihrer hochherzigen Bestrebungen in vollstem Maaße zu erfreuen; denn auch wir theilen mit Ihnen die Ueberzeugrmg: Man kann unser Recht verläugnen, aber nicht läugnen." Berlin, den 25. Dec. Die Generalversammlung des hiesigen Talmud-Vereins findet Sonntag den 3. Januar statt. Der Vorstand wird folgenden Antrag stellen: „Die Generalversammlung wolle den Vorstand ermächtigen, 500 Thaler für Errichtung einer Vereinssynagoge zu verausgaben." — Hanau, 22. Dec. Die hiesige Zeitung berichtet: Gestern Morgen zwischen 6—7 Uhr wurden auf dem Wege zwischen Bergen und Seckbach zwei israelitische Viehhändler, welche drei Kühe mit sich führten, von acht Personen angefallen, einer wiederholt niedergeschlagen und einer Geldsumme von 40 fl. beraubt, der andere hat entlaufen können." Hamburg, den 19. Tez. Unkt Mitbürger Hermann Lilienfeld (von der Firma Gebrüder Lüienfeld) hat von der Behörde des städtischen Museums in Brounfchweig ein Ehren-Diplom erhallen, weil er die dortigen Sammlungen durch werthvclle numismatische Beiträge aus seiner bekannten reichhaltigen Münzsammlung in höchst uneigennütziger Weise vermehrt hat. Ihm wird in dem erwähnten Aktenstücke herzlicher Dank für seine Schenkungen ausgesprochen, die in erfreulicher Weise die wissenschaftlichen Zwecke jenes gemeinnützigen Instituts fördern helfen. O österreichischer Kaiserstaal. VVien, 24. Dec. Gestern Vormittags um 11 Uhr hat die Deputation des ungarischen israelitischen Congresses, bestehend aus 20 Abgeordneten, bei dem Kaiser Audienz genommen. Als Sprecher funyirte der zweite Vicepräsident des Congresses, Herr Moritz Wahrmann. Er drückte Namens der ungarischen Judenschaft in tiefgefühlten Worten Sr. Majestät den Dank für die Einberufung des Congresses aus, einer Versammlung, die in der Geschichte des parlamentarischen Lebens mit ihrem Endziele die Regelung specifisch israelischer Angelegenheiten einzig und allein dastehe in Europa. Herr Wahrmann sprach in warmen AuS-